Elisabeth Ackermann kann aufatmen. Die Chancen für das Prestigeprojekt der zuständigen Basler Regierungspräsidentin stehen gut. Trotz immer wieder geäusserter Bedenken dürfte der 225-Millionen-Neubau für das Naturhistorische Museum und das Staatsarchiv morgen Mittwoch im Grossen Rat eine klare Mehrheit erreichen.

Nicht nur SP und Grüne wollen das Projekt unterstützen. Auch in der LDP- und CVP/EVP-Fraktion hat es eine deutliche Mehrheit gefunden. «Sowohl das Naturhistorische Museum als auch das Staatsarchiv brauchen dringend eine Lösung», sagt LDP-Fraktionspräsident Michael Koechlin. «Würde die Vorlage abgelehnt, wäre das ein Debakel.»

«Blindflug ist kein gutes Gefühl»

«Zähneknirschend», aber letztlich doch auch deutlich will die CVP/EVP-Fraktion für den Museumsneubau stimmen. Unter dem Strich fehle schlicht eine gangbare Alternative. «Es gibt bei uns aber auch grosse Bedenken, weil uns weiterhin eine langfristige Museumsstrategie fehlt», erklärt CVP-Fraktionschefin Andrea Knellwolf.

In der Basler Museumslandschaft stehen in den kommenden Jahren weitere Investitionen an, die gesamthaft auf rund eine halbe Milliarde Franken geschätzt werden. «Wir befinden uns hier etwas auf einem Blindflug, und das ist kein gutes Gefühl», findet Knellwolf.

Gegen das Neubauprojekt wehren sich einzig die SVP und die FDP. Umstritten sind nicht nur die Baukosten, sondern auch die hohen Betriebskosten sowie der Standort beim Bahnhof St. Johann. Gerade die SVP stellt sich gegen das Projekt und liebäugelt bereits mit einem Referendum.

Referendum möglich

Zwar will auch die FDP die Vorlage wegen der hohen Betriebskosten an die Regierung zurückweisen, ein Referendum aber möchte sie nicht unterstützen. «In unserer Fraktion bestehen sehr unterschiedliche Ansichten. Die Mehrheitsverhältnisse sind eng», sagt FDP-Präsident Luca Urgese. «Es macht aber keinen Sinn, ein Referendum zu unterstützen, wenn man nicht geschlossen auftritt.»

Es sei hingegen gut möglich, dass einzelne FDP-Exponenten für ein Referendum eintreten. «Schliesslich ist das Projekt auch in der Bevölkerung umstritten. Davon bin ich überzeugt», meint Urgese. Und auch CVP-Fraktionspräsidentin Knellwolf will noch nicht ausschliessen, dass ihre Partei ein Referendum doch noch unterstützen könnte.

Ein solches sei denn auch grundsätzlich immer ernst zu nehmen, findet LDP-Fraktionschef Koechlin. «Wir sind aber davon überzeugt, dass wir unsere Argumente für den Neubau auch der Bevölkerung vermitteln können.»