Kommentar

Grosse Distanz zur Kirchenbasis: Zum Rücktritt der umstrittenen Pfarrerin Christine Dietrich

Christine Dietrich

Christine Dietrich

Die Kleinhüninger Pfarrerin und Basler Kirchenrätin Christine Dietrich nimmt den Hut. Offiziell begründete die Evangelisch-Reformierte Kirche Basels dies damit, dass es seit Dietrichs Wahl in den Kirchenrat im Herbst vergangenen Jahres «nie mehr ruhig geworden» sei. Zumindest medial, und damit in der Öffentlichkeit, ruht der Fall aber seit vielen Wochen. Der Schluss ist deshalb naheliegend: Die Pfarrerin hat die innerkirchliche Auseinandersetzung um ihre Person verloren, vielleicht gar den Rückhalt in der eigenen Gemeinde. Sie wird nun «besondere Aufgaben in der Kantonalkirche» ausüben.

Dieser Schritt spricht letztlich für das insgesamt fortschrittliche Weltbild innerhalb der Kirche. Eine Geistliche, die sich in letzter Konsequenz nie von ihrer Tätigkeit als meinungsführende Bloggerin im bräunlichen Sumpf deutscher Rechtsnationalisten und Kulturchauvinisten hat distanzieren können - oder distanzieren wollen -, entspricht ganz und gar nicht dem Bild, das sich die modernen Landeskirchen selbst geben: Nämlich in einer immer heterogener werdenden Gesellschaft als integrative Kraft zu wirken.

Die evangelischen Kirchenoberen haben die progressiven Kräfte in ihren Reihen und in der Öffentlichkeit unterschätzt oder sie aus schierer Personalnot ignoriert, als sie Dietrich, deren Weltanschauung bekannt gewesen war, zur Wahl in den Kirchenrat vorschlugen. Damit haben sie aber vor allem eines gezeigt: Ihre grosse Distanz zur Basis.

Verwandtes Thema:

Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

Meistgesehen

Artboard 1