«Die grösste Baustelle haben wir in der Beziehung zu unserem nächsten Nachbarn.» Lange musste Guy Morin nicht überlegen, um die Frage nach der schwierigsten Aussenbeziehung zu beantworten. Der Schuldige ist klar: Jene Kräfte im Baselbiet, welche «die Uni schwächen wollen, obwohl die Innovation unser Kerngeschäft ist». Es wird einer der letzten Seitenhiebe bleiben, aber einer der heftigeren. Denn für das Dossier «Aussenpolitik» gilt das gleiche wie für alle Geschäfte von Morin: Auf die letzten Monate hin wird er deutlicher, aggressiver.

Mit viel Verve beschrieb er an der Medienkonferenz am Donnerstag seine Aufgaben in diesem Bereich. Wie er bei den linken Städten für die Unterstützung der Unternehmenssteuerreform III weibelte (O-Ton: «Da musste ich bös lobbyieren»). Wie er bis nach Karlsruhe um Uni-Fördergelder stritt. Wie er mithalf, den geografischen Einflussraum der Stadt zu erweitern, «bis zur französischen Grenze zu Luxemburg».

Eigentlich als Bilanz gedacht, verkam die Präsentation fast zu einem Anforderungskatalog an seine designierte Nachfolgerin, Elisabeth Ackermann. Die grüne Parteikollegin wird ihn aller Voraussicht nach beerben, was spätestens seit dem Rückzug von Baschi Dürr (FDP) als beschlossen gilt. Insbesondere die trinationale Einheit dieser Region unterstrich er: «Basel-Stadt steht und fällt mit der Offenheit gegenüber seinen Nachbarn.» Gar laut wurde er, als er auf die Masseneinwanderungsinitiative zu sprechen kam, und er richtete einen flammenden Appell an die Journalisten, sich gegen eine allfällige Verschärfung der geplanten Umsetzung zu positionieren.

Wodka versus Verveine

Weniger gern schien sich Morin an jene Momente zu erinnern, in denen er auf dem diplomatischen Parkett ins Schlingern kam. Beispielsweise, als unter seinen Augen am Basler Mondfest chinesische Sicherheitskräfte eine demonstrierende Tibeterin niederrangen. Eher unter die Sparte «Kurioses» fällt da der Vorwurf, er habe an einem Treffen mit russischen Diplomaten den Wodka ausgeschlagen und dafür einen Verveine-Tee vorgezogen. Morin wollte die medienwirksamen Auftritte nicht grösser reden als sie sind: «Natürlich ist die Städtepartnerschaft mit Schanghai wichtig, das zeigt die hochrangige Delegation, die uns hier besucht hat.» Auf der anderen Seite rangiere Basel aber auch auf Platz 49 oder 50 der Städtepartnerschaften von Schanghai. Morin widmete den Hauptfokus seiner aussenpolitischen Tätigkeit deshalb dem Dreiland und der Schweiz. Jenen Teil, «der oft unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet».

Rund ein Drittel bis gar die Hälfte seiner Arbeitszeit fresse die Aussenpolitik, sagte Guy Morin. Es scheint, als hätte er sich für diesen Bereich mehr Aufmerksamkeit gewünscht. Elisabeth Ackermann wird sich das ins Pflichtenheft schreiben.