Der Aufwand ist enorm. 13,7 Millionen grüne Zettel haben deutsche Zöllner im Jahr 2013 zwischen Konstanz und Lörrach abgestempelt. Allein zwischen Lörrach und Rheinfelden sind laut Zoll-Mediensprecher Harald Bannasch 43 Beamte damit beschäftigt, daneben nehmen sie allerdings auch noch andere Aufgaben wahr. Insgesamt sind es laut Bundesfinanzministerium 150. Gar nicht zu reden von der Arbeit, die Detailhandel und Zollverwaltung durch die Rückerstattung der Mehrwertsteuer an Kunden mit Wohnsitz in der Schweiz entsteht.

Zwischen Konstanz und Lörrach wurden 2013 13,7 Millionen Zettel abgestempelt.

Zwischen Konstanz und Lörrach wurden 2013 13,7 Millionen Zettel abgestempelt.

Geld zurück am Automaten

In Zukunft könnte es für alle Betroffenen, auch die Kunden, erheblich einfacher werden. «Denkbar wäre, dass am Zoll ein Automat steht, an dem der Kunde automatisch sein Geld zurückerhält», erklärt Norbert Schoeffel, in der Geschäftsleitung der Hieber Supermärkte unter anderem für Marketing zuständig. Die Voraussetzung dafür wäre ein Softwaresystem, das die Einkäufe auf einer Karte registriert.

«Das wäre die Luxusvariante», findet Schoeffel. Unklar sei allerdings noch, wer ein derartiges System finanziert. Für Hieber sollte es allerdings kein Problem sein, es in seinen Märkten einzuführen, so Schoeffel. Erst Ende letzter Woche war der Marketingchef bei dem ersten Treffen einer Arbeitsgruppe aus Detailhändlern und Zollverwaltung in Konstanz, moderiert von der dortigen Industrie- und Handelskammer (IHK).

Ziel ist es, das Verfahren der Mehrwertsteuererstattung weitgehend zu automatisieren und zu optimieren. «Dabei soll der Aufwand für Unternehmen und Zoll bei umsatzsteuerbefreiten Privatausfuhren künftig geringer werden», heisst es in einer Medienmitteilung von IHK Hochrhein-Bodensee und Zollverwaltung. Die Initiative für die Treffen ging vom deutschen Bundesfinanzministerium aus.

In der Arbeitsgruppe soll geklärt werden, inwieweit die vom Zoll erarbeiteten Lösungsvarianten für den Detailhandel praktisch umsetzbar sind. Wie viel Einnahmen dem deutschen Fiskus durch die Mehrwertsteuererstattung entgehen, weiss man im Bundesfinanzministerium nicht. «Hierzu liegen leider keine genauen Zahlen vor», antwortete Mediensprecher Martin Chaudhuri auf eine bz-Anfrage.

Bekannt ist, dass Schweizer Einkaufstouristen im Jahr ungefähr fünf Milliarden Franken im grenznahen Ausland ausgeben. Der Mehrwertsteuersatz für die meisten Lebensmittel beträgt in Deutschland sieben Prozent, ansonsten 19 Prozent – eine Bagatellgrenze für die Rückerstattung wie in Österreich (75 Euro) oder Frankreich (175 Euro) besteht in Deutschland nicht; ein politischer Vorstoss, sie auch dort einzuführen, scheiterte vor anderthalb Jahren.

System wird schon angeboten

Laut Bertram Paganini, Handelsreferent bei der IHK Hochrhein-Bodensee, gibt es bereits Dienstleister wie zum Beispiel Global Blue, die ein automatisiertes System anbieten. Die Nutzung ist allerdings mit erheblichen Kosten verbunden. Die Papierversion mit den grünen Zetteln soll es aber mit Sicherheit weiterhin geben. Auf jeden Fall brauche es noch Zeit für die Einführung eines neuen Systems: «Ob die Automatisierung bereits 2015 kommt, bin ich skeptisch», sagt Paganini. Die Einzelhändler seien an den Optimierungen aber durchaus interessiert.

Prozedere nicht zeitgemäss

So äussert sich auch Dieter Hieber; Geschäftsführer von Hieber. «Das heutige Prozedere ist nicht mehr zeitgemäss. Wir hoffen auf eine Vereinfachung beim Zoll und auf eine gute Variante», sagte er kürzlich auf einer Medienkonferenz zur neuen Ausrichtung der Märkte (bz vom 11.10.). Einen «letzten Knackpunkt» gebe es bei einem automatisierten Erstattungsverfahren noch, erläuterte Norbert Schoeffel im Gespräch mit der bz. Man müsse sicherstellen, dass die richtige Person mit Wohnsitz in der Schweiz das Verfahren nutze und die Waren wirklich ausgeführt werden – eine Problematik, die sich allerdings auch schon heute bisweilen stellt.

Für die Verzollungspflicht bei der Einfuhr von Privatwaren von Deutschland in die Schweiz ändert sich laut Patrick Gantenbein, Mediensprecher Grenzwachtkommando Basel, durch etwaige Automatisierungen nichts.