Joël Thüring, worüber unterhalten wir uns so kurz vor Jahresende?

Das passt ja hervorragend: über Cüpli.

Davon hatten Sie im 2017 wohl mehr als genug.

Wie meinen Sie das?

Als Grossratspräsident waren Sie an jeder Hundsverlochete anzutreffen.

(lacht) Champagner gab’s da eher selten! ...Ja, es war ein intensives Jahr. bis heute habe ich 220 Anlässe besucht, bis zum Schluss werden es gegen 260 sein.

An Silvester stossen viele traditionell mit Champagner an. Sie auch?

Natürlich. Das ist der Klassiker. Danach wechsle ich aber schnell wieder zum Wein.

Wie feiern Sie den Übergang ins 2018?

Ich treffe mich mit Kollegen zum Fondue Chinoise. Danach geht es voraussichtlich in den Ausgang.

Viele werden an Silvester nostalgisch.

Ich bin eher einer, der nach vorne blickt.

Im Falle von 2017 schauen Sie aber sicher gerne zurück. Als Grossratspräsident sind Sie sichtlich aufgeblüht.

Noch ist es aber nicht ganz vorbei, erst Ende Januar. Danach erst werde ich einen vollständigen Rückblick wagen.

Nach 260 besuchten Anlässen, der Wahnsinn. Ihr Highlight?

Speziell war das 150-Jahre-Jubiläum der Schweizer Botschaft in Berlin, aber auch die Eröffnung der Baselworld. Ich habe aber jeden Anlass auf seine Art geschätzt.

Keinen, den sie nur mit Widerwillen besucht haben?

Es gab zwei, drei, da musste ich mir sagen, dass es mich nicht gebraucht hätte. Aber ich habe mich immer sehr gut behandelt gefühlt. Das war für mich überraschend.

Weshalb?

Gerade auch im Baselbiet wurde ich herzlich empfangen. Es wurde geschätzt, dass ich diese Anlässe in Liesberg, Blauen oder Oberdorf besuche. Eines meiner Ziele war und ist es, die Beziehung zwischen Basel-Stadt und Baselland zu versachlichen, die Fronten aufzuweichen.

Da reichen die paar auf Instagram veröffentlichten Selfies mit der Landratspräsidentin aber nicht aus.

Ich habe wirklich viele Anlässe besucht im Nachbarkanton und zum Beispiel alle kommunalen Parlamente ins Rathaus eingeladen – ein Novum. Mit einzelnen Exponenten der Baselbieter Politik verstehe ich mich sehr gut, etwa mit Regierungsrätin Monica Gschwind – obschon wir in Bezug auf die Uni nicht immer gleicher Meinung waren. In persönlichen Gesprächen spürt man die Bedürfnisse halt mehr. Das kann zur Versachlichung beitragen. Entsprechend haben mich das «Ja» zum Erhalt des Läufelfingerli und das «Nein» zum Margarethenstich nicht überrascht. Ich habe ein Gespür für die Landschäftler bekommen.

Wie kamen Sie mit der Rolle des Grüssaugust zurecht, der mit verschiedensten Anspruchsgruppen kompatibel sein muss? Als SVP-Politiker sind Sie ja eher streitlustig unterwegs.

Man hat mir zu Beginn unterstellt, dass ich nicht fähig sei, aus dieser Rolle zu schlüpfen. Dabei kann ich mich gut auf ein Amt und die entsprechende Verantwortung einlassen. Und nein, es war nicht anstrengend. Klar, manchmal hat es mich im Grossen Rat schon gekitzelt, während einer Debatte mit einem Votum einzugreifen. Es hat sich Redebedarf angestaut.

Bedeutet das, dass wir uns ab Februar auf eine Schwemme politischer Vorstösse einstellen müssen?

(lacht) Ja, es brennt mir unter den Fingern. Aber keine Sorge, ich gehe es langsam an.

Sie haben in Erwägung gezogen, sich nach dem Amtsjahr als Grossratspräsident von der Politik zurückzuziehen.

Das ist immer noch möglich, irgendwann.

Wenn das Amtsjahr vorbei ist, wird wohl die grosse Leere kommen.

Nein. Ich freue mich darauf, wieder politisieren zu können.

Haben Sie als Grossratspräsident auch neue Seiten an sich entdeckt?

Das Amt hat mir mehr Selbstbewusstsein gegeben. Die Rolle des Repräsentanten liegt mir. Davon zeugen die Komplimente, die ich rundum erhalten habe.

Ihr Selbstvertrauen war angeknackst: Einerseits waren da die beiden Geschichten mit nicht bezahlten Militärersatzsteuern und noch früher der Griff in die Parteikasse. Andererseits hat man immer wieder gehört, dass sie unter Politikern nicht ganz ernst genommen werden.

Dieses Allgemeingeplappere hat mich nie interessiert. Mir ist viel wichtiger, was meine Freunde über mich denken. Wenn Sie mir etwas nicht zutrauen, beschäftigt mich das deutlich mehr.

Im 2017 hatten Sie wenig Zeit für Ihre Freunde. Hat das Privatleben gelitten?

Dazu kann ich sagen, dass es für mich persönlich gut war, dass ich keine Frau und Kinder habe. Es wäre schwierig gewesen, dies alles unter einen Hut zu bringen. Meine Freundschaften haben nicht darunter gelitten; ich konnte halt weniger spontan abmachen und musste besser planen, aber daran gewöhnt man sich schnell.

Sie sagen: Frau und Kinder. Es geht aber das Gerücht um, dass Sie Männer mögen.

Das ist mir bewusst. Aber nein, ich interessiere mich nur für Frauen. Generell kann ich aber sagen, dass ich sehr gesellschaftsliberal bin.

...im Gegensatz zu vielen Exponenten Ihrer Partei.

Die Kernthemen wie Sicherheits-, Asyl- und Ausländerpolitik sind entscheidend, da stehe ich hinter dem SVP-Gedankengut.

Wünschen Sie sich eine Beziehung?

Nein, ich geniesse meine Freiheiten und freue mich über gute Freundschaften. Ich habe gerade auch gar keine Zeit dafür und möchte mir diese Unabhängigkeit bewahren. Vermutlich tue ich mich auch schwer damit, mich auf jemanden dauerhaft einzulassen aus Angst davor, enttäuscht zu werden. Aber ich bin offen, und wenn mir die richtige Frau begegnet, wird es vielleicht doch noch etwas mit der Liebe.

Wurden Sie denn mal verletzt?

Nein. Aber ich gehöre, was Emotionales anbelangt, zu den vorsichtigen Menschen. Und nehme es gelassen, dass ich mit 34 noch Single bin. Ich würde mich zum Beispiel nie auf Dating-Plattformen rumtreiben, um eine Partnerin zu finden.

Vielleicht lernen Sie ja an Silvester jemanden kennen. Im richtigen Leben, bei einem Cüpli.

(lacht) Der Baselbieter würde dazu sagen: «Mir wei luege.»