Elternzeit

Grüne fordern: Vaterschaftsurlaub für Kantonsangestellte in Basel soll ausgeweitet werden

Grüne fordern: Vaterschaftsurlaub von Kantonsangestellten soll ausgeweitet werden. (Archiv)

Grüne fordern: Vaterschaftsurlaub von Kantonsangestellten soll ausgeweitet werden. (Archiv)

Kantonsangestellte haben Anspruch auf zwei Wochen Vaterschaftsurlaub. Dieser soll nun ausgeweitet werden, fordern die Grünen.

Solch einen Vorstoss hat das Basler Parlament wohl noch nicht gesehen. Die neuste Motion von Grünen-Grossrätin Lea Steinle ist verschmiert, zerrissen und zerknüllt. Der Grund ist ihr kleiner Sohn: «Ich habe kurz nicht hingeschaut und er hat sich das Papier geschnappt und drauf rumgekaut», sagt sie. «Ich hatte einen Lachanfall, als ich ihn damit erwischt habe.» Derselbe Bub war vergangenen November schon der Anlass, dass seine Mutter von Ratspräsident Remo Gallachi zum Verlassen des Parlamentssaals aufgefordert wurde, was zu empörtem Protest und ein paar Monate später zu vielen Schnitzelbänken führte.

Das sogenannte Baby-Gate sorgte schweizweit für Schlagzeilen und dafür, dass sich Lea Steinle kurz darauf spontan für die Nationalratsliste des Grünen Bündnisses bewarb und prompt aufgestellt wurde. Ihre Wahlkampfthemen: Der Klimawandel und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Insofern könnte der Vorstoss optisch nicht passender daherkommen.

Steinle fordert darin, den Vaterschaftsurlaub für Angestellte des Kantons Basel-Stadt von zwei auf vier Wochen zu verlängern. Anlass war die Ankündigung von Novartis, eine bezahlte Elternzeit von 18 Wochen einzuführen – für Mütter und ebenso wie für Väter. «Das zeigt, dass es ein Bedürfnis besteht, dass sich auch die Väter nach der Geburt um die Neugeborenen kümmern können», sagt Steinle.

«Schweiz hinkt hinterher»

Auch national wird zurzeit über das Thema Vaterschaftsurlaub debattiert. Eine hängige Volksinitiative fordert schweizweit vier Wochen für alle frisch gebackenen Väter. Im Parlament zeichnet sich eine Mehrheit für einen Gegenvorschlag von zwei Wochen ab. Für Steinle geht das Ganze deutlich zu wenig schnell. «Die Schweiz hinkt im internationalen Vergleich stark hinterher», sagt sie. Ihr Wunsch wäre ein Elternzeitmodell, wie es in Schweden, Island oder auch in Deutschland existiert, also dass sich Vater und Mutter die Zeit aufteilen können.

Steinles Motion ist inhaltlich deckungsgleich mit einem Anzug, den Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann (Grüne) vor drei Jahren, damals noch als Grossrätin, eingereicht hatte. Dieser wurde im Juni 2016 vom Parlament mit 46 zu 40 Stimmen abgelehnt. Damals stimmten praktisch nur das Grüne Bündnis und die SP für die Verlängerung des Vaterschaftsurlaubs. Die Bürgerlichen und die Mitte-Parteien lehnten den Vorstoss unter anderem mit der Begründung ab, dass die Kantonsangestellten privilegiert behandelt würden und verwiesen auf die laufende nationale Diskussion.

Steinle erhofft sich für ihre Motion, die wohl erst im Herbst traktandiert wird, grössere Chancen. Tatsächlich haben den Vorstoss auch zwei Parlamentarier der Grünliberalen unterschrieben, welche vor drei Jahren noch mit Nein gestimmt haben. Mit der GLP hätte die Motion rein rechnerisch die Mehrheit im Parlament. «Ich war schon damals nicht grundsätzlich dagegen», sagt David Wüest-Rudin. Ihm habe die Differenz zwischen Angestellten von Kanton und Privatwirtschaft widerstrebt. «In den letzten Jahren ist Einiges gegangen. Das Umfeld hat sich stark verändert», sagt Wüest-Rudin.

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