Strafgericht
Gundeli-Räuber kommt mit 22 Monaten davon

Für einen qualifizierten Raub im Gundeli wird ein mehrfach delinquenter Elsässer nur zu 22 Monaten Haft verurteilt.

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Der Angeklagte hatte mit einem weiterhin flüchtigen Mann im Januar 2011 einen Drogendealer im Gundeli brutal überfallen und geschlagen.

Der Angeklagte hatte mit einem weiterhin flüchtigen Mann im Januar 2011 einen Drogendealer im Gundeli brutal überfallen und geschlagen.

Keystone

Manche Räuber haben mehr Glück als Verstand: Trotz einer gesetzlichen Mindeststrafe von 24 Monaten kommt ein 30-jähriger Mann aus dem Elsass (bz von gestern) dank einer alten Cannabis-Geschichte mit einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten davon. Sieben Monate davon hat er bereits abgesessen.

Entgegen seinen Beteuerungen ging das Gericht davon aus, dass er zusammen mit einem weiterhin flüchtigen Mann im Januar 2011 einen Drogendealer im Gundeli brutal überfallen und geschlagen hat. Dem Opfer wurde eine Genugtuung von 6000 Franken zugesprochen. Seinem damals fünfjährigen Sohn und Zeugen des Überfalles weitere 5000 Franken wegen der psychischen Spätfolgen.

Angeklagter hat gelogen

Gerichtspräsidentin Liselotte Henz wies in ihrer Urteilsbegründung dem Angeklagten diverse Lügen nach, die Aussagen des Opfers hingegen seien konsistent und stimmten mit anderen Beweisen überein. Der 30-Jährige hatte erst geleugnet, überhaupt irgendwie am Überfall beteiligt gewesen zu sein. Später sagte er, er habe bloss sein Auto ausgeliehen. Nach weiteren Beweisen für seine Anwesenheit meinte er schliesslich, er habe selber nicht zugeschlagen. Wie die Staatsanwaltschaft ging auch das Gericht von einer besonders schweren Form des Raubes aus, weil die zwei Männer dabei sehr brutal vorgegangen sind. Ein solcher qualifizierter Raub muss eigentlich mit mindestens zwei Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden.

Doch nach dem Basler Überfall im Jahr 2011 schmuggelte der Angeklagte 25 Kilogramm Cannabis von Frankreich nach Deutschland, wurde dabei erwischt und sass in Freiburg im Knast. Die deutsche Justiz verurteilte ihn im März 2012 zu 45 Monaten Gefängnis, die Hälfte davon hat er bereits abgesessen. Dazu kamen zwei Monate bedingt in Frankreich wegen wiederholten Fahrens ohne Führerausweis. Hier beginnt nun die komplizierte juristische Arithmetik: In solchen Fällen muss das Gericht eine Gesamtstrafe bilden, weil der Verurteilte nicht schlechtergestellt werden darf, als wenn alle Delikte damals gemeinsam beurteilt worden wären. Den Basler Raub konnte man ihm erst später zuordnen.

Komplexe juristische Rechnung

Weil Cannabis in der Schweiz als leichte Droge gilt, wäre der Schmuggel von 25 Kilo Cannabis in der Schweiz massiv milder beurteilt worden. Laut Henz wären dafür 27 Monate angemessen gewesen, das entspricht rund der Hälfte der Strafe in Deutschland. So kam das Dreiergericht nun zu einer Gesamtstrafe von 69 Monaten für alle Delikte. Abzüglich der 47 Monate, für die er bereits verurteilt worden war, ergibt sich eine Netto-Freiheitsstrafe von 22 Monaten für den Raubüberfall im Gundeli. Der Verurteilte und auch die Staatsanwaltschaft können das Urteil weiterziehen. (rud)