Gleich zwei Parteien haben am Montag ihre Vorstellungen von der zukünftigen Basler Wohnraumpolitik veröffentlicht. Die Grünen freiwillig von sich aus an einer Pressekonferenz; die SP, weil ihr Positionspapier zur Redaktion der «Tageswoche» durchgesickert ist.

Was die Sozialdemokraten wollen, ist, kurz zusammengefasst, eine massive Intervention des Staates auf dem Immobilienmarkt. Der Kanton soll Immobilien kaufen oder bauen und darin günstigen Wohnraum schaffen. Die SP kehrt dabei offenbar weitgehend dem Modell den Rücken, das sie bis anhin mit aller Kraft vorangetrieben hatte: dem genossenschaftlichen Wohnen. Dieses komme am Ende doch eben auch wieder eher den mittelständischen und Gutsituierten zu Gute, nicht aber denjenigen ganz unten auf der sozialen Leiter. Und darum soll der Staat mit einem Vorkaufsrecht ausgestattet werden und der Vorgabe, es müssten mindestens 15 Prozent aller Wohnungen in der Stadt gemeinnütziger Natur sein. Allenfalls könnte man Genossenschaften bezuschussen und so motivieren, einen Teil ihrer Wohnungen zu Kostenmieten anzubieten.

35'000 neue Basler

Die Grünen dagegen wollen einen anderen Weg gehen. Ihr Programm zielt darauf ab, in den nächsten Jahren bis 2035 in Basel Platz zu machen für rund 30'000 Neuzuzüger. Damit soll sichergestellt werden, dass die in diesem Zeitraum vom Kanton prognostizierten neuen Arbeitsplätze nicht durch Pendler, sondern durch neue Einwohner genutzt werden. So wollen die Grünen auch verhindern, dass bestehender, günstiger Wohnraum abgerissen wird.

17'500 neue Bäume

Stattdessen soll auf den sogenannten Transformationsarealen, wie Hafen, Lysbüchel und Klybeck, neuer Wohnraum entstehen. Einen zusätzlichen Vorteil sehen die Grünen darin, dass auf diesen rund 120 Hektaren Fläche der Boden auch jetzt schon zubetoniert ist. Man müsse also nicht noch zusätzliche Fläche versiegeln. Und, um die Stadt noch grüner zu machen, wollen die Grünen «jede neue Wohnung mit einem Baum begrüssen», wie es im entsprechenden Anzug heisst: «17'500 zusätzliche Bäume bis 2035 sollten wesentlich dazu beitragen, dass die Stadt wohnlicher und im Sommer weniger heiss wird.»

Damit dies auch realisierbar wird – immerhin muss man überschlagsmässig von einem Flächenbedarf von etwa 282'600 Quadratmetern ausgehen – sollen weitere Flächen entsiegelt werden. Mit dieser Fragestellung befasst sich ein weiterer der insgesamt fünf Vorstösse, die die Grünen parallel zur Publikation ihrer neuen Wohnraumstrategie eingereicht haben.

Die Erfassung der Flächen, die man potenziell entsiegeln könnte, soll aus dem Mehrwertabgabefonds finanziert werden, der sich aus dem Bau von Hochhäusern speist. Die gleiche Quelle wollen die Grünen anzapfen, um die tatsächliche Entsiegelung dann auch durchzuführen. Zudem wollen sie für jedes Quartier eine verbindliche «Grünraumquote» festlegen.