Riehen

Grossräte fordern Tunnel für Riehen – wegen geplantem Ausbau der Wiesentalbahn

Die Aufwertung der Wiesentalbahn S-Bahn bringt Nachteile mit sich. Diese sollen nun abgefedert werden.

Die Aufwertung der Wiesentalbahn S-Bahn bringt Nachteile mit sich. Diese sollen nun abgefedert werden.

Weil der Ausbau der S-Bahn ins Wiesental die Landgemeinde noch stärker teilen wird, fordern die Grossräte eine Tieferlegung des Trassees durch Riehen. Die Idee ist nicht neu, vor 14 Jahren wurde sie einst abgeschmettert. Laut den Befürwortern habe sich die Ausgangslage nun aber stark geändert.

Doppelspurausbau und Viertelstundentakt in beide Richtungen – die Wiesentalbahn soll aufgewertet werden. In Riehen freut man sich über den ÖV-­Ausbau. Doch er bringt auch Nachteile mit sich. Schon heute teilt das Bahntrassee das Dorfzentrum in zwei Teile. An den Barrieren muss man vier Mal stündlich mehrere Minuten warten. Dazu kommt die Lärmbelastung.

Eine Taktverdichtung würde das Problem verschärfen, warnen mehrere Riehener Grossrätinnen und Grossräte von links bis rechts in einem Vorstoss. Sie regen die Regierung an, sich Gedanken über eine Tieferlegung des Trassees durch Riehen zu machen, um die oberirdischen Einflüsse der Bahnlinie zu mildern.

Hat Riehen bereits konkrete Pläne?

Die Idee ist nicht neu und wurde schon vor 14 Jahren angeregt von Bruno Mazzotti (FDP) im Grossen Rat diskutiert. Er begründete damals seinen Vorstoss auch mit der durch die Bahngleise erschwerten Erschliessung des Bau­gebiets Stettelfeld. Der Regierungsrat räumte einer Tieferlegung der Wiesentalbahn wegen der Kosten von geschätzt mindestens 75 Millionen Franken keine hohe Priorität ein, obwohl die Tieferlegung baulich und betrieblich machbar wäre.

Der Nutzen sei für das Geld zu klein. Mit dem geplanten Ausbau der Wiesentalbahn habe sich die Ausgangslage im Vergleich zu 2006 aber verändert, betont der LDP-Grossrat und Riehener Gemeinderat Daniel Hettich, der den Vorstoss initiierte. Es sei wichtig, dass man das Thema frühzeitig wieder aufs Tapet bringt. «Wenn der Ausbau fertig ist, sind Nägel mit Köpfen gemacht und man kann nichts mehr ändern.» Mit der Untertunnelung würden nicht nur die Teilung Riehens, die Wartezeiten und die Lärmbelastung wegfallen, sondern auch neue Möglichkeiten für bessere und stabilere Busverbindungen entstehen.

Daniel Hettich und seine Riehener Grossratskolleginnen und -kollegen wollen die Regierung auf die Probleme im Rahmen eines Ausbaus der Wiesentalbahn aufmerksam machen. Denn für die Planung und Realisierung eines Tunnels ist Riehen auf das Geld und die politische Hilfe des Kantons und wohl auch des Bundes angewiesen. Anscheinend gibt es auf der Riehener Verwaltung bereits Pläne für eine derartige Untertunnelung. Wie diese aussehen und was sie genau bedeuten, will Hettich aber nicht verraten, um das Vorhaben nicht zu gefährden. Dass sämtliche Riehener Grossrätinnen und Grossräte seinen Vorstoss unterstützen oder sogar mitunterzeichnet haben, wertet er als «starkes Signal» aus Riehen an die Basler Regierung.

SVP will Taktverdichtung nur mit Tunnel

Auch Thomas Grossenbacher (Grüne) hat den Vorstoss von Daniel Hettich mitunterzeichnet, jenen von Bruno Mazzotti vor 14 Jahren aber nicht. «Der Takt der Bahn war damals nicht so, dass er das Dorf lahmgelegt hätte. Mit der Taktverdichtung verändert sich die Ausgangslage stark.» Das Bahntrassee könnte das Dorf «regelrecht» zerschneiden. Es sei wichtig, dass das Thema wieder aufs Tapet kommt und die Regierung sich damit befassen muss. «Die Wiesentalbahn mit den vielen Pendlern aus Deutschland ist für die Stadt enorm wichtig. Da darf man auch einfordern, dass der Kanton mithilft.»

Vor einer Umsetzung müsse aber klar das Kosten/Nutzen-Verhältnis abwägen. Für Eduard Rutschmann (SVP), der ebenfalls mitunterzeichnet hat, ist der Fall klar: «Der Viertelstundentakt kommt für uns nur in Frage, wenn die Untertunnelung kommt. Ansonsten teilt dies Riehen in zwei Teile und man wartet an den Barrieren in einer Stunde ganze 24 Minuten lang.»

Sasha Mazzotti (SP), Tochter von Bruno Mazzotti, sieht in einer Untertunnelung Potenzial durch die gewonnene oberirdische Fläche. Für sie hat es eine Bedeutung, dass derart viele Riehener Grossrätinnen und Grossräte aus mehreren Parteien den Vorstoss mitunterzeichnet haben. «Es ist wichtig, dass wir uns gemeinsam für ein Riehener Anliegen starkmachen. Wir kennen die Situation vor Ort und sind die, die es betrifft.»

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