Sinkende Schlauchboote in der Ägäis, unendliche Flüchtlingstrecks auf dem Balkan: Es sind Bilder des Schreckens und des Elends, die tagtäglich in unsere Stuben flimmern. Hundertausende von Männern, Frauen und Kindern sind unterwegs, vorwiegend aus Syrien. Ein derartiges Flüchtlingselend hat Europa seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gesehen. Während sich die Politiker in der Bewältigung des Flüchtlingsstroms schwer tun, bemühen sich Dutzende von Hilfsorganisationen, NGO und privaten Initiativen vor Ort zu helfen, auch bei uns. «Die Hilfsbereitschaft ist derart enorm, dass die Hilfsorganisationen von den Leuten überrannt werden,» sagt SP-Grossrätin Kerstin Wenk.

Staatlicher Eingriff als Lösung

Zusammen mit anderen Grossräten hat Wenk nun im Grossen Rat einen Vorstoss eingebracht, der von der Basler Regierung die Schaffung einer Koordinationsstelle für die Freiwilligenarbeit fordert. Dafür soll die bestehende Koordinationsstelle Asyl im Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt (WSU) von Regierungsrat Christoph Brutschin (SP) ausgebaut werden.

Die neue Stelle soll der Koordination von Freiwilligen, Sachspenden und Hilfsangeboten dienen und ausserdem die Bevölkerung informieren. Es gebe in Basel viele Organisationen, NGO und Initiativen, die sich für Flüchtlinge einsetzten. Diese bedürften nun dringend der Koordination. «Es geht darum, die Energien zu bündeln. Es gilt zu koordinieren, zu schauen, dass alles auch dort hinkommt, wo es gebraucht wird,» erklärt Wenk. Im Augenblick sei alles etwas chaotisch. Daraus könne Frust entstehen. Das gelte es zu verhindern.

Ohne Staat geht es auch

«Wir brauchen das nicht», findet hingegen Dina Lasha von der Initiative «Basel hilft mit». «Wir sind gut vernetzt und schaffen dies aus eigener Kraft», sagt Lasha. Die Gruppe «Basel hilft mit» organisiert sich via Facebook, hat rund 2000 Mitglieder und mobilisiert zahlreiche freiwillige Helfer. Erst Ende August entstanden, stiess die Gruppe schnell auf ein breites öffentliches Echo und konnte schon kurz darauf 25 voll beladene Autos mit Sachspenden für die Bevölkerung ins Krisengebiet verfrachten. Auch dieser Tage soll wieder ein Container von «Basel hilft mit» voll mit Kleidern, Schuhen und Hilfsgütern für syrische Flüchtlinge von Basel aus nach Serbien in Richtung Balkan-Fluchtroute verschickt werden.

Lasha befürchtet, dass eine staatliche Koordinationsstelle zu viel regulieren würde. «So eine Stelle würde uns wahrscheinlich eher behindern, so zu schaffen, wie wir schaffen: flexibel, effizient und unbürokratisch», sagt Lasha. Die Idee einer staatlichen Koordinationsstelle, wie sie im Vorstoss zum Ausdruck kommt, wird von Kerstin Wenk im Gespräch dann auch wieder etwas relativiert.

Erst mal prüfen

Es gehe beim Vorstoss vor allem darum, dass die Regierung aktiv werde und das adäquate Vorgehen prüfe. Eine Möglichkeit sei, dass der Kanton die Koordinationsstelle Asyl im WSU zu einer Koordinationsstelle für Flüchtlingshilfe ausbaut. Es könne aber auch sein, dass die Regierung Gelder spricht für eine private Koordinationsstelle. Auf jeden Fall bestehe Handlungsbedarf, noch bevor die gegenwärtig aktiven Organisationen und Stellen überrannt werden, argumentiert Wenk.

Beim WSU wollte man gegenüber der bz keine Stellung beziehen. Dies sei erst möglich, nachdem die Regierung den Antrag Wenks beantwortet hat. Und das kann bis zu zwei Jahre dauern.