Im Januar stellte die umstrittene Basler CVP-Parteipräsidentin Andrea Strahm die Vertrauensfrage: Findet sich eine jüngere Person für ihr Amt, tritt sie zurück. Doch der Nachwuchs winkte ab. Zu den prominenten Absagen zählten unter anderem Fraktionspräsidentin und Grossrätin Andrea Knellwolf. Mit Patrick Huber und Manuela Hobi bekundete auch die Spitze der Jungen CVP keinerlei Ambitionen.

Dennoch könnte Strahms Präsidialzeit bald der Vergangenheit angehören. Der 33-jährige Balz Herter bestätigt auf Anfrage, dass er sich für das Amt beworben hat. Wie bereits die früheren Parteipräsidenten Lukas Engelberger und Carlo Conti stünde mit ihm wieder ein Roche-Mitarbeiter an der Spitze der CVP.

Um beruflich weiterzukommen, verliess Herter 2011 nach zwei Jahren den Grossen Rat. Bereits in seinem Austrittsschreiben an den Parlamentsdienst setzte er sich die Wiederwahl 2016 zum Ziel. Im vergangenen Mai wählte ihn die Parteiversammlung in den Vorstand; ein halbes Jahr später gelang ihm der Sprung zurück ins Kantonsparlament. Seit Februar sitzt Herter für die CVP in der Finanzkommission und ist ihr jüngstes Fraktionsmitglied. Geht es nach ihm, behält er das Tempo bei und schwingt sich an die Parteispitze. Was reizt ihn daran?

Er wisse um den Wählerverlust und auch darum, dass der CVP wiederholt Unbeständigkeit vorgeworfen würde. Das gelte es zu ändern: «Ich will die Partei aus der Talsohle führen und ihr ein klares Profil verschaffen.»

Strahms Wunschkandidat

Ob sich der Kleinbasler im Vorfeld dieses ambitionierten Vorhabens erst noch gegen andere Kandidaten behaupten muss, ist unklar. Die vierköpfige Findungskommission unter der Leitung von Grossrat Oswald Inglin hält sich bedeckt. Dieser spricht von einer «no-comment»-Strategie, nur: «Wir stehen nicht mit leeren Händen da.» In den nächsten zwei Wochen werde sich die Kommission mit Herter und allenfalls weiteren Kandidierenden zusammensetzen. Inglin sagt, dass bei den Gesprächen die Aufgaben und die Ansprüche der Partei geschildert würden; einen Kurs gebe die Kommission aber nicht vor: «Wer die CVP Basel präsidiert hat Gestaltungsraum.» Zentral sei, dass jemand das Amt übernehme, der «in der Partei zu Hause ist» und das «Wählerpotenzial ausschöpft».

Dies gelang Andrea Strahm nicht: Bei den Grossratswahlen im vergangenen Jahr verlor die CVP einen Sitz. In der Folge kündete sie an, den Posten kampflos zu räumen, wenn eine junge Person übernimmt. Sie bezeichnet Balz Herter als einer ihrer «Wunschkandidaten», die sie im Vorfeld selber angefragt hätte.

Damit er im Mai aber vor der Parteiversammlung steht und sich für die Krone anpreist, muss sich der Betriebswirtschafter beruflich vermehrt lokalen Projekten widmen können. Noch jettet er zu viel um die Welt. «Ob das klappt, entscheidet sich in den nächsten Wochen», sagt Herter.