Stadtentwicklung
«Grüner Ring» soll die Autos von der Strasse holen

Stellen Sie sich vor, Basel hätte einen S-Bahn-Ring und die Elsässerbahn wäre mit einem Park bedeckt. Diese Vision skizziert der Basler Planer Donald Jacob als «Vernetzte Strategie für Intelligente Stadtentwicklung».

Pascale Hofmeier
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Vernetzte Strategie für intelligente Stadtentwicklung

Vernetzte Strategie für intelligente Stadtentwicklung

Jacob zweifelt die Aussagen des Basler Bau- und Verkehrsdirektors Hans-Peter Wessels an, der Verkehr könne nicht wie mit der Städteinitiative beschlossen bis im Jahr 2020 um 10 Prozent gesenkt werden. «Diese Stadt liegt mir am Herzen. Wenn ich so was höre, dann regt mich das an», sagt Jacob. Sein Lösungsvorschlag: Der öffentliche Verkehr soll zu einer Ringbahn ausgebaut werden, die mit neuen Haltestellen Basel mit der Region vernetzt. Gleichzeitig soll mit Aufzonungen – zum Beispiel entlang der Elsässerbahn – mehr finanzierbarer Wohn- und Grünraum entstehen.

Nächster Halt: Klybeck?

Jacob schlägt vor, die Bahnlinie in Richtung Riehen nach der Schwarzwaldbrücke mit einem direkten Abzweiger nach Riehen zu ergänzen. «Das könnte sofort realisiert werden», ist er überzeugt. So würden täglich rund 5000 Fahrzeuge weniger von Lörrach und Riehen nach Basel fahren, weil der Zug von Basel nach Lörrach nur noch wenige Minuten brauche. «Autopendler würden nicht lange zögern umzusteigen.»

Die zweite Ergänzung wäre ein Gleisstück zwischen Kannenfeldplatz und der Langen Erlen inklusive Haltestellen bei der Novartis und im Klybeck. «Es braucht auch Anschlüsse in die Täler, damit das Ringkonzept funktioniert.» Den Ring sieht Jacob als Ergänzung zum geplanten Herzstück, das den Bahnhof SBB mit dem Badischen Bahnhof direkt verbinden soll. Nur: Um die Bahnlinien auszubauen, bräuchte es viel Geld und das Einverständnis der SBB und der Deutschen Bahn; an den Tramanschlüssen wären die Basler Verkehrsbetriebe und die Baselland Transport AG beteiligt. Jacob winkt ab: «Es geht eben genau darum, dass nicht jeder nur im eigenen Gärtli denkt.» Basel fehle eine gewisse Lockerheit, offen zu diskutieren. «Stadtentwicklung muss man in grossem Massstab überlegen und hinterfragen, was als gegeben betrachtet wird.»

Die Idee des Rings zieht er weiter als «Grünen Ring». Die Mehrheit der Bahn soll unter den Boden. An der Oberfläche würde Grünraum entstehen, zum Beispiel für einen Park zwischen Bahnhof SBB und Kannenfeldpark. So entwickelt er eine bestehende Idee – die wohl nicht realisiert wird – die Elsässerbahn zu überdecken, weiter. Mit einer gleichzeitigen Aufzonung würde mehr Geld in den Mehrwertfonds fliessen. Mit diesem Geld wiederum könnte der Grünraum gestaltet werden. «Die Verdichtung ist ein wichtiges Thema.» Jacob schlägt vor, entlang der Elsässerbahn in Etappen alte, sanierungsbedürftige «Energiefresser» durch höhere Neubauten zu ersetzen. «Nicht Türme, vielleicht sechs bis zehn statt drei Stockwerke. So könnte bezahlbarer Wohnraum am grünen Ring entstehen.»

Auf der Skizze fehlt auch sein letzter Vorschlag für die Stadtentwicklung nicht, der Central Park, den die Baslerinnen und Basler an der Urne abgelehnt haben. «Das ist nach wie vor eine Idee, die viele Leute gut finden.»

Allerdings hat Jacob auch seine Lehren aus dem kostenintensiven Engagement für den Central Park gezogen. «Ich plane nicht, die neue Idee als Initiative zu lancieren», sagt Jacob. Sicher ist, dass er die Skizze für den «Grünen Ring» interessierten Kreisen zuschicken wird. Denn Jacob hat eine Vision, was daraus werden könnte: «Es könnte ein Leuchtturmprojekt für vernetztes Denken und Handeln in der Stadtentwicklung werden.»

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