Unesco
Guy Morin: «Ich mache mir keine Sorgen um die Fasnacht»

Die Basler Fasnacht soll zum UNESCO-Kulturerbe werden. Regierungspräsident Guy Morin freut sich über diese Wertschätzung, sieht beim Traditionsanlass aber auch Erneuerungsbedarf.

Daniel Ballmer
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Guy Morin würde sich über eine Aufnahme der Basler Fansnacht ins Kulturerbe der UNESCO freuen. (Archiv)

Guy Morin würde sich über eine Aufnahme der Basler Fansnacht ins Kulturerbe der UNESCO freuen. (Archiv)

Nicole Nars-Zimmer niz

Die gute Nachricht: Die Basler Fasnacht soll zum Weltkulturerbe erklärt werden. Das Bundesamt für Kultur hat am Donnerstag bei der Unesco in Paris ein offizielles Gesuch eingereicht. Die Basler Fasnacht sei eine besonders reiche Tradition, die mehrere Bereiche und Aspekte des immateriellen Kulturerbes abdecke, begründet das Bundesamt.

Die schlechte Nachricht: Der Anteil aktiver Fasnächtler in der Stadtbevölkerung schwindet stetig. Das zeigen Zahlen, die der bz exklusiv vorliegen. Der Basler Regierungspräsident Guy Morin sieht das nicht so tragisch.

Herr Morin, bereuen Sie Ihre Rücktrittserklärung mittlerweile?

Guy Morin: Nein gar nicht.

Aber sogar als Basler Regierungspräsident kann man nicht jeden Tag eine hohe Auszeichnung der Unesco entgegennehmen. Sollte es nächstes Jahr soweit kommen, werden Sie jedoch nicht mehr in Amt und Würden sein . . .

Das ist eben Teil der politischen Arbeit. Man stösst langfristige Projekte an und der Nachfolger kann dann die Lorbeeren ernten. Das war ja bei mir auch so: Ich konnte etwa das neue Museum der Kulturen eröffnen.

Hand aufs Herz: Weltkulturerbe, das klingt toll, bringt aber eigentlich rein gar nichts.

Es ist sicherlich eine grosse Anerkennung und Wertschätzung, die sich nutzen lässt für touristische Anliegen und Standortwerbung. Die Basler Fasnacht lässt sich damit sicher besser vermarkten. Es ist auch eine Wertschätzung für die viele ehrenamtliche Arbeit, was es wiederum vereinfachen wird, dass die Basler Fasnacht weitergeführt und weiterentwickelt wird. Ob sich der Wert der Auszeichnung aber auch in Zahlen beziffern lässt, ist nicht so wichtig.

Aber was spüren letztlich Herr und Frau Basler davon, sollte die Fasnacht tatsächlich in den erlauchten Kreis aufgenommen werden?

Sie dürfen stolz sein auf ihre Stadt und ihre Fasnacht. Auf einen Ort, wo die Lebensqualität so hoch ist und die Kultur derart gepflegt wird.

Die Auszeichnung als Unesco-Weltkulturerbe bringt aber auch Pflichten mit sich. Die Fasnacht muss gehegt, gepflegt und weiterentwickelt werden. Welche Rolle kommt dabei dem Staat zu?

Es ist ganz wichtig, dass die öffentliche Hand keinen Einfluss auf die Basler Fasnacht nimmt. Die Tradition ist aus der Gesellschaft heraus entstanden. Sie bildet ja gerade einen Gegenpol zum Staat, der auch kritisch sein soll. Die öffentliche Hand kann einzig die Rahmenbedingungen schaffen und etwa die Innenstadt freihalten oder für Sicherheit und Sauberkeit sorgen. Sie darf aber auf keinen Fall Einfluss nehmen, weder mit Geld noch mit Vorgaben.

Es winkt die Auszeichnung als Weltkulturerbe, gleichzeitig sinkt die Zahl der aktiven Fasnächtler seit Jahren. Wird die Basler Fasnacht auswärts mehr geschätzt als in der Heimat?

Dieses Jahr scheinen die Zahlen ja wieder etwas gestiegen zu sein. Die Zahl der aktiven Fasnächtler scheint sich bei rund 11'500 einzupendeln. Und ich finde das noch immer eine beachtliche Zahl, wenn man bedenkt, welch grossen Aufwand die Fasnacht mit sich bringt. Das ist eine wahnsinnige kulturelle Leistung.

Dass der grösste Basler Traditionsanlass an Rückhalt verliert, kann dem Regierungspräsidenten nicht gefallen.

Heutzutage haben viele Vereine Mühe. Viele Leute sind heute beruflich stärker eingebunden und auch mobiler und damit weniger sesshaft. Und gerade die Fasnacht braucht eine gewisse Sesshaftigkeit. Vielleicht muss sie sich denn auch noch etwas stärker öffnen gegenüber Zuwanderern. Vielleicht muss die Fasnacht auch bei ihren Inhalten etwas flexibler werden. Jedes Kulturerbe muss sich auch weiterentwickeln. Ich mache mir aber gar keine Sorgen um die Basler Fasnacht.