«Warum soll man ein Museum völlig losgelöst von der restlichen Museumslandschaft dort hinpflanzen?» SP-Grossrätin Ruth Widmer ist nicht eben glücklich über den Regierungsentscheid, das Naturhistorische Museum (NHB) ab 2020 am Bahnhof St. Johann zu betreiben.

Dort soll es gemeinsam mit dem Staatsarchiv in Neubauten für 190 Millionen Franken auf ehemaligem Bahnareal unterkommen. Regierungspräsident Guy Morin, zu dessen Präsidialdepartement die Museen gehören, sagt, die Regierung habe sechs Standorte geprüft, darunter auch die Erlenmatt und die Langen Erlen: «Dort gab es Probleme aufgrund des Grundwasserspiegels. Der Hafen ist bis zu seiner Aufwertung noch zu abgelegen und das Dreispitz haben wir auch in Betracht gezogen.» Dass der Entscheid am Schluss zugunsten des Bahnhofs St. Johann gefallen sei, habe verschiedene Gründe: «Es wird einen Viertelstundentakt der Regio-S-Bahn geben, und mit dem Tram ist die Gegend auch sehr gut erschlossen», argumentiert Morin.

Kritik an der Verkehrslage

Ruth Widmer dagegen meint, dass gerade der Zugverkehr den Ort nicht ideal für ein Museum mache, es sei laut und der Schienenverkehr verursache Erschütterungen. «Auch städtebaulich bezweifle ich stark, dass dieser enge Schnitz zwischen Geleisen und Strasse ein geeigneter Ort ist.» Morin hält dagegen, alle Planer seien sich einig, es sei genug Platz für den Museumsneubau und das neue Staatsarchiv. Ausserdem erhoffe sich die Regierung eine gewisse Aufwertung des nicht in die Gänge kommenden Trendquartiers St. Johann: «Das ist ein Nebeneffekt, den man sehr gern nimmt. Der Platz beim Bahnhof St. Johann ist noch nicht so lebendig, wie wir das gerne hätten.» Und auch die verschiedentlich geäusserte Kritik, man reisse die Basler Museumslandschaft rund um den Münsterhügel auseinander, lässt Morin nicht gelten: «Dass man aus dem Museumsviertel hinausgeht, ist kein Problem. Die wenigsten Besucher klappern gleich drei oder vier Museen hintereinander ab.» Die meisten Besucher kämen gezielt ins Museum, oft auch mit Kindern. Da sei eine gute Verkehrsanbindung wichtiger als die unmittelbare Nachbarschaft zu weiteren, nicht themenverwandten Museen. Das Argument, das Naturhistorische Museum könne einen Standort aufwerten, anerkennt auch Ruth Widmer. Allerdings zieht sie andere Schlüsse: «Eigentlich fände ich es interessanter, wenn man das Kleinbasel mit einem Museum aufwerten könnte.»

Museen in der Innenstadt lassen

SVP-Grossrat Patrick Hafner meint dagegen: «Ich sehe es als Plus, dass die Museen in der Innenstadt konzentriert sind. Ohne Not würde ich das Naturhistorische Museum nicht in die Peripherie zügeln. Wenn schon soll die Verwaltung aus dem Stadtkern ziehen. Die Innenstadt sollte für Wohn- und Tourismuszwecke da sein.» Sein Parteikollege Oskar Herzig, der in der für die Museen zuständigen Bildungs- und Kulturkommission sitzt, hält zum grünen Regierungspräsidenten: «Ich finde das eine gute Idee. Es ist gut für dieses Quartier. Und auch dem Museum selbst wird dies viel Neues ermöglichen.» Entscheiden wird der Grosse Rat. Zunächst über die Planungskredite für die beiden Neubauten.