Mit diesem Polit-Comeback hat wohl kaum jemand gerechnet: Die Basler Grünen überlegen sich, im Herbst 2019 mit dem früheren Regierungspräsidenten Guy Morin in den nationalen Wahlkampf zu ziehen. Dies berichtete gestern die «Basler Zeitung». Morin hatte vergangenes Jahr nach 12 Jahren im Regierungsrat seine politische Karriere beendet. Seither arbeitet der 61-Jährige wieder als Hausarzt in einer Basler Praxis. «Es laufen Gespräche, aber das Ganze befindet sich noch in einem frühen Stadium», bestätigt Morin. Er habe sich auch nach seinem Ausscheiden aus der Regierung in der Partei engagiert: «Ich kann mein politisches Interesse nicht einfach abstellen.»

Hilfe und Gefahr für Arslan

Es gehe darum, den Sitz von Sibel Arslan zu sichern, betont Morin. Die Basta-Politikerin war 2015 mit hauchdünnem Vorsprung in den Nationalrat gewählt worden. Ihr Mandat gilt als das umkämpfteste bei den Wahlen im Herbst 2019. Einerseits werden die Bürgerlichen versuchen, den Sitz wieder in ihre Reihen zu holen. Andererseits liebäugeln auch die Sozialdemokraten, also der politische Partner, mit einem dritten Sitz.

«Der Sitz von Sibel Arslan wird von links wie rechts angegriffen», sagt Morin. «Da muss jede Partei die besten Leute auf ihre Liste setzen.» Ob er das sei, müsse dann die Basis entscheiden. «Aber ich glaube schon, dass eine Kandidatur von mir die Chancen erhöhen würde, dass der Sitz beim Grünen Bündnis bleibt», so Morin. Gleichzeitig wäre Morin aber selber ebenfalls eine Gefahr fürs Arslans Sitz. Gut möglich, dass der Ex-Regierungsrat der Basta-Nationalrätin gefährlich nahe kommen oder sie sogar überholen könnte. Das zeigt etwa das Beispiel von Christoph Eymann. Der Bildungsdirektor liess vor drei Jahren den damaligen FDP-Nationalrat Daniel Stolz hinter sich und übernahm dessen Platz im Bundesparlament.

«Für Seniorenliste geplant»

Morin wäre sicherlich ein Zugpferd, sagt der Präsident der Grünen Harald Friedl. Beim Diskutieren von möglichen Strategie habe man die Variante diskutiert, auf die bekanntesten Namen zu setzen. «Morin hat das Potenzial, viele Stimmen zu holen und damit zu helfen, dass der Sitz beim Grünen Bündnis bleibt», sagt Friedl.

Arslan selber sagt, sie würde sich über eine Kandidatur Morins freuen: «Ich bin daran interessiert, dass wir eine starke Liste haben und den Sitz halten können», sagt sie.

Andere in ihrer Partei sehen das kritischer: Grundsätzlich seien die Grünen selber dafür verantwortlich, wen sie für die gemeinsame Kandidatenliste nominieren, sagt Heidi Mück, Co-Präsidentin der Basta. «Aber es stellt sich schon die Frage, was für ein Bild die Grünen vermitteln, wenn sie einen Ehemaligen aus der Schublade ziehen.»

Der Name sei ursprünglich mal in einer Sitzung gefallen, als man über Unterlisten, wie etwa eine Seniorenliste diskutiert habe, so Mück. Der ehemalige Regierungspräsident würde zwar sicherlich viele Stimmen bringen, die Co-Präsidentin glaubt allerdings nicht, dass Morin Arslan gefährlich werden könnte. «Aber dafür steht er jungen Politikerinnen im Weg», sagt Mück.

Die potenzielle Kandidatur Morins würde den Vorwahlkampf nochmals anheizen. Er wäre bereits der dritte Kandidat, der noch vor kurzem in der Regierung sass. Für die LDP tritt Christoph Eymann an. Und die Sozialdemokraten rechnen mit Finanzdirektorin Eva Herzog als Zugpferd.