Wagenplatz
Grossrat Koechlin fordert «mehr Weichspüler für die Wagenplatzleute»

Am 11. August läuft die Duldung der Wagenplatzleute an der Uferstrasse ab. Diese sammeln nun verzweifelt Unterschriften, um längeres Bleiberecht zu erwirken. Unterstützt werden sie dabei von Politikern und namhaften Wissenschaftlern.

Janine Müller
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Die Stimmung ist friedlich. Zwei Kinder spielen auf dem selber gebauten Spielplatz auf dem Wagenplatz auf dem Ex-Migrol-Areal. Doch der Eindruck täuscht. Eigentlich ist bei den Wagenleuten nichts in Ordnung. Am 11. August läuft die Frist ab, welche die Schweizerischen Rheinhäfen den Wagenleuten gesetzt haben (siehe Box).

12 Bilder
Das Areal der Wagenplatzleute an der Uferstrasse.
Der Hof des Wagenplatzes.
Der Küchenwagen, welcher von allen Bewohnern benutzt wird.
Zahlreiche Wagen reihen sich aneinander.
Das Eingangstor der Wohn-Siedlung.
Zum ersten Mal zeigten sich die Bewohner der Presse.
LDP Grossrat Michael Koechlin, Grossrätin Grünes Bündnis Heidi Mück und die Bewohner Fritz, Marco, Flo und Laura (von links nach rechts).

Nicole Nars-Zimmer

Die Bewohner des Wagenplatzes sammeln nun verzweifelt Unterschriften, um längeres Bleiberecht zu erwirken. Unterstützt werden sie dabei von Politikern und namhaften Wissenschaftlern wie dem Soziologie-Professor Ueli Mäder. Der Verein Wagenplatz fordert die Bevölkerung auf, das Unterstützungsschreiben zu unterschreiben. Rund 500 Unterschriften sind seit dem Start der Sammelaktion vor gut zehn Tagen eingegangen.

Wagenleute wurden zuerst abgelehnt, dann geduldet

Seit dem Karfreitag, 29. März, besetzen die Wagenleute am Klybeckquai das Ex-Migrol-Areal. Die Schweizerischen Rheinhäfen (SRH) reagierten Anfang April so: «Das Wohnen ist auf dem Industriegelände nicht zulässig.» Ende April änderten die SRH die Wortwahl: «Vorübergehend und befristet werden die Wagenleute geduldet.» Der Grund: «Die Nutzer sind unauffällig und bei uns sind keine Klagen eingegangen», liessen die SRH gegenüber der bz verlauten. Die Folge: Die SRH setzten den Wagenleuten eine Frist. Bis am 11. August müssen sie das Areal verlassen. Einen Vertrag zwischen den Wagenleuten und der SRH wurde nicht aufgesetzt. Vor zwei Jahren waren die Wagenleute bereits an der Uferstrasse, auf einer anderen Brache allerdings. Anschliessend folgten Aufenthalte an der Freiburgerstrasse, beim Pumpwerk/ Lange Erlen und auf dem NT-Areal, bis sie an die Uferstrasse zurückkehrten. (jam)

Gestern luden die Wagenleute zu einer Pressekonferenz ein. Nachdem sie an einer früheren Pressekonferenz ihre Mitteilung per Tonband und ohne ihre Anwesenheit übermittelten, zeigten sie sich gestern erstmals den Medien und öffneten gar die Türen ihrer Wohnwagen. Ein Akt, der zeigt, wie wichtig den Wagenleuten das Fortbestehen des Wagenplatzes zu sein scheint. Fritz, Marco, Flo und Laura - die Wagenleute gaben lediglich ihre Vornamen bekannt - erhielten Unterstützung von politischer Seite. LDP-Grossrat Michael Koechlin und von GB-Grossrätin Heidi Mück.

Vergleich zur Alten Stadtgärtnerei

Koechlin fordert von der Regierung «mehr Weichspüler in der Sache der Wagenplatzleute». Es gäbe genügend Gründe für die Regierung, den Rheinhäfen ein klares Signal zu geben. Die Wagenplatzleute seien friedfertig, bezahlen normal Steuern und es sei wünschenswert, dieses soziokulturelle Projekt zu unterstützen. Koechlin zog gar den Vergleich mit der Alten Stadtgärtnerei - dem alternativen Kulturzentrum - welches vor gut 25 Jahren geräumt wurde und dem St.-Johann-Park weichen musste.

Koechlin bittet die Wagenleute, auf die Anwendung von Gewalt zu verzichten. Mück, die in der Nähe des Areals wohnt, bestätigt die Haltung von Koechlin. Nie habe es negative Rückmeldungen aus der Nachbarschaft gegeben. «Dem Wagenplatz bringen viele aus der Umgebung Wohlwollen entgegen.»

Bewohnerin Laura zeigt sich enttäuscht von der Regierung. Es sei für eine rot-grüne Stadt schon sehr seltsam, dass ein Wagenplatz nicht geduldet werde. «Alle anderen Grossstädte haben Wagenplätze, nur Basel nicht.» In einer Wohnung leben, das kann sich die junge Frau, die mit ihrem Sohn auf dem Wagenplatz lebt, nicht vorstellen.

Gross Gedanken macht sie sich nicht um ihre Zukunft. Trotzdem schwingt ein etwas Verzweiflung mit, wenn sie sagt: «Wenn wir von hier wegmüssen, weiss ich auch nicht mehr, wohin wir sollen.»

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