Filmtage Solothurn
Grosser Auftritt von Lehrer Zingg an den Solothurner Filmtagen

Christian Zingg ist Lehrer einer Intergrationsklasse in Basel. Regisseurin Anna Thommen hat über das schulische Brückenangebot für jugendliche Migranten einen Dokfilm gedreht. An den Solothurner Filmtagen bekamen die beiden Basler viel Applaus.

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Basler Dokfilm «Neuland» kommt in Solothurn gut an
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Gibt nie auf: Lehrer Christian Zingg. Er postuliert auch klare Regeln.
Ehnsanullah Habibi aus Afghanistan. 20000 Dollar Schulden bringt er mit, kann er sie je zurückbezahlen?
Die Odyseen der Jugendlichen auf einer Weltkarte mit farbigen Faden und Nadeln dargestellt.
Nazlije Aliji aus Serbien würde an sich gerne Primarschullehrerin werden. Doch der schulische Rucksack ist zu klein. Nazlije macht dennoch ihren Weg.

Basler Dokfilm «Neuland» kommt in Solothurn gut an

zvg

Der Beifall wollte nicht mehr enden in der vollen Reithalle in Solothurn. Die Geschichte über ausländische Jugendliche, die in der Schweiz schulisch und beruflich Fuss zu fassen versuchten, hatte die Premiere-Zuschauer hörbar bewegt.

Regisseurin Anna Thommen erzählt in ihrem Film «Neuland» die Geschichte von jungen Migranten, die in Basel auf die Integrationsschule gehen: Wie sie dort auf den engagierten Lehrer Christian Zingg treffen. Dieser zeigt den unterprivilegierten Jugendlichen Perspektiven auf, auch wenn die Hürden für einen Einstieg in den Berufsalltag unendlich hoch erscheinen.

Zingg unterrichtet nicht nur, er geht in Gesprächen auch auf persönliche Schwierigkeiten der Jugendlichen ein.

Da ist etwa der 19-jährige Ehnsanullah Habibi, der nach einer einjährigen Odysee in Basel gestrandet ist. Er würde lieber arbeiten als zur Schule zu gehen. Denn er hat sich für die Flucht auf Afghanistan hoch verschuldet und muss das Geld jetzt zurückzahlen. Zingg zeigt für Ehnsanullah Verständnis und lässt ihn trotzdem nicht einfach so ziehen.

Oder die 21-jährige Nazlije Aliji. Die Albanerin ist nach dem Tod ihrer Mutter aus Serbien in die Schweiz gekommen. Sie lernt rasch dazu. Ihr Wunsch: Primarlehrerin werden. Schafft Sie das? Zingg sagt, was er davon hält. Und auch bei Nazljies Bruder Ismail weiss Zingg weiter, als der Traum Automechaniker in die Leere führt.

Für ihr Abschlussprojekt an der Zürcher Hochschule der Künste hat die Basler Dokumentarfilmerin Thommen eine Integrationsklasse und deren Lehrer zwei Jahre lang begleitet. Sie zeigt, wie Jugendliche unter kundigen Anleitung in der Schweiz ihren Weg machen.

Es sind 92 packende Minuten geworden. Eineinhalb Stunden, die dem Filmpublikum vor Augen führen, dass die jungen Menschen in die Schweiz kommen, weil sie hier eine Perspektive für ihr Leben zu finden hoffen.

Wie viel dabei persönliches Engagement ausmacht, das verkörpert Christian Zingg eindrücklich.

In Solothurn nutzte er seinen Bühnenauftritt auch dazu, für Ehnsanulla eine Lehrstelle als Koch zu suchen. Wer eine habe, könne sich bei ihm melden, sagte er im vollen Saal.

Der Film läuft in Solothurn in einer der beiden Haupt-Kategorien. Er hat intakte Chancen auf den begehrten «Prix du Public». (rsn)