Bildung
Grossrat Wüthrich tobt: Noten-Deckel soll auch am Gymnasium gelten

Das Basler Erziehungsdepartement (ED) hat einen Noten-Deckel an Sek-Schulen angekündigt. Nun geht das ED noch einen Schritt weiter: Die Massnahmen sollen auch auf die Gymnasien ausgeweitet werden. Grossrat und Gymnasiallehrer Michael Wèthrich tobt.

Leif Simonsen
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Michael Wüthrich ärgert sich.

Michael Wüthrich ärgert sich.

bz

Der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer (LDP) schreckt vor drastischen Massnahmen nicht zurück, wenn es darum geht, die Gymnasialquote zu senken. Heute Freitag erfuhren die Lehrer vom nächsten Schritt. An den Gymnasien soll künftig die gleiche Regel gelten wie an der Sekundarschule auf Niveau P und E.

Die Klassen sollen im Schnitt im Zeugnis in den einzelnen Fächern keine Note über 5 und keine unter 4 bekommen. Dies teilten der Leiter Volksschulen Dieter Baur und der Leiter Mittelschulen Ulrich Maier sämtlichen Basler Sekundarschul-Lehrern und Mittelschul-Lehrern mit. Abweichungen solle es nur in Ausnahmefällen geben.

Die «Fachlehrperson bespricht sie mit der Schulleitung und begründet sie», heisst es im Brief. Und weiter steht: «Innerhalb einer Klasse ist eine deutliche Streuung der einzelnen Noten erforderlich.»

Gymnasiallehrer Michael Wüthrich, der für die Grünen im Grossen Rat politisiert, lässt über die sozialen Medien keine Zweifel offen, was er von der Massnahme hält. «Ohne mit der Basis über Sinn und Unsinn einer solchen Regelung geredet zu haben», schreibt er auf Facebook.

«Vor dem Hintergrund der Basler Übertrittsquote von fast 50 Prozent der Schülerinnen ans Gymnasium eine interessante Vorgabe», findet er. «Und dann bitte nicht in 4 Jahren kommen und nach ‹Qualität› der Matura schreien, um dann diese gleich wieder mit solchen und ähnlichen Schnellschüssen zu ‹garantieren›! Ich kann nur noch den Kopf über unser ED schütteln!»

Michael Wüthrich hält Cramers Entscheid für völlig kontraproduktiv. «Das führt nur zu einer noch höheren Gymnasialquote», ist er überzeugt. Denn in leistungsschwächeren Klassen müsse er in Zukunft die Schüler «lupfen», wenn er einen Schnitt von 4,0 erreichen wolle. Als noch gravierenderen Fehlentscheid der Bildungsdirektion empfindet er aber die Tatsache, dass von den Lehrern eine deutliche «Streuung» der Noten verlangt wird. Das bilde die Realität nicht ab. «Es ist nun mal so, dass es homogene und heterogene Klassen gibt», sagt Wüthrich. Leif Simonsen

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