Stellen Sie sich vor, es ist Schule und der Lehrer steht nicht nur dozierend vor der Wandtafel. Am Basler Gymnasium Bäumlihof gehören solche Lernzeiten seit 2010 im Rahmen des Konzeptes GB Plus zum Alltag. Traditioneller Unterricht wechselt mit individuellem Lernen ab. Dann stehen die Lehrerinnen und Lehrer den Lernenden als Coaches zur Seite.

Und statt ein Jahr lang den gleichen Stundenplan mit allen Fächern, wird die Fächerzahl phasenweise halbiert und die Lektionenzahl entsprechend erhöht – so wechselt die Zusammensetzung der Fächer. Das Jahr hat sechs gleich lange Phasen, in denen gelernt oder an Projekten gearbeitet wird.

Mittlerweile lernen am Bäumlihof 170 Schülerinnen und Schüler in acht Klassen nach dem neuen Konzept. Der Stoff bleibt der Gleiche, aber das Umfeld, wann und wie er erlernt wird, ist anders – und die Schülerinnen und Schüler haben mehr Eigenverantwortung.

Überzeugend innovativ

Für das Lernkonzept GB Plus hat das Gymnasium Bäumlihof diese Woche von der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz den Jan Amos Comenius-Preis erhalten. Der mit 10'000 Franken dotierte Preis wird jährlich für hervorragende Projekte aus der Bildungspraxis vergeben. GB Plus habe die Jury «aufgrund seiner innovativen Lernarchitektur, die den Schülerinnen und Schülern mehr Selbstverantwortung ermöglicht und das individualisierte Lernen» fördere, überzeugt, heisst es in einer Mitteilung.

Auf das neue Lernkonzept umgestellt hat das Bäumlihof aus mehreren Gründen. «Wir suchten nach Möglichkeiten, für die heterogene Schülerschaft mit ihren unterschiedlichen Lerngeschwindigkeiten ein gutes Umfeld zu schaffen», sagt Konrektor Werner Schneider auf Anfrage. «Und es war uns wichtig, dass Tests die Auseinandersetzung mit neuem Stoff nicht andauernd stören.» Tests binden Aufmerksamkeit und rauben sie den anderen Fächern. Darum wird im GB Plus erst am Schluss jeder Lernphase geprüft.

Der in Phasen organisierte Unterricht bringe Ruhe und Konzentration ins Lernen, sagt Schneider: «Im Gymnasium werden sonst sehr viele verschiedene Fächer nacheinander unterrichtet.» Die schnellen Wechsel erschwerten ein vertieftes Lernen sei. Noch befindet sich das Projekt in der Testphase. Im Schuljahr 2015/2016 wird die erste Klasse zur Matura antreten, die während ihrer ganzen Gymnasialzeit nach dem neuen Konzept unterrichtet wurde. «Dann gibt es eine Evaluation und dann wird entschieden, wie es weiter geht», sagt Schneider.