Bloss nicht noch mehr Spekulationen. Das war die erste Nachricht des Basler Appellationsgerichts zu den umstrittenen Eventhallen im Basler Hafen. Diese möchte den für die Zwischennutzung verantwortliche Verein «Shift Mode» seit mehr als zwei Jahren bauen. Einsprachen von der Wohngenossenschaft (WG) Klybeck verhindern sie. Als Nachbarn fürchten sie Lärm und Verkehr. Doch im Kern geht es um mehr: Die Diskussion um eine Gentrifizierung des Quartiers schwelt schon länger.

Davon distanzierte sich das Gericht gleich zu Beginn der Urteilsverkündung. Der Vorsitzende Claudius Gelzer betonte: «Es geht um das Baugesuch – und nicht um das Vergabeverfahren oder die langfristige Planung des Areals.» Wie die zwei Vorinstanzen kommen die Richter zum Schluss: Das Baugesuch von «Shift Mode» ist «absolut zulässig». Die Eventhallen seien zonenkonform.

Imagine-Festival machte es vor

Auch das von der WG Klybeck stark kritisierte Verkehrskonzept beurteilen die Richter anders. Die Auflagen seien «extrem streng». Die Zwischennutzer stünden in der Verantwortung und müssten Massnahmen ergreifen. Wie diese aussehen könnten, erklärte Katja Reichenstein von «Shift Mode»: vorgängige Information oder auch Verkehrskadetten. «Das Imagine-Festival hat in diesem Sommer gezeigt, dass mehrere tausend Besucher den Weg in den Hafen finden – ohne zusätzlichen Autoverkehr», sagte Reichenstein.

Dem folgten auch die Richter. Sie hielten fest, dass sich die Eventhallen an ein «urbanes Publikum» richten. Auch bezüglich des Lärms würden sich die Zwischennutzer an die gesetzlichen Bestimmungen halten, betont das Gericht. Die WG Klybeck argumentierte, dass die Anwohner bereits unter dem Lärm der Hafenbahn leiden würde.

Indem am Wochenende Events bis 4 Uhr morgens in den Hallen stattfinden könnten, verlängere sich die «lärmbelastete Zeit» für die Nachbarn. Die Richter zeigten zwar ein gewisses Verständnis, liessen die Einwände aber nicht gelten: «Sonst müssten viele Betriebe schliessen, beispielsweise jene nahe bei Autobahnen.»

In einem Punkt erhielt die WG Klybeck indes recht. Ihr rechtliches Gehör sei verletzt worden. Dies, weil die die Baurekurskommission nicht beweisen konnte, dass sie die WG Klybeck schriftlich zu einem Augenschein eingeladen hatte. Deshalb erliess das Gericht der Wohngenossenschaft die Hälfte der Gerichtsgebühren.

Ob mit dem Urteil der Streit nun beendet ist, bleibt fraglich. Die WG Klybeck will einen Weiterzug ans Bundesgericht prüfen. Der Bau der Hallen hängt zudem vom Kanton ab. Sein Vertrag mit «Shift Mode» läuft 2019 aus. Deshalb sei es für Freudensprünge zu früh, sagt Katja Reichenstein. Die Zwischennutzer hoffen auf eine Verlängerung des Vertrags um weitere fünf Jahre.

Der Kanton begrüsse den Entscheid des Gerichts, sagt Roland Frank, interimistischer Leiter der Kantons- und Stadtentwicklung. «Es zeigt, dass ‹Shift Mode› korrekt vorgegangen ist und die Eventhallen doch noch gebaut werden könnten.» Mit der Arbeit der Zwischennutzer zeigt sich der Kanton zufrieden. Ob Basel-Stadt den Vertrag mit dem Verein verlängern werde, hänge aber auch von der Hafen- und Stadtentwicklung ab, sagt Frank. Dazu würden im Herbst verschiedene Ratschläge ans Parlament überwiesen.