Veloverleih

Günstiger Verleih von 2000 Velos: An diesen 160 Basler Stationen will sich der Kanton beteiligen

Zu den grossen und kleinen Pflichtstandorten (rot) hat das Amt für Mobilität auch mögliche weitere Standorte (gelb) definiert. In zentralen Zonen (blau) ist ein Stationsbetrieb zwingend. Der Ausbau hat innerhalb von zwei Jahren (grün-gestrichelt, grün) zu erfolgen. (zvg / Amt für Mobilität Basel-Stadt, Montage: bz)

Zu den grossen und kleinen Pflichtstandorten (rot) hat das Amt für Mobilität auch mögliche weitere Standorte (gelb) definiert. In zentralen Zonen (blau) ist ein Stationsbetrieb zwingend. Der Ausbau hat innerhalb von zwei Jahren (grün-gestrichelt, grün) zu erfolgen. (zvg / Amt für Mobilität Basel-Stadt, Montage: bz)

In Basel sollen ab 2021 die ersten Velos ab Verleihstation zu mieten sein. Die Bewerbungsfrist für Verleihfirmen läuft seit ein paar Tagen. Gewichtet werden unter anderem das vorgeschlagene Konzept, die Qualität der Räder und der Standorte sowie des Betriebskonzepts.

Seit einer knappen Woche läuft die Bewerbungsfrist. Firmen, die über Erfahrung im Aufbau und dem Betrieb von Veloverleihsystemen haben, können sich in Basel-Stadt um einen Auftrag bewerben. Ziel ist, dass der ausgewählte Anbieter im Juni 2021 die ersten Fahrräder auf die Strasse stellt. Nach einem Jahr sollten 1000 Räder an 85 Stationen erhältlich sein. Nach dem zweiten Betriebsjahr muss sich die Zahl der Velos verdoppelt haben, zugänglich an 160 Stationen, verteilt auf das Stadtgebiet.

Den Zuschlag erhält der Anbieter, der das beste Gesamtpaket offeriert. Mit vierzig Prozent am höchsten gewichtet wird das vorgeschlagene System, das sowohl die Qualität der Räder und der Standorte wie auch des Betriebskonzepts umfasst. Mit jeweils 15 Prozent werden die bisherigen Referenzprojekte der Firma sowie dessen Businessplan gewichtet.

Dreissig Prozent Gewicht erhält beim Zuschlag die Wertung, was das Verleihsystem den Stadtkanton kosten wird. Denn aus der vorliegenden Ausschreibung geht hervor, dass der Kanton bereit ist, bis zu einer Million Franken jährlich für die ungedeckten Kosten aufzuwenden. Zielgrösse ist allerdings, dass nur die Hälfte dieses Betrags in Anspruch genommen werden soll. Ein Betrag darüber hinaus werde «politisch schwierig zu begründen sein», heisst es in den Ausschreibungsunterlagen.

Vorgesehen ist, dass der Betreiber die Velostationen unentgeltlich auf der Allmend platzieren darf. Sollte er jedoch dafür aus rechtlichen Gründen gebührenpflichtig sein, wird er diese Kosten zusätzlich dem Kanton in Rechnung stellen können.

Der Anbieter hat spitz zu kalkulieren. Denn der Vertrag läuft lediglich fünf Jahre, mit der Option einer Verlängerung um drei Jahre. In dieser Zeit muss er sowohl die Anschaffungs- wie Installationskosten refinanzieren als auch allfälligen Abbaukosten, wenn es zu keiner Verlängerung kommt. Er trägt das unternehmerische Risiko.

«Niederschwelliges und kostengünstiges System»

Der Staatsbeitrag wird den geringere Teil seiner Einnahmen ausmachen. Einen grösseren Teil sollte er durch Sponsoring- und Werbeeinnahmen generieren. So können die Velos als Werbeträger genutzt werden. Das Amt für Mobilität hat bei Basler Grossunternehmen vorsondiert und eine Liste möglicher Kooperationspartner aufgestellt.

Auch für die Nutzungstarife hat das Amt klare Vorstellungen. Das Angebot soll für die Nutzer «niederschwellig» und «kostengünstig» sein. Dazu hat es in der Ausschreibung ein mögliches Tarifsystem skizziert. Ein Jahresabonnement kostet demnach 50 Franken. Damit wären jeweils die erste halbe Fahrstunde gratis, jede weitere kostete 1.50 Franken. Wer kein Abonnement gelöst hat, zahlt für die erste halbe Stunde drei Franken. Wer ein Fahrrad für einen ganzen Tag ausleiht, hat nach unverbindlicher behördlicher Vorstellung nicht mehr als zwanzig Franken zu bezahlen.

Die Fahrradflotte hat zu mindestens dreissig Prozent aus E-Bikes zu bestehen, die eine maximal unterstützte Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometer erreichen und bei voller Batterie mindestens fünfzig Kilometer weit rollen. Die Fahrt mit Antrieb soll rund fünfzig Prozent teurer sein als ohne.

In Basels Strassen sollen keine leichten Flitzer rollen, sondern massive Räder mit einer Reifendicke von mindestens vier Zentimetern. Auch Personen mit 120 Kilogramm sollten nicht zu einem Rahmenbruch führen und im Gepäckträger müssen Taschen mit mindestens zehn Kilogramm transportierbar sein.

Beim Betriebskonzept ist der Kanton offen für Vorschläge. Nur in der Innenstadt und rund um die Bahnhöfe ist ein fester Stationsbetrieb obligatorisch. Ausserhalb dieser Zonen kann der Anbieter entweder sogenanntes Free-Floating anbieten, was heisst, dass die Velos wie heute die Trottinetts irgendwo abgestellt werden können. Oder er kann in der Quartieren Stationen installieren.

Ein provisorischer Standortplan

Für den Aufbau fixer Stationen hat der Kanton ein provisorisches Standortkonzept entwickelt. Dieses wird wohl zahlreiche Änderungen erfahren, da jeder Ort ein Baubewilligungsverfahren zu durchlaufen hat. Pro Standort werden Abstellflächen von zehn bis 15 Fahrrädern geschaffen, wobei jedes Rad eine Breite von 85 Zentimetern beanspruchen darf.

Beim Standortbetrieb reduziert sich wohl der Aufwand des Anbieters, Velos von häufig frequentierten Abstellorten zu stärker beanspruchten Abholorten transportieren zu müssen. Aber der Anbieter ist verpflichtet, die Stationen zu demontieren, wenn sie etwa auf einer Fasnachtsroute liegen.

Ob der Veloverleih in der Velostadt tatsächlich realisiert wird, ist angesichts der behördlichen Wunschvorstellungen offen. Ein Anbieter, der zwar den Zuschlag erhält, dem aber die politische Zustimmung versagt bleibt, erhält einen schwachen Trost: eine Abfindung in Höhe von 25'000 Franken.

Autor

Christian Mensch

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