Herr Morin, was macht der Basler Regierungspräsident in Südafrika?

Guy Morin: Ich habe in Johannesburg an einer Klimakonferenz für Städte teilgenommen, dem C40 Cities Climate Leadership Group Mayors Summit.

In wessen Auftrag sind Sie nach Südafrika gereist?

Im Auftrag des Regierungsrats Basel-Stadt. Ich war 2009 in Kopenhagen an der Klimaschutzkonferenz. 2011 war Eva Herzog in São Paolo, ich war 2012 in Chicago und jetzt in Südafrika und das immer im Auftrag des Regierungsrats. Die Mitgliedschaft bei C40 ist übrigens gratis, Michael Bloomberg finanziert C40 über Bloomberg Philantropies.

C40, das sind Städte wie London, Jakarta, Peking und Buenos Aires. Was hat Basel zwischen diesen Grossstädten verloren?

Unterdessen sind in C40 weltweit 63 Städte organisiert. Sie nennen sich Megastädte. Diese C40 haben einige kleinere Städte mitgenommen, sogenannte Innovator Cities. Basel ist angefragt worden, als Innovator mitzumachen. Neben Basel gehören zum Beispiel Kopenhagen und Oslo in diese Gruppe. Es sind Städte, die im Klimaschutz eine Pionierrolle haben und den anderen Städten helfen sollen, konkrete Massnahmen umzusetzen. Ziel von C40 ist es, sich gegenseitig zu unterstützen und anzuspornen, Klimaziele zu erreichen und den Energieverbrauch zu senken.

Ist Klimaschutz nicht Aufgabe der Staaten?

Etwa 50 Prozent der Bevölkerung weltweit wohnt in den Städten, mit steigender Tendenz. 75 Prozent der CO2-Emissionen entstehen in den Städten. Also: Die Städte sind für die Klimaerwärmung verantwortlich. Klimaschutzkonferenzen finden ja sonst unter der Schirmherrschaft der UNO auf Länderebene statt. Die Staaten haben aber Mühe, sich auf Massnahmen zu einigen. Das hat sich schon in Rio gezeigt und jetzt wieder in Warschau. Das gab den Anstoss für die Gründung der C40: Die Städte müssen Verantwortung übernehmen.

Inwiefern ist Basel ein Vorbild? Wir haben ja noch nicht einmal eine verkehrsfreie Innenstadt!

Ich hoffe sehr, dass wir den vorübergehenden Marschhalt rasch überwinden können, wobei man die verkehrsfreie Innenstadt nicht nur einfach als Umweltschutzmassnahme sondern als Massnahme zur Attraktivitätssteigerung bezeichnen kann. Basel ist ein gutes Beispiel dafür, wie man mithilfe von Lenkungsmassnahmen die richtigen Anreize schafft. Wir haben auf dem Strom seit 1985 die Förderabgabe. Das Geld, etwa 10 Millionen Franken jährlich, nutzen wir, etwa um Investitionen von Privaten für die energetische Sanierung ihrer Häuser zu unterstützen. Private Investoren zu unterstützen, das machen sehr wenige Städte. Seit 1998 haben wir eine Lenkungsabgabe, die staatsquotenneutral ist. Es ist ein Preisaufschlag, den man auf den Stromverbrauch erhebt und der pro Kopf zurückbezahlt wird. Wer spart, wird belohnt, wer viel konsumiert, wird bestraft. Dazu kommen noch Abfallsackgebühr und Mehrwertabgabe, die jeweils den Verursacher zur Kasse bitten.

Haben Sie Ideen mit nach Basel genommen?

Es gibt Städte, die haben Eco-Districts im Zonenplan ausgeschrieben. Grundeigentümer erhalten eine höhere Ausnützungsziffer, dass sie klimaneutrale Quartiere bauen. Das wäre für uns etwa in einem Entwicklungsgebiet Dreiland am Rheinhafen möglich. Im Bereich Elektromobilität könnten wir noch einiges leisten, da sind wir in Basel noch nicht weit.

Was haben Sie konkret in Johannesburg gelernt?

Es hat immer sehr spannende Projekte. Ein Beispiel ist die Idee des District Cooling, also nicht nur einen Wärmeverbund zu installieren, sondern auch einen Kühlverbund. Bei uns könnte man dazu Rheinwasser benutzen. Klimaschutz braucht enorm viel Ausdauer. Die ersten Massnahmen auf dem Weg schenken rasch ein. Danach wird es immer aufwendiger. Da haben andere Städte heute mehr Drive.

Welche Stadt zum Beispiel?

Vancouver hat mir sehr Eindruck gemacht, dann Portland und Kopenhagen. Die haben wirklich sehr viel Wille und investieren sehr viele Mittel in den Klimaschutz. Das Argument: Es rentiert jetzt noch nicht grad, aber in fünf oder zehn Jahren kommt das Geld wieder zurück, weil wir Energiekosten oder Anpassungsmassnahmen einsparen. Das ist übrigens sehr eindrücklich: Alle Städte reden heute von Adaptationskosten. Wir müssen uns alle auf höhere Meeresspiegel, Stürme, Überschwemmungen und ähnliches einstellen. Viele Städte müssen bereits heute viel Geld in Abwehrmassnahmen stecken. Jakarta zum Beispiel investiert in einen grossen Damm, viele andere müssen sich schützen vor der Klimaveränderung.

Ist Basel also bloss ein etwas exotisches, gutes Beispiel?

Nein, wir machen mehr. Basel ist Teil der Arbeitsgruppe Sustainable Infrastructure Finance Network. Ich leite die Gruppe gemeinsam mit Rahm Emanuel, dem Bürgermeister von Chicago. Sinn der Arbeitsgruppe ist es, Städten, die Mühe haben, nachhaltige Investitionen etwa in den öffentlichen Verkehr zu finanzieren, bei diesen Investitionen zu helfen.

In diesem Bereich ist auch die Global Infrastructure Basel tätig, die vom Kanton Basel-Stadt subventioniert wird. Was ist da der Zusammenhang?

Die Global Infrastructure Basel will Menschen, die ein Infrastrukturprojekt haben, mit Investoren zusammenbringen. Investieren kann etwa die Weltbank, eine Entwicklungsbank der EU, eine Pensionskasse oder ein Klimaschutzfonds. Die bringen wir mit dem Projektträger zusammen. Global Infrastructure Basel hilft Projekten, einen Investor zu finden oder eine Zinsreduktion herauszuholen. In Südafrika haben wir Verhandlungen geführt mit Mpho Parks Tau, dem Bürgermeister von Johannesburg. Er hat ein Projekt für einen «Fuel Shift», wie er es nennt, bei Bussen: Er will seine Flotte umrüsten von Diesel auf Biogas und dazu eine Biogasanlage bauen. Dafür braucht er 150 Millionen Dollar. Jetzt reist ein Mitarbeiter von Global Infrastructure Basel für zwei Monate nach Johannesburg und erstellt da eine Bankability-Studie, sodass das Projekt im Mai an der Global Infrastructure Basel vorgestellt werden kann.

Welche Rolle spielen Sie bei Global Infrastructure Basel?

Der Kanton Basel-Stadt hat eine Starthilfe für die ersten drei Jahre gegeben im Umfang von 1,5 Millionen Franken. Heute wird die Initiative etwa vom Seco und anderen Organisationen unterstützt und ist selbsttragend. Bei der Verhandlung mit Mpho Parks Tau habe ich als Türöffner fungiert. Eine konkrete Funktion habe ich aber heute nicht mehr.

Und welche Beziehung haben Sie zu Daniel Wiener und seinem Büro Ecos?

Daniel Wiener und sein Büro haben die Reise nach Südafrika vorbereitet. Dafür hat er pauschal 10'000 Franken erhalten. Das bezahlt ihm die Reisespesen und etwas darüber hinaus. Sonst gibt es keine Verbindung mehr.

Und abgesehen von Südafrika? Welche Beziehungen zu Daniel Wiener gibt es sonst noch?

Die ehemalige Natur-Messe, die jetzt «Eco» heisst, wird vom Kanton über die Stadtgärtnerei subventioniert.

Dann ist noch Sun21?

Die hat aber mit Daniel Wiener nichts zu tun, er ist da bloss ehrenamtlich als Experte im Vorstand. Christoph Eymann und Martin Vosseler haben zusammen die Sun21 aus der Bewegung «Ärzte für den Umweltschutz» begründet. Das Büro der Sun21 ist immer noch beim Gewerbeverband. Ziel ist es, das Gewerbe zu mobilisieren für die Anliegen des Umwelt- und Klimaschutzes. Das Gewerbe hat viele Berührungspunkte im Bereich der Bautechnik. Der Kanton unterstützt die Sun 21 mit 210'000 Franken jährlich.