Grosser Rat
In Basel soll es wieder an allen Schulen Einführungsklassen geben: «Die integrative Schule dreht im roten Bereich»

Eine erste Klasse für Kinder mit Entwicklungsverzögerungen soll wieder flächendeckend eingeführt werden. Ein solches Angebot wurde im Rahmen der integrativen Schule einmal abgeschafft.

Zara Zatti
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Spezielle Einführungsklassen oder zusätzliche Unterstützung im Regelunterricht? Darüber diskutierte der Grosse Rat am Mittwoch.

Spezielle Einführungsklassen oder zusätzliche Unterstützung im Regelunterricht? Darüber diskutierte der Grosse Rat am Mittwoch.

Nicole Nars-Zimmer

Einführungsklassen soll es in Basel wieder an allen Schulstandorten geben. Das beschloss der Grosse Rat am Mittwoch mit 53 Ja- zu 41 Nein-Stimmen. Solche Klassen sind für Kinder vorgesehen, die beim Übertritt vom Kindergarten in die Primarschule Sprach- oder Entwicklungsschwierigkeiten aufweisen.

Statt in einem Jahr absolvieren diese Kinder die erste Klasse in zwei Jahren. Nachdem das Angebot im Rahmen der integrativen Schule im Jahr 2015 abgeschafft wurde, sind solche Klassen seit zwei Jahren wieder erlaubt. Bei der Änderung des Schulgesetzes wurden jährliche Ausgaben von zwei Millionen Franken für Einführungsklassen vom Grossen Rat gesprochen. Gerechnet wurde mit zehn Klassen. Aktuell entscheidet die Schulleitung zusammen mit dem Kollegium, ob es eine Einführungsklasse in einem Jahrgang braucht. Wie der zuständige Regierungsrat Conradin Cramer vor dem Parlament sagte, gebe im laufenden Schuljahr eine solche Klasse.

In Riehen gibt es seit rund einem Jahr wieder Einführungsklassen. Pascal Kreuer, Abteilungsleiter Bildung und Familie, zeigte sich gegenüber dem «Regionaljournal Basel» zufrieden mit den bisherigen Erfahrungen.

Könnten die Klassen gefüllt werden?

Cramer sprach sich gegen Einführungsklassen an allen Schulen aus. Diese sollen selber entscheiden können, ob es ein solches Angebot braucht oder nicht.

«Das ist kein Wirrwarr, sondern die Erkenntnis, dass nicht ich an meinem Schreibtisch weiss, was das Beste ist, sondern die Schulleitungen zusammen mit den Lehrerinnen und Lehrern.»

Cramer erachtet es als «fatal», wenn die erst 2019 beschlossene Möglichkeit einer Einführungsklasse durch eine «flächendeckende Verordnung» ersetzt würde.

Eingereicht wurde die Motion von der FDP. Unterstützung erhielt sie von allen Parteien ausser der LDP und der SP, wobei es bei Letzterer auch Stimmen für den Vorstoss gab. Franziska Roth (SP) sagte: «Die Einführungsklassen lösen die Probleme der integrativen Schule nicht.» Viele Eltern würden etwa gar nicht wollen, dass ihre Kinder eine solche Klasse besuchen.

Sie stellte ausserdem in Frage, dass es so viele Kinder mit einer Entwicklungsverzögerung gebe. «Was machen wir, wenn wir die Einführungsklassen nicht füllen können?» Roth sieht die Gefahr, dass dann einfach alle anspruchsvollen Schülerinnen und Schüler in der Einführungsklasse landen und damit «hochproblematische Klassen» entstehen.

Integrative Schule stosse an ihre Grenzen

Die LDP unterstützte ihren Regierungsrat mit der Ablehnung der Motion. «Wir sind nicht gegen Einführungsklassen. Wir befürworten diese, wenn die Schulen selbst einen Bedarf dafür sehen», sagte Catherine Alioth für ihre Partei.

Heidi Mück vom GAB warb für die Einführungsklassen.

«Die integrative Schule dreht im roten Bereich. Wir hören von den Schulstandorten, dass es immer mehr Kinder mit Entwicklungsverzögerungen gebe und dass diese von einer Einführungsklasse enorm profitieren könnten.»

Heute würden Flickwerkangebote aus dem Boden gestampft, um die Not zu lindern.

Auch Sandra Bothe von der GLP monierte, dass die integrative Schule an ihre Grenzen stosse. Damit ein geregelter Unterricht stattfinden könne, müssten Heilpädagogen, Klassenassistenzen und Zivildienstleistende eingesetzt werden. «Das führt zu enorm komplexen Situationen an den Schulen. Eine Einführungsklasse wäre da zielführender.»