Künftig sollen Restaurants und Bars in Basel-Stadt in den heissen Sommermonaten ihre Gäste länger draussen bewirten dürfen – das hat der Grosse Rat entschieden. Die Motion zu mediterranen Nächten hat jedoch auch Ängste vor mehr Lärm, Littering und Gewalt zu später Stunde hervorgerufen.
In Basel sollen während der Sommermonate die Terrassen- und Boulevardflächen am Wochenende einheitlich bis 1 Uhr geöffnet sein dürfen, unter der Woche bis 24 Uhr. Der Grosse Rat hat eine Motion zu mediterranen Nächten von Grossrat Laurin Hoppler (Grün-Alternatives Bündnis) und weiteren Unterzeichnenden mit grosser Mehrheit an den Regierungsrat überwiesen. Er muss nun eine Vorlage ausarbeiten, wie die Forderung erfüllt werden kann.
In der Debatte wurden aber auch viele Bedenken laut. Zwar sieht die Motion vor, dass die verlängerten Öffnungszeiten Lärm, Littering und soziale Kontrolle verbessern würden. Denn bewirtete und sitzende Gäste seien leiser und anständiger als solche, die sich «wild» verpflegen würden, etwa in Parks, Grünanlagen oder am Rheinbord.
Doch nicht alle teilten diese Ansicht. Noch leiser als sitzende Gäste seien gar keine Gäste, sagte EVP-Grossrätin Brigitte Gysin, die Nicht-Überweisung beantragte. «Ich frage mich auch, wie die Gäste nach Mitternacht nach Hause kommen sollen, ohne sich zu bewegen? Werden die nach Hause gebeamt?» Der Lärm würde sich also, parallel zu den Öffnungszeiten, ebenfalls nach hinten verschieben. Das sei schlecht für jene, die frühmorgens und an Wochenenden arbeiten müssten. Und bei offenem Fenster schlafen sei für viele dann auch nicht mehr möglich.
Raphael Fuhrer vom Grün-Alternativen Bündnis sagte, man sei gegen die Tendenz der 24-Stunden-Konsum-Gesellschaft in den Städten. Die Umsatzsteigerungen der Gastronomiebetriebe könnten ebenfalls kein Argument für verlängerte Aussen-Öffnungszeiten sein. Denn unter ihnen würde auch das Sozialleben des Personals leiden, das länger arbeiten müsse. Zudem habe man in Thun und in Zürich, wo es schon solche mediterranen Nächte gebe, viele schlechte Erfahrungen gemacht.
Gerade das Argument mit dem Personal gelte nicht, hiess es wiederum seitens der Befürworter. Die Lokale könnten ja im Innenraum weiter Gäste bewirten, die Ausweitung der Öffnungszeiten gelte nur für Aussenbereiche. Die kühle Stange würde dann im Innenraum getrunken, das Personal könne nicht früher nach Hause gehen.
Die Mehrheit des Rats folgte jedoch dem Votum von Annina von Falkenstein (LDP-Fraktion), die sagte, man solle dem «Summer-in-the-City-Gefühl eine Chance geben». Es sei mit dieser temporären Liberalisierung der Öffnungszeiten nicht zu erwarten, dass nun alle Betriebe die neuen Möglichkeiten nutzen würden. Dem setze nur schon die Witterung enge Grenzen. Der Grosse Rat überwies die Motion mit 72 Ja gegenüber 7 Nein, das bei 10 Enthaltungen.
Derzeit ist Basel laut dem Boulevardplan Innenstadt in vier verschiedene Zonen aufgeteilt. Nur in der Steinenvorstadt und entlang einiger Achsen dürfen Gastrobetriebe schon heute über Mitternacht hinaus rausstuhlen. Entlang des Kleinbasler Rheinufers jedoch müssen die letzten Gläser derzeit wochentags um 23 Uhr abgeräumt werden, am Freitag- und Samstagabend um 24 Uhr. Die Motion zu mediterranen Nächten sähe vor, dass die neuen Öffnungszeiten vier Monate lang gelten sollten: von Juni bis September.
Laut Motionstext hat Thun die mediterranen Nächte bereits eingeführt, in Zürich läuft ein Pilotprojekt. Begründet wird der Vorstoss auch mit geändertem Schlafverhalten. Die Ins-Bett-gehen-Zeit habe sich in den vergangenen Jahrzehnten nach hinten verschoben. Dem sei nun Rechnung zu tragen.