Ende Februar tagte erstmals die Fachkommission zum Umgang mit sexueller Belästigung an der Uni Basel. Nötig wurde sie auf öffentlichen Druck um einen Vorfall, der sich im vergangenen Jahr zugetragen hat. Schon jetzt liegt ein neuer Fall vor.

Uni-Sprecher Matthias Geering bestätigt entsprechende Recherchen der «Schweiz am Wochenende». Eine «externe und unabhängige untersuchende Person» habe ein Verfahren eingeleitet. Längst nicht alle Beanstandungen erreichen diese Stufe.

Zum aktuellen Fall äussert sich die Uni mit Verweis auf den Persönlichkeitsschutz nicht. Informationen der bz, wonach es sich um einen Professor handeln soll, bestätigt die Uni nicht. Es gebe «weder einen Abschluss der Untersuchung noch eine Formulierung von Konsequenzen».

Die Uni nehme das Thema «sehr ernst». «Wir an der Universität Basel haben aus der Vergangenheit gelernt und sind sehr aktiv dabei, neue Strukturen aufzubauen», sagt Professor Jens Gaab, Delegierter für Diversität und Nachhaltigkeit.

Machtfülle Professur

Für Aline Vogt ist es kein Zufall, dass sich die Universitäten – Basel ist kein Einzelfall – wiederholt mit solchen Anschuldigungen konfrontiert sehen. «Zwischen Doktorierenden und Professuren besteht ein grosses Abhängigkeitsverhältnis. Ein Professor betreut und bewertet die Arbeit der Doktorierenden.», sagt die Doktorandin, die die Arbeitsgruppe Frauenstreik an den Hochschulen koordiniert. «Gleichzeitig besteht noch immer das Bild des – meist männlichen – Professors, der in seiner Genialität über seinen Angestellten und Studierenden steht. So entsteht ein Klima des Leistungsdrucks mit grossem Machtgefälle, das sexuelle Übergriffe begünstigt.»

Eine der Forderungen der Arbeitsgruppe beinhaltet einen Präventionsplan zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt an der Uni. «Jene Fälle, die bekannt werden, sind vermutlich nur die Spitze des Eisbergs», sagt Vogt.

Die Frauen kämpfen für einen Strukturwandel: Nur jede vierte Professur sei mit einer Frau besetzt. «Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Lohngleichheit und eine Sensibilisierung für die Thematik ändern die Verhältnisse nachhaltig. Es geht nicht nur um sexuelle Übergriffe.»