Grosser Rat
«Altmetall»: LDP fordert Ausbaustopp beim Tramnetz

Statt Trams sollen die ÖV-Verantwortlichen in Basel künftig auf Busse setzen, fordert die LDP. Diese seien flexibler und effizienter als Trams.

Jonas Hoskyn
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Die Diskussion über den künftigen ÖV in Basel ist neu entbrannt.

Die Diskussion über den künftigen ÖV in Basel ist neu entbrannt.

Juri Junkov

Grundsätzlich ist man sich quer durch die Parteienlandschaft einig: Der öffentliche Verkehr soll wieder attraktiver werden. So soll der Fahrgasteinbruch, den die Coronapandemie verursacht hat, wettgemacht werden. Wie es aber grundsätzlich mit dem ÖV weitergehen soll in Basel, darüber gehen die Meinungen weit auseinander.

Nicole Strahm (LDP) gab bereits zu Beginn der Debatte im Basler Parlament den Tarif durch: «Wir werden uns vehement gegen jeden Ausbau des Schienennetzes wehren» – konkret etwa die geplanten Verbindungen durch den Claragraben und Petersgraben. Die Alternative sieht die LDP in einem schienenunabhängigen ÖV-Netz:

«Busse sind viel flexibler etwa bei Baustellen, Pannen oder Demonstrationen.»

Auch sonst kann die LDP-Grossrätin kaum Vorteile im Tram erkennen. Die ständigen Reparaturen am «Altmetall» würden Zeit und Nerven kosten. In der Innenstadt sei die «grüne Wand», also die vielen Trams, ein grosses Problem. Strahm plädierte dafür, den Fahrplan grundsätzlich zu überdenken: «Viele Haltestellen liegen zu nahe beieinander. Als Fussgänger ist man oft schneller am Ziel als mit dem Tram.» Die Abschaffung der Doppelhaltestellen werde das Problem noch verschärfen.

Linke wehren sich für das Tram

Auf linker Seite kam dieser Frontalangriff auf das Tram schlecht an. Basta-Grossrat Beat Leuthardt, der im Nebenjob als Tramführer unterwegs ist, wehrte sich: «Das ist ein Versuch der Autolobby, die nun auf das Tram zielt, weil man gemerkt hat, dass das Thema Parkplätze nicht mehr funktioniert.» Auch Jean-Luc Perret (SP) hielt ein Plädoyer für die Schiene: «Wir müssen uns fragen, wer in Zukunft die grossen Personenströme aufnehmen wird. Da führt kein Weg an Trams und Zügen vorbei.» Das Tram sei sehr flächeneffizient.

«Wir machen uns die Überlegungen auch, ob das Tram noch zeitgemäss ist», schloss Bau- und Verkehrsdirektorin Esther Keller. Die Antwort sei «Ja, aber». Keller: «Wir müssen das Tram ergänzen und verschnellern.» Bei den geplanten neuen Gleisabschnitten handle es sich um Teilstücke, die das Netz flexibler machen. «So wird das Netz flexibler und man kann um die Innenstadt herum fahren.»

«Sparen beim ÖV ist aber sicher nicht das Thema»

Damit der ÖV attraktiver werde, müsse auch die Multimodalität gefördert werden, so Keller. In der Vorbereitung des ÖV-Programms wurde die Idee diskutiert, dass im künftig auch Verkehrsmittel wie Miet-Trottinette oder Mietvelos ins U-Abo eingebunden werden könnten. Eines machte Keller klar: «Sparen beim ÖV ist aber sicher nicht das Thema.»

Für Diskussionen sorgte auch die geplanten Änderungen im Fahrplan. Am Morgen sollen auf einzelnen Linien weniger Trams verkehren, damit der Takt in den Abendstunden verdichtet werden kann. Aufgrund der Corona-Pandemie werden diese Pläne zurückgestellt, was vor allem links bedauert wird.

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