Baselworld
Grovana ist eine der wenigen Überlebenden der Baselbieter Uhrenindustrie

Die Uhren-Herstellerin Grovana gehört zu den wenigen Überlebenden der einst bedeutenden Baselbieter Uhrenindustrie. Die Firma exportiert 94 Prozent ihrer Produktion ins Ausland. An der Baselworld ist sie mit einem zweistöckigen Stand präsent.

Daniel Haller
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Er setzt das Erbe des Vaters fort: Grovana-Firmenchef Christopher Bitterli.

Er setzt das Erbe des Vaters fort: Grovana-Firmenchef Christopher Bitterli.

Juri Junkov

Ein Einfamilienhaus könnte man kaufen für den Preis des neuen, zweistöckigen Baselworld-Stands von Grovana, der durch den Messe-Neubau nötig wurde – ein stolzer Preis für ein KMU. «Doch an dieser Messe muss man dabei sein», erklärt Christopher Bitterli, Chef des Familienunternehmens aus Tenniken. Dabei schlägt sein Herz eher für die Technik als für Werbung. Plakatkampagnen oder Werbefilme, wie sie für Marken der gleichen Qualitäts- und Preisklasse des Schweizer Branchen-Dominators Swatch Group üblich sind, liegen für einen Betrieb mit 40 Mitarbeitenden nicht drin. Entsprechend sind Bitterlis Marken – Grovana und Revue Thommen – im Inland relativ unbekannt, 94 Prozent der Produktion gehen in den Export nach Europa, Südamerika, Nahost und Asien.

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Mit Blick auf die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld stellt die bz Uhrenfirmen aus der Nordwestschweiz vor. Bereits erscheinen ist der Bericht über Montres Charmex.

Baselbieter Traditionsfirma

Bitterlis Vater hat die 1924 gegründete Grovana 1970 gekauft und seit 1980 mit analogen Quarzuhren, vor allem mit Ronda-Uhrwerken aus Lausen, durch die grosse Uhrenkrise gesteuert. Grovana ist mit heute rund 100 000 Stück Jahresproduktion im Preissegment zwischen 300 und 700 Franken eine der wenigen Überlebenden der vormals bedeutenden Baselbieter Uhrenindustrie, die bis zu 2000 Personen beschäftigte.

2001 konnte sich Christopher Bitterli ein zweites Stück Baselbieter Uhrentradition sichern, als er aus der Konkursmasse einer Firma in La Chaux-de-Fonds die Marke Revue Thommen übernahm, zusammen mit den Werkzeugen und einem Lager an Uhrwerkskomponenten. Darauf baute er unter dem gleichen Dach sein zweites Standbein auf: die Manufaktur. Damit bezeichnet man jene Ateliers, die mechanische Uhrwerke von Grund auf aus über 100 Einzelteilchen selbst herstellen und nicht industrielle Kaliber – etwa des Branchenführers ETA aus der Swatch Group – in ihre Uhren einbauen. Seither bildet Grovana auch wieder Uhrenmacher aus.

Die Marke Revue Thommen geht zurück auf das 1853 in Waldenburg als kommunale Wirtschaftsförderung gegründete Unternehmen. Dieses sorgte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit einer Reihe von Innovationen für technische Grundlagen, auf denen auch heute noch die industrielle Uhrwerks-Produktion basiert: So hielt Revue Patente auf dem System, Komponenten so zu gestalten, dass sie als Basis verschiedener Uhrwerke dienen. Auch an der Entwicklung der Nivarox-Unruhfeder – heute technischer Standard – war Revue neben dem Labor Straumann entscheidend beteiligt.

Hoher Swissness-Anteil

Da das Stammhaus der Uhrenmarke in Waldenburg heute Flugzeuginstrumente herstellt, zählen Fliegeruhren mit den originalen Fluginstrumenten-Ziffern zu den Imageträgern der Marke Revue Thommen. Insgesamt produziert man in Tenniken jährlich rund 3000 Stück mit dem eigenen Uhrwerk und ist damit im Preissegment zwischen 3000 und 10 000 Franken auf dem Markt. Dabei stammen Rädchen, Platinen, Brücken und Schräubchen von traditionellen Décolleteuren im Jura.

Entsprechend gerät Bitterli beim Thema Swissness in Fahrt: Wenn ein polnisches Unternehmen im Tessin eine Briefkastenfirma gründet, bei örtlichen Remontage-Betrieben billigst eingekaufte Fernost-Teile zu Uhren zusammenbauen lässt und diese dann als «swissmade» verkauft, ärgert ihn dies gewaltig. Doch die aktuelle politische Diskussion, ob eine «Swissmade»-Uhr nun mindestens 50 oder 60 Prozent Schweizer Wertschöpfung aufweisen soll, findet er müssig: «Dies lässt sich leicht manipulieren und nur schwer kontrollieren.» Anstatt Schweizer Firmen mit Prozentvorgaben Schwierigkeiten zu bereiten, sollte man Trittbrettfahrern den Riegel schieben, indem man Vorschriften zur Firmenstruktur erlässt. «Ein Swissmade-Kriterium wäre beispielsweise, ob so einer hier überhaupt angemessen Steuern bezahlt.»

Optimistischer Ausblick

Trotz des hohen Exportanteils sieht sich Giovanna vom Eurokurs nicht direkt betroffen, da sämtliche Geschäfte in Schweizer Franken abgewickelt werden und sich mit der Einführung des Mindestkurses die Lage normalisiert habe. Die wichtigsten Märkte liegen zudem ausserhalb des Euroraums: «Das Potenzial in Asien ist noch nicht ausgeschöpft, in Südamerika sehen wir Aufwärtstrends, in Osteuropa läuft es sehr gut und im Mittleren Osten bewegen wir uns seit Jahren auf einem konstant hohen Level», erklärt Bitterli.