Wahlen
Guy Morin kutschiert im Salonwagen

Engagiert, nett, keine grossen Fehler: Regierungspräsident Guy Morin steht vor der Wiederwahl. «Es gibt gar keinen Wahlkampf, nur ein paar Podiumsdiskussionen», sagt Morin cool.

Iso Ambühl
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Guy Morin mit Stadtentwickler Thomas Kessler

Guy Morin mit Stadtentwickler Thomas Kessler

Am Montag hält Basels Regierungspräsident Guy Morin (Grüne) die Redaktionen mit Medienkonferenzen auf Trab: Am Morgen redet er über Wohnraumförderung, am Nachmittag über familienfreundliche Steuer- und Tarifsysteme im Vergleich und am Abend stellt er die Ausstellung zur Städtepartnerschaft Basel-Shanghai in der UBS-Kundenhalle vor.

Reiner Zufall oder Wahlkampf ? «Es gibt gar keinen Wahlkampf, nur ein paar Podiumsdiskussionen», sagt Morin cool zum «Sonntag». Er wolle auch gar nicht speziell für sich werben. Nein, der gelernte Hausarzt reiht sich lieber auf der Einheitsliste mit den drei sozialdemokratischen Regierungsmitgliedern Eva Herzog, Christoph Brutschin und Hans-Peter Wessels ein.

Als Beschaffer der rot-grünen Mehrheit fährt Morin im Regierungsratszug bequem mit. «Er steuert aber nicht die Lokomotive», betont Ex-SP-Präsident Roland Stark, «dort sitzen Herzog und Brutschin als tüchtigste Regierungsmitglieder.» Malt man das Bild des Zugs weiter, leistet Baudirektor Wessels (Markenzeichen: schallendes Lachen) Morin im Salonwagen Gesellschaft und sorgt für spitzbübische Unterhaltung.

Eine Macht

Obwohl die drei Sozialdemokraten eine Macht darstellen, geben sie sich gegenüber dem einzigen Grünen leutselig: «Guy macht seine Arbeit sehr gut», lobte der frühere Lehrer Brutschin am Wahlkampf-Auftakt vom Mittwoch. Und Wessels schwärmte davon, wie es Präsident Morin schaffe, in den Regierungssitzungen stets für eine kollegiale Stimmung zu sorgen.

Der 56-jährige Politiker sitzt seit 2004 in der Basler Exekutive. Erst als Justizdirektor und seit 2008 als erster vollamtlicher Regierungspräsident. In dieser Funktion ist er oberster Chef der Kultur, der Stadtentwicklung, des Stadtmarketings und ist federführend für die institutionelle Zusammenarbeit, die Integrations- und Gleichstellungspolitik sowie die Statistik. Der einstige Militärdienstverweigerer war als Mediziner auch Sekretär der Schweizer Ärzte für Soziale Verantwortung.

Zu öffentlichen Auseinandersetzungen mit den Genossen in der Regierung ist es in der bisherigen Legislatur noch nicht gekommen. Der stets nette Morin gibt sich denn auch gute Noten: «Basel wächst, und es geht uns gut.» Die Wirtschaft schaffe Arbeitsplätze und trotze der Krise. Das kulturelle Angebot sei vielfältig und die Integrationspolitik sowie das Engagement im Umweltschutz seien wegweisend für die Schweiz.

Optimistisch für die Wahlen ist sein (eineiiger) Zwillingsbruder Pierre Morin, Arzt in Portland (USA): «Neben viel Erfahrung als Politiker ist mein Bruder sehr motiviert für alle zu arbeiten, er hat einen guten Umgang mit allen, tritt für die Umwelt ein – und lebt es vor.»

Kein Wunder also, stellt Grossrätin Patrizia Bernasconi, Fraktionspräsidentin des Grünen Bündnisses, klar: «Morin hat ein eigenes Profil – er ist nicht ein Anhängsel der drei SP-Regierungsratsmitglieder, das mitgeschleppt wird.» Immerhin stellt sich Morin mit seiner Forderung nach mehr mediterraner Lebensfreude in Basel und damit für einen lockereren Bewilligungsprozess etwa für Jugend-Partys in einen Gegensatz zu Brutschin und Wessels, die streng nach Gesetz und der neuesten Rechtsprechung vorgehen wollen.

Etwas Streit

In Zusammenhang mit Äusserungen von Morins Stadtentwickler Thomas Kessler, der Anfang Jahr Asylsuchende als «Abenteuermigranten» bezeichnete, kam sogar etwas wie Streit auf. Der Regierungspräsident verteidigte Kessler, was in der linken BastA! heftige Reaktionen auslöste. Etwa bei BastA!-Grossrätin Heidi Mück. Sie goutiert auch nicht, dass Morin innerhalb der gemeinsamen Fraktion Grünes Bündnis nur über schon beschlossene Sachen rede, «anstatt Substanzielles über Geschäfte der Zukunft zu berichten».

Für die linke Grossrätin bleibt klar: «Uns bleibt gar nichts anderes übrig, als Guy Morin zu unterstützen – oder soll ich etwa Baschi Dürr wählen?», fragt Mück. Politische Beobachter sind sich auch einig, dass sich Morin als lernfähig erwiesen habe. Durch Unterricht habe er sich rhetorisch verbessert. Ebenso punkto Kleidung, bei deren Auswahl ihn eine Stilberaterin unterstützt hat. Die eher hölzernen und rhetorisch schwachen Auftritte wie zu Beginn seiner Amtszeit gehörten heute der Vergangenheit an, lobt Stark. Morin hat nach Anfangsproblemen im neuen Departement in sein Amt gefunden. Die übrigen Kandidaten für die Wahl zum Regierungspräsidenten haben es deshalb schwer, Angriffsflächen für eine Kritik zu finden.

Wo bleibt überhaupt der Wahlkampf? Dies sei sicher nicht Sache der Regierungsmehrheit, betont Stark: «Es zeigt sich einmal mehr, dass Bürgerliche kein Wahlkampf-Gen besitzen.» So kann «Stapi» Morin getrost eine ruhige Kugel schieben.