Stadtbild

Grüne fordern mehr Grünflächen

Beton und Teer statt Bäume im Stadtzentrum – Die Basler Regierung versichert, sich ausreichend um mehr Grünraum zu bemühen.

«Keine andere grosse Stadt der Schweiz hat ein so grosses Potenzial an Transformationsarealen wie Basel.» Darum fordert Grünen-Grossrat Thomas Grossenbacher in seinem Anzug Antworten von der Basler Regierung. Besonders am Herzen liegen ihm die Entsiegelung und naturnahe Gestaltung von Strassenräumen, Plätzen und Parks. Kurz gesagt: weniger Teer und Beton, mehr Rasen und Bäume.

Ein aktuelles Negativbeispiel ist ihm die Fläche rund um das neue Biozentrum. Die Arbeiten für die Umgebungsgestaltung sind zwar noch nicht abgeschlossen, bereits jetzt ist aber ersichtlich: Hier gibt es viel schwarzen Teer, Brunnen aus Beton und Kiesflächen, aber kaum schattenspendende Bäume. Die geteerte Fläche fungiert zwar als Dach für die Untergeschosse des Biozentrums, eine Bepflanzung im Rahmen einer Dachbegrünung wäre möglich gewesen.

Grünflächen seien in Zeiten der Klimaerwärmung entscheidend, sagt Grossenbacher. «Pflanzen und insbesondere Bäume wirken wie Klimaanlagen und können für grosse Temperaturunterschiede im Stadtzentrum sorgen.» Die Regierung soll deshalb die Flächen in Basel-Stadt «systematisch erfassen und auf ihr Entsiegelungs- und Baumpflanzungspotenzial» hin bewerten, schreibt der Grossrat in seinem Vorstoss. Weiter brauche jedes Quartier eine eigene Grünraumquote, die eingehalten werden müsse. Diese Forderungen sind auch im Positionspapier «Basel 2035» der Basler Grünen enthalten. Laut der Strategie soll für jede neue Wohnung ein Baum gepflanzt werden.

Regierung setzt um, «wo möglich»

Die letzte Erhebung zum Stadtklima in Basel stammt aus der Zeit um die Jahrtausendwende. Bis im Herbst soll eine neue Analyse fertiggestellt sein. Der Regierungsrat will anschliessend den Rahmenplan Stadtklima erarbeiten. Dieser geht zurück auf eine Motion der SP-Grossrätin Alexandra Dill. Darin fordert sie eine bessere Durchlüftung der Stadt, mehr Grünflächen und Schattenspender.

Die Basler Regierung erklärt in ihrem neusten Beschluss zum Anzug von Grossenbacher seine Bemühungen. Er befürwortet das Anliegen einerseits. «Die Entsiegelung von Böden und die Schaffung von Grünräumen sind wichtig für die hohe städtische Lebensqualität, die Biodiversität, den Wasserhaushalt und die Vermeidung von Hitzeinseln», schreibt der Regierungsrat.

Andererseits würde bereits heute abgeklärt, ob Flächen entsiegelt werden könnten und wo mehr Grünraum geschaffen werden könne. Dies sei bei allen Planungen von Strassen oder Plätzen so. «Wo möglich wird dies umgesetzt», fasst die Regierung zusammen. Mit dieser Begründung empfiehlt sie dem Grossen Rat, den Anzug abzuschreiben. Das Bau- und Verkehrsdepartement war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Grossenbacher ist enttäuscht von der Antwort des Regierungsrats. «Ich bin baff», sagt er, «es kann doch nicht sein, dass die Regierung dieses Thema nicht ernst nimmt.» Der Grossrat erlebt die Stadt anders. Im Wahlkampf vor den Nationalratswahlen im Oktober 2019 postete Grossenbacher mehrmals Fotomontagen auf Twitter. Darauf zu sehen: mehrere Bäume auf dem Meret-Oppenheim-Platz oder eine Allee entlang der Clarastrasse. Grossenbacher: «Ich bin für verdichtetes Bauen in Basel, aber gerade deshalb braucht es Grünräume, um Hitzeinseln zu vermeiden.» Er wolle sich gegen die Abschreibung seines Anzugs wehren und im Grossen Rat einen Gegenantrag stellen.

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