Porträt
Grossratswahlen: Maurer steht vor seinem Comeback

Der ehemalige DSP-Politiker Stephan Maurer kandidiert bei den Basler Grossratswahlen für die Freisinnigen. Er selbst bezeichnet seine Wahlchancen als «offen» und hofft auf Stimmen aus anderen Parteien.

Valentin Kressler
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Anerkannter Experte: Stephan Maurer (54) ist seit 2010 Präsident der Interessengemeinschaft für den öffentlicen Verkehr.

Anerkannter Experte: Stephan Maurer (54) ist seit 2010 Präsident der Interessengemeinschaft für den öffentlicen Verkehr.

Juri Junkov

Stephan Maurer hatte vor drei Jahren eine undankbare Aufgabe zu erledigen. Als Vorsitzender des Präsidialausschusses der Demokratisch-Sozialen Partei (DSP) Basel-Stadt musste er die Mitte-Partei zu Grabe tragen, nachdem diese im März 2009 an einer Mitgliederversammlung ihre Auflösung beschlossen hatte. Die DSP, die 1982 gegründet wurde, stellte in den 27 Jahren ihres Bestehens drei Regierungsräte und vier Grossratspräsidenten.

Die Lust an der Politik hat Maurer, der von 2004 bis 2009 auch dem Grossen Rat angehörte, dennoch nicht verloren. Nach einer kurzen politischen Auszeit schloss er sich Anfang 2011 den Freisinnigen an – und will ein Comeback geben im Kantonsparlament. Maurer bestätigt gegenüber dem «Sonntag», dass er bei den kantonalen Wahlen im kommenden Oktober im Wahlkreis Grossbasel Ost kandidiere.

Die offizielle Nominationsversammlung der FDP Basel-Stadt für die Grossratswahlen findet zwar erst am 9. Mai statt, die Nomination Maurers ist aber eine reine Formsache.

Vielleicht trifft Maurer auf ehemaligen DSP-Fraktionskollegen

Im Falle einer Wahl kann Maurer im Grossen Rat auf einen ehemaligen DSP-Fraktionskollegen treffen: Felix Eymann. Im April hatte der «Sonntag» berichtet, dass Eymann, der Bruder von Erziehungsdirektor Christoph Eymann, im Herbst auf der LDP-Liste im Kleinbasel für das Parlament antrete. Seit dem Aus der DSP sitzt Eymann als Parteiloser im Basler Rathaus.

Auch weitere Politgrössen haben noch nicht genug von der Politik. Bereits im März wurde bekannt, dass der ehemalige Nationalrat und Grossrat Rudolf Rechsteiner und der frühere Grossratspräsident Leonhard Burckhardt (beide SP) wieder ins Kantonsparlament einziehen wollen. Er wolle frischen Wind in die Grossratsfraktion bringen, sagte Rechsteiner nach seiner Nomination. Die Fraktion sei etwas brav geworden.

Maurer hofft auf Stimmen aus anderen Parteien

Maurer drückt sich bescheidener, zurückhaltender aus. «Ich kandidiere, weil ich weiterhin Freude habe an der Politik und mich gerne einbringen möchte», sagt er. «Ich möchte mich für einen prosperierenden, lebendigen Kanton einsetzen.» Angesprochen auf seine Wahlchancen bezeichnet Maurer diese als «offen». Er werde sicher auch Stimmen in anderen Parteien holen, sagt er.

Während seiner Zeit im Grossen Rat war Maurer, der früher bei den SBB für die Regio-S-Bahn verantwortlich war, weit über die Parteigrenzen hinaus als Spezialist für den öffentlichen Verkehr anerkannt. Es war deshalb keine Überraschung, als er 2010 als Nachfolger von EVP-Grossrat Christoph Wydler zum Präsidenten der Interessengemeinschaft für den öffentlichen Verkehr Nordwestschweiz gewählt wurde. Beruflich ist Maurer kürzergetreten. Er ist heute als selbstständiger Unternehmer im Bereich Immobilien und Verkehr tätig. Daneben ist er Kirchenrat der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt.

Wahlchancen grösser

Seinen grössten Auftritt hatte Maurer 2008, als er bei den kantonalen Gesamterneuerungswahlen für die Regierung kandidierte. Zusammen mit dem damaligen EVP-Präsidenten Heinrich Ueberwasser, der unterdessen zur SVP übergelaufen ist, trat er auf einem Mitte-Ticket an. Die beiden hatten jedoch keine Chance, neu in die Regierung gewählt wurden Christoph Brutschin und Hans-Peter Wessels (beide SP).

Spätestens im vergangenen Herbst wurde klar, dass die Politik Maurer nicht loslässt. Er war einer der fünf Kandidaten der Umwelt-Liste, welche die FDP bei den Nationalratswahlen in letzter Minute lancierte, um die Wiederwahl des gefährdeten Peter Malama zu sichern. Dieses Ziel wurde erreicht. Stephan Maurer selbst hatte, wie schon bei den Regierungsratswahlen 2008, keine Wahlchancen. Bei den Grossratswahlen im kommenden Oktober sind sie ungleich grösser. Dasselbe gilt für Eymann und natürlich auch für Rechsteiner und Burckhardt.