Da ist ja doch Pfeffer drin. Am 18. Mai wählt Basel den Nachfolger des abtretenden CVP-Gesundheitsdirektors Carlo Conti. Bis jetzt sah es nach einem langweiligen Wahlsonntag aus. CVP-Grossrat Lukas Engelberger galt als so gut schon wie gewählt; seinem zuvor einzigen Widersacher Thomas Egloff von der SVP werden kaum Chancen attestiert.

Doch am Mittwoch meldete die Grünliberale Grossrätin Martina Bernasconi vor den Medien ihre Kandidatur an. Und sie meint es ernst: «Ich habe das Gefühl, dass ich am 18. Mai gewählt werde», sagt sie vollmundig und: «Als Mensch bin ich gerne erfolgreich.»

Eine Vertreterin einer Partei mit gerade mal 5 Prozent Wähleranteil soll den Wahlkampf aufmischen? «Wir sind der Meinung, dass Diversität in der Regierung vertreten sein muss», sagt GLP-Präsident David Wüest-Rudin. Sprich: mehr Frauen und weniger Juristen - ein Seitenhieb gegen den Roche-Anwalt Engelberger. Und so gross sei der Abstand zur CVP - sie kam bei den letzten Grossratswahlen auf 7,3 Prozent - auch wieder nicht.

Tatsächlich bringt die selbstständige Philosophin Dynamik in die Sache, weil sie für die grosse rot-grüne Wählergemeinde in Basel interessant ist. Ohne Bernasconis Kandidatur hätte dieses Lager wohl eher desinteressiert Lukas Engelberger gewählt. «Jetzt haben wir eine echte Auswahl. Der SVP-Kandidat ist für uns keine wirkliche Option», bestätigt Mirjam Ballmer, Co-Präsidentin der Grünen. Obwohl die Grünen und die Grünliberalen nicht immer ein einfaches Verhältnis pflegen, freut sie sich, dass sich Bernasconi zur Verfügung stellt. «Bei den grünen Themen arbeiten wir gut mit den Grünliberalen zusammen.» Auch SP-Grossrätin Sarah Wyss findet: «Das ist eine gefährliche Kandidatur für Lukas Engelberger.»

Die Mutter der Schrillalarme

Bernasconi mischt schon lange in der Basler Politik mit. Bereits im Jahr 2000 war sie Regierungsratskandidatin für die Frauenliste Basel. Als GLP-Grossrätin machte die 49-Jährige kaum grössere Schlagzeilen. Mit einer Ausnahme: Die Schrillalarme für Verbrechensopfer, welche die Polizei gratis abgibt, und die Basel schweizweit in die Schlagzeilen gebracht haben, gehen auf einen ihrer Vorstösse zurück.

Lukas Engelberger - nach wie vor der Favorit am 18. Mai - nimmt die Herausforderung sportlich. «Diese Kandidatur bringt Bewegung in die Sache», urteilt er. Engelberger findet durchaus, dass auch eine Fünfprozentpartei antreten darf: «Sitze werden in Wahlen verteilt. Die sind nicht auf Ewigkeit an eine Partei festgenagelt.» Er vergisst nicht anzufügen, dass die CVP durchaus Anrecht auf diesen Sitz habe. Engelberger betont auch, dass er ebenso einen guten Draht zu Rot-Grün habe. «Ich geniesse eine breite Unterstützung und kann im Grossen Rat sehr gut mit den Kollegen von SP und den Grünen zusammenarbeiten.»

Bei der SVP wiederum - die dritte Partei, die um Carlo Contis Sitz buhlt - vermutet man vor allem wahltaktische Gründe für das Vorpreschen der Grünliberalen: «Die Partei hat mit den Grossratswahlen und den Einwohnerratswahlen in Riehen zwei Mal verloren. Sie muss sich ins Gespräch bringen», analysiert Grossrat Joël Thüring. Für Thomas Egloff, den Kandidaten der Volkspartei, sei das allerdings kein Nachteil: «Bernasconi und Engelberger werden sich nach links orientieren. Wir sind die einzige bürgerliche Alternative.»

Man darf also gespannt sein. Höchstwahrscheinlich wird der neue Regierungsrat Contis Gesundheitsdepartement erben. Basel-Stadt gehört zu den Kantonen mit den höchsten Krankenkassenprämien in der Schweiz. Die drei Kandidaten müssen nun im Wahlkampf ihre Gegenrezepte präsentieren.