Die Basler Grossrätinnen und Grossräte zeigten sich am Mittwoch grosszügig. Zuerst mit Wortmeldungen: Am Ende hatte mehr als jeder vierte Parlamentarier seine Meinung zum Ozeanium mindestens einmal kundgetan. Aber auch inhaltlich liessen sich die Politiker nicht lumpen. Mit deutlicher Mehrheit sprachen sie sich für das Bauprojekt an der Heuwaage aus und gewährten dem Zolli dafür den Boden im Baurecht zum Preis von 50 Franken im Jahr. Ein guter Deal für den Zoo, Experten schätzen den Marktpreis auf etwa 21'500 Franken.

Insbesondere Vertreter von LDP und FDP sahen aber nicht etwa einen Entscheid beidseitigen Interesses, sondern sich primär zu Dank verpflichtet gegenüber dem Zolli. Es bleibe, «nur ein riesengrosses Dankeschön» auszurichten, fand etwa Jeremy Stephenson (LDP), der die Baurechtskommission präsidiert. Dem vorausgegangen war ein flammendes Plädoyer zugunsten des Ozeaniums.

Zolli-Direktor Olivier Pagan nimmt Stellung zum deutlichen Ja aus dem Grossen Rat zum Ozeanium

Zolli-Direktor Olivier Pagan nimmt Stellung zum deutlichen Ja aus dem Grossen Rat zum Ozeanium

Der Fraktionszwang der SP

Ähnlichen Sukkurs gab die SP. Zwar glaubte Fraktionssprecher Sebastian Kölliker eine «fehlende Euphorie» in der Stadt für das Bauvorhaben bemerkt zu haben. Und immerhin enthielten sich fünf SP-Mitglieder der Stimme. Doch am Ende besorgte der wieder einmal auffällige Fraktionszwang den Rest: Es stimmten sogar jene Genossen mit Ja, die im Vorzimmer des Grossratssaals hinter vorgehaltener Hand über das Projekt gewettert hatten. Überhaupt konnten sich bemerkenswert viele Politiker nicht zu einer Meinung durchringen.

Insgesamt drückten 13 Mitglieder weder auf den Ja- noch den Nein-Knopf. Geschlossen stimmten nur die Fraktionen von FDP und CVP. Selbst Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels unterliess es nicht, die Zolli-Direktion für ihr «grosses Engagement» zu rühmen. Eine Delegation um Direktor Olivier Pagan nahm es auf der Zuschauertribüne wohlwollend zur Kenntnis.

Offene Kritik kam hingegen vonseiten der Grünen, die sich gemeinsam mit Umweltorganisationen wie Greenpeace schon früh morgens vor dem Rathaus aufgebaut hatten. Zwei hartgesottene Aktivisten liessen sich im Namen der PR sogar als Quallen verkleidet den Rhein hinabtreiben. Schon da verkündete Grünen-Grossrat Thomas Grossenbacher, das Referendum ergreifen zu wollen – was angesichts der Berichterstattung der vergangenen Tage kaum mehr zu überraschen vermochte. Der Zolli wolle ein antiquiertes System fortsetzen, befand Grossenbacher: «Es ist falsch, Tiere ihrer Freizeit zu berauben.»

Stattdessen seien deren Lebensräume zu schützen. Grossenbacher machte sich für einen digitalen Zugang zum Meer stark. Den Kindern und Jugendlichen soll über Bildschirme die Bedeutung der Meeresbewohner vermittelt werden. Mehrfach erwähnte er das virtuelle Ozeanium Ocean Odyssey in New York. Das barg insofern eine gewisse Ironie, als das Basler Stimmvolk einst ein an gleicher Stelle geplantes Multiplex-Kino versenkte.

Vertauschte Rollen

«Bei der Budgetdebatte waren wir uns alle noch einig darüber, wie der Zolli Wissen über die Natur vermittelt», hielt CVP-Fraktionspräsidentin Andrea Knellwolf dagegen. Tatsächlich: Als die Regierung im Rahmen eines Sparprogramms dem Zolli die Unterstützungsbeiträge kürzen wollte, outeten sich insbesondere die Grünen als Freunde des Zoos. Das war im März 2017. Allerdings kann das Zitat von Knellwolf ebenso in die Irre führen. Die CVP-Grossrätin sprach sich damals für eine Kürzung der Leistungsbeiträge aus.

Trotz teils vertauschter Rollen: Viele neue Argumente um das prominente Basler Streitthema waren beidseitig nicht zu hören. Geblieben ist auch die allgemeine Überzeugung, der Zolli sei ein wirtschaftlicher Motor für den Basler Tourismus. Das verkehrstechnisch gut erschlossene Ozeanium könne dies noch verstärken, daran glauben Politiker unterschiedlichster Gesinnung.

Ausgerechnet der Freisinnige Stephan Mumenthaler zog die ökonomische Nachhaltigkeit des Neubaus in Zweifel. In Anlehnung an das vereinsamte Einkaufszentrum sprach er von einem «Stücki für Fische», das der Zolli plane, mit ambitioniert angestrebten Zuschauerzahlen. «Aber es liegt in der unternehmerischen Freiheit, das zu tun, und ich werde dieses Recht verteidigen», begründete Mumenthaler schliesslich seine Zustimmung zum Ozeanium.
All der vielen Worte zum Trotz: Das letzte hat nun das Volk. Es ist davon auszugehen, dass es dem Grünen Bündnis, mit den Umweltverbänden im Boot, mit Leichtigkeit gelingen wird, die nötigen 2000 Unterschriften für ein Referendum zu fischen.