Tiny House

Grosser Streit wegen kleinem Haus im Gundeli

In diesem Innenhof im Gundeldingerquartier soll das Tiny House gebaut werden.

In diesem Innenhof im Gundeldingerquartier soll das Tiny House gebaut werden.

Die Evangelische Bau- und Wohngenossenschaft will ein Tiny House im Gundeli bauen – doch die Anwohner wehren sich.

Umweltfreundlich wohnen auf engstem Raum – das mag ungemütlich klingen, liegt aber im Trend. Deshalb boomen kleine Häuser, sogenannte Tiny Houses. Auch in Basel steigt das Interesse für die in den USA entsprungene Wohnform.

Ein solches Tiny House sorgt aber derzeit im Gundeldingerquartier für grösseren Ärger. Konkret geht es um ein Öko-Minihaus aus Holz, welches im Innenhof im Garten der Gundeldingerstrasse 151 gebaut werden soll. Bauherrin ist die Evangelische Bau- und Wohngenossenschaft Basel. Diese hat sich zum Ziel gesetzt, alte Häuser zu kaufen und zu sanieren, um die Wohnungen dann preisgünstig zu vermieten. Fünf Häuser, insgesamt rund 30 Wohnungen in Basel, sind im Besitz der Genossenschaft. «Wir wollen den Garten unserer Liegenschaft an der Gundeldingerstrasse nutzen und weiteren günstigen Wohnraum schaffen, vielleicht für eine alleinerziehende Mutter», begründet Heinrich Gally, Präsident der Bau- und Wohngenossenschaft, das Tiny House. Also habe man beim Kanton ein Projekt eingereicht, ursprünglich ein zweistöckiges Häuschen. Nach diversen Abklärungen, unter anderem wegen geschützter Birken, liegt mittlerweile ein einstöckiges, L-förmiges Projekt von 50 Quadratmetern vor – auf Pfählen wegen der Wurzeln und mit einer Höhe von etwa drei Metern. Zugänglich wäre es durch die Liegenschaft, in deren Garten es gebaut werden soll.

Anwohner wollen, dass der Innenhof-Charakter bleibt

Der Innenhof, in dem das Haus zu stehen kommen soll, entsteht durch die Häuserzeilen Gundeldingerstrasse, Solothurnerstrasse, Winkelriedplatz. Verschiedene Anwohner-Parteien, unter anderem die Inhaber des Tennisplatzes an der Gundeldingerstrasse 147, bekämpfen das Bauprojekt. Sie haben Einsprache gegen das 2019 veröffentlichte Baugesuch erhoben und schliesslich im Mai dieses Jahres den Entscheid des Bau- und Gastgewerbeinspektorats für das Tiny House angefochten.

In einem gemeinsamen Gespräch habe man sich nicht finden können, sagen Bau- und Wohngenossenschaft wie Anwohner. Das Projekt ist derzeit bei der Baurekurskommission hängig. Die Anwohner stört, dass durch das geplante Mini-Haus der Charakter des grünen Innenhofs völlig verändert würde. Der zentrale Kritikpunkt: Das Bauvorhaben zerstöre die für den städtischen Blockrandbereich typische Hinterhofsituation überwiegend, wobei gleichzeitig lediglich ein geringer Wohnraum realisiert werden könne. «Für eine Wohnnutzung von wenigen Quadratmetern wird viel bestehender und für die Wohnqualität wichtiger Grünraum vernichtet. Deshalb wurde das Projekt auch von der Stadtbildkommission kritisiert», so Jakob Martin, der die Anwohner rechtlich vertritt.

Die Rekurrenten rügten bei ihrer Einsprache insbesondere auch die Nichteinhaltung des gesetzlichen Grenzabstandes und der gesetzlichen Frei- und Grünflächenanteile sowie die Verletzung der Baumschutzgesetzgebung. Das Gesuch sei trotz vieler Ungereimtheiten bewilligt worden. Das stosse auf Unverständnis, so Martin weiter. Man könne beim besten Willen nicht verstehen, weshalb die Bauherrschaft das Mini-Haus um jeden Preis realisieren wolle. Denn sie bezwecke doch gemäss Handelsregistereintrag die Vermietung von preiswerten Wohnungen und nicht die Realisierung von derartigen Bauvorhaben.

Der Entscheid soll in zwei Wochen fallen

Heinrich Gally von der Evangelischen Bau- und Wohngenossenschaft hingegen sagt: «Wir verstehen die Bedenken der Anwohner nicht. Das Haus verschwindet in der Umgebung und Kleintiere können ungehindert unter dem Haus durchschlüpfen.» Eine Stadt entwickle sich halt weiter.

Und die Stadtbild- sowie die Baurekurskommission teilen mit, sie würden sich nicht zum laufenden Verfahren äussern. Ein Entscheid fällt voraussichtlich in zwei Wochen.

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