Mit einem Pfeifkonzert und mit Gesang versuchten sie am Donnerstagabend auf dem Marktplatz den bösen Geist zu vertreiben. Den Geist von Donald Trump, der für so vieles steht, das ihnen missfällt. Für Homophobie. Für Rassismus. Für Sexismus.

Zur Demonstration gegen den designierten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika hatten Rhea König und ihre Schwester Anouk Seiler-König gerufen. Beide waren, als sie am Mittwochmorgen das Wahlergebnis aus den USA mitbekommen hatten, dermassen erzürnt, dass sie ihren Unmut irgendwie zum Ausdruck bringen wollten. Gemeinsam beschlossen sie, am nächsten Tag auf den Marktplatz zu gehen und dort gegen Trump zu protestieren. Bei der Polizei holten sie sich die Bewilligung für eine Kundgebung ein. Und auf Facebook und per SMS mobilisierten sie Gleichgesinnte.

«Mir ist klar, dass dieser Protest Donald Trump nicht davon abhalten wird, sein Amt anzutreten», sagt Rhea König. Trotzdem konnte sie nicht einfach nur zu Hause sitzen und die Faust im Sack machen, sondern spürte den Drang, ihren Frust auf die Strasse zu tragen. «Ich kann nicht fassen, dass einer wie Trump Präsident wird. Der Mann schiesst gegen jede Minderheit, er geht mir dermassen gegen den Strich.» König hat einen besonderen Bezug zu den USA. Als Schülerin hatte sie ein Austauschjahr in Michigan absolviert. Seither besucht sie das Land mindestens einmal jährlich.

«Für mich stellt diese Wahl einen Wendepunkt dar», sagt die 21-Jährige, die bislang zwar politisch interessiert war, sich aber in keiner Partei engagierte. «Ich habe immer gesagt, dass ich mich zurückhalte, solange meine Mutter noch aktiv ist. Aber jetzt habe ich das Gefühl, dass ich handeln muss.»

Bei der besagten Mutter handelt es sich um Dominique König-Lüdin, aktuelle Grossratspräsidentin. Die SP-Politikerin nahm ebenfalls an der Demo teil, zusammen mit rund zwei Dutzend anderen Menschen. Auf selbst geschriebenen Plakaten verschafften sich diese Luft. «Sexuelle Belästigung ist kein Kavaliersdelikt» oder «Nein zu Rassismus, Nein zu Trump» lauteten die Botschaften. Dazu sangen sie einen Hit von Pink («Dear Mister President»), der eigentlich für einen anderen, aber nicht unbedingt beliebteren Präsidenten geschrieben wurde: George W. Bush.