Zyyschtig, das heisst anarchisches Treiben. Die klassische Touristenfrage «Wo ist denn nun diese Route?» kann man klar und deutlich beantworten mit: «Überall und nirgends». Besonders wenn, wie heute, Zivilisten und Fasnächtler offensichtlichen Nachholbedarf haben, nach dem verschifften Montag.

In der Schneidergasse, der Gerbergasse aber auch auf dem Barfüsserplatz war zeitweise kein Durchkommen. Überall standen die Fasnächtler herum, die Larve im Arm, das Glas in der Hand und genossen das trockene, teils sogar sonnige Wetter.

Und zwischen ihnen wuselten die Binggis durch die Menge. Jeder wollte jedem ein Dääfeli in die Hand drücken, ein Schoggistängeli anbieten oder ein paar Räppli in einen einladend aussehenden Mantelkragen kippen. Wer dem Treiben auf Kniehöhe zuschaut, oder sich mit eigenem Nachwuchs durch die Stadt treiben lässt, merkt rasch: Da wird nicht wie am Cortège von einer Seite (den Waggissen) verteilt und von der anderen Seite (den kreischenden jungen Damen) genommen.

Teiler und Tauscher

Bei den Kleinsten herrscht Marktatmosphäre. Wer nimmt, gibt auch, wer verteilt wird auch beschenkt. Und die Eltern, die hofften, am Abend ohne Süssigkeiten nach Hause zu kommen, sie merken rasch: Es ist in etwa ein Nullsummenspiel. Oder etwas merkantilistischer ausgedrückt, die Gesamtheit des süssen Kapitals bleibt stabil, einzig die Allokation verändert sich.

Ganz hoch im Kurs übrigens: Die Mini-Plüschtiere, die am Montagscortège zu Tausenden von den Wagen zu fliegen kamen. Sie wechselten nun von einer Dääfeli verklebten Hand in die nächste. Während das Schyssdräggziigli von Mamme und Babbe sich wieder in Bewegung setzt bedankt man sich noch ganz artig beieinander und präsentiert stolz die neuste Errungenschaft.

Jäger und Kreischer

Und dann diese Mini-Waggisse! Ganze Gangs von knapp Einszwanzig grossen Jungs jagen durch alle Gassen der Innerstadt. Im Visier: Mädchen. Meist ein, zwei Jahre älter. Da fliegen die Räppli, werden in Kragen gestopft auf Köpfe geleert oder gleich sackweise über bis dahin wohl frisierte Haare geleert. Das Ganze hat etwas archaisches, Balzruitual-mässiges.

Die Flucht der Holden geht meist nur über ein paar Meter, dann folgt ein koketter Blick nach hinten und die Chance für den hormonbeflügelten Waggis-Zwerg wieder aufzuholen. Und ihr mit brechender Stimme erneut so etwas wie Komplimente zu machen. Und erneut in den Räpplisack zu greifen.

Ab und an stehen dann kleine Gruppen von Teenager-Maitli zusammen, schütteln die farbige Papierpracht aus den Haaren und tuscheln. Genauso wie die Jung-Waggisse, die sich gegenseitig auf die Schulter klopfen. Ja, die Fasnacht ist ein Frühlingsbrauch.