Mit 17 Jahren leitete Martin Schorno sein eigenes Kellertheater, heute veranstaltet er als Eventmanager unter anderem die Zurich Game Show und die Fantasy Basel – The Swiss Comic Con. Das Interview wurde schriftlich geführt.

Letztes Jahr verzeichnete die Fantasy Basel über 50'000 Eintritte. Wann wird sie die Baselworld und die Art Basel überholt haben?

Martin Schorno: Das ist nicht unser Ziel. Wir wollen keine Rekorde, sondern glückliche Besucher und Aussteller. Wir investieren darum viel ins Programm und die Qualität.

Wann war Ihnen klar, dass es für eine Fantasy-Messe in der Schweiz ein Publikum gibt?

Geboren wurde die Idee in unserer Agentur bei einem Mittagessen, als wir feststellten, dass einige in unserem Team privat in den Bereichen Film, Cosplay, Comic und Gaming aktiv sind oder entsprechende Ausbildungen haben. Schnell wurde klar, dass es in der deutschsprachigen Schweiz keinen Treffpunkt für solche Fans gibt.

Besuchen Sie Ihre eigene Messe?

Ich bin viel in den Messehallen unterwegs, bereue es jedoch jedes Jahr sehr, nicht mehr Zeit für all die Ausstellungen und Menschen zu haben.

Haben Sie einen persönlichen Geek-Moment?

Meine persönlichen Geek-Momente sind die vielen schönen Begegnungen mit unserem Team und den Freiwilligen, die sich dafür einsetzen, dass dieser riesige Event optimal abläuft. Und die eben immer wieder zeigen, dass sogenannte «Geeks» nichts anderes als wunderbare Menschen sind.

Wer sind diese wunderbaren Menschen?

Unser Publikum ist die «Generation Multimedia»: alle, die mit Games, Film und TV-Serien aufgewachsen sind. Und das sind ja die meisten heute. Für unsere Besucher ist es cool, sich inmitten dieser Welten zu treffen und auszutauschen.

Woher kommen die Besucherinnen und Besucher?

Aus der ganzen Schweiz, beachtlich viele aus dem Welschland. Immer mehr kommen aber auch aus dem nahen und fernen Ausland.

Sie waren bis 2016 im OK der Street Parade – ein Anlass, der wie die Fantasy Basel den Eskapismus bedient. Ist das der grosse Unterschied zu anderen Messen, etwa der Baselworld?

Nun ja, Realitätsflucht wird auch in ganz anderen Bereichen gelebt. Die Besucher des Genfer Autosalons zum Beispiel leben ja auch oft eher in einer Traumwelt als in der Realität. Und die Uhren- und Schmuckmesse ist vor allem ein Treffen der Branche und businessorientiert. Die Fantasy Basel hat dagegen viele unterschiedliche kulturelle Elemente und Aspekte. Wir sind eben ein Dorfplatz für die Multimedia-Generation.

Bleibt Basel trotz schwächelnder MCH Group als Standort attraktiv?

Das ist keine Frage für uns. Basel ist eine sehr attraktive Kulturstadt und dank Dreiländereck und grossen Messehallen ideal für uns. Hier können wir uns in den nächsten Jahren kontinuierlich und als eine der besten europäischen Conventions weiterentwickeln. Mit der MCH Group haben wir sehr gute Partner, die von Anfang an unser Konzept verstanden und unterstützt haben.

Der jetzige Messeleiter Michel Loris-Melikoff war früher Street-Parade-Präsident. Haben Sie Tipps für Ihren ehemaligen Weggefährten?

Die Street Parade war schon immer auch von Zweiflern begleitet – und es gibt sie heute noch. Auch die Baselworld wird die Turbulenzen überstehen und den Weg in eine positive Zukunft finden. Michel Loris-Melikoff braucht darum keine Tipps von mir.

Wenige Tage vor der Fantasy Basel findet in Montreux jeweils die – ältere – Polymanga statt. Wie gross ist die Konkurrenz in der Schweiz?

Wir sind da recht konkurrenzlos. Die Polymanga ist vor allem auf japanische Kunst, Mangas und Animes ausgerichtet. Wir haben gut dreimal mehr Hallenfläche. Ähnliche Events in der Schweiz sind viel kleiner oder haben fast keine Besucher.

Sie haben also keine Mühe, Stars für Ihr Festival zu gewinnen?

Dank den vielen neuen TV-Serien ist das «Angebot» an Schauspielern riesig. Es ist vor allem eine Frage der Verfügbarkeit und des Budgets, die diese Planung beeinflusst. Wir legen viel Wert auf ein interessantes und anspruchsvolles Panelprogramm und laden Personen ein, die unterschiedliche Genres abdecken. So haben wir Schauspieler aus angesagten TV-Serien wie zum Beispiel «Origins» oder «American Gods» und solche aus «Harry Potter» und «Star Wars»-Filmen vor Ort.

Sehr glücklich sind wir über den Besuch der beiden in Hollywood erfolgreichen Schweizer Christian Scheurer und Beat Frutiger, die an aktuellen Blockbustern mitgearbeitet haben. Diese für alle spannende Programmzusammenstellung ist mir wichtiger, als jemanden einzuladen, der nur für ein paar Minuten für die Fans da ist.

Ihre Messe spricht Gamer, Film-, Cosplay- und Comic-Fans an. In welcher Sparte sehen Sie das grösste Potential für die Fantasy Basel?

Diese Bereiche verschmelzen miteinander, Gamer sind auch Film- oder Comicfans. Aus erfolgreichen Filmen werden Games gemacht und umgekehrt. Darum gibt es für uns nicht einzelne Zielgruppen. Wir wollen aber auch Trends aufspüren und neue Aspekte einfliessen lassen. Dieses Jahr zum Beispiel mit dem neuen Bereich Tattoo-Art.

Was sind für Sie die Highlights der diesjährigen Ausgabe?

Wir freuen uns sehr über die Ausstellungen «Iron Throne» mit dem berühmten Eisernen Thron aus der TV-Serie «Game of Thrones» und «Liftoff to Space». Wir haben ausserdem mehrere weltbekannte Zeichner vor Ort. So auch John Howe, den Konzeptdesigner und Illustrator von «Der Herr der Ringe» und «Der Hobbit», oder Don Rosa, den legendären Dagobert-Duck-Zeichner. Auch die Ausstellung der riesigen «Star Wars»-Props und die dazugehörigen Panels werden Highlights sein. Höhepunkte sind aber jeweils auch unsere Cosplay Shows auf der grossen Bühne.

Jetzt, wo das Ende von «Game of Thrones» absehbar ist: Was wird das nächste grosse Ding?

Eine so erfolgreiche Serie wie «Game of Thrones» muss sich entwickeln und über längere Zeit eine Fanbasis aufbauen. Welcher TV-Serie dies gelingt, ist für mich offen. Wichtig für einen nachhaltigen und weltweiten Erfolg ist sicher, dass die Basis stimmt und Könner wie ein George R. R. Martin involviert sind.

Wissen Sie schon, wer zuletzt auf dem Eisernen Thron sitzen wird?

Für die Fantasy Basel kann ich das voraussagen: Da werde ich mich am Sonntagabend müde und glücklich als Letzter in «unseren» Eisernen Thron setzen.

   

Impressionen Fantasy Basel 2018