«Ich finde den Kleiderstil einiger Kollegen etwas speziell. Man kann von Birkenstock-Sandalen halten, was man will, aber müssen sie zwingend die Füsse eines Biologielehrers schmücken beziehungsweise dessen Sockenmuster zur Schau stellen?» Das hat ein Basler Gymnasiallehrer kürzlich den Stilberater Jeroen van Rooijen in der «NZZ am Sonntag» gefragt.

Dessen Antwort war klar und deutlich: «Lehrpersonen sollten ihren Schützlingen nicht nur fachlich und menschlich, sondern auch stilistisch ein Vorbild sein. Dazu gehört ein gewisser Schliff – und unbedingt auch Distanz. Diese verliert man unwiederbringlich, wenn man seinen Schülern einen Blick auf die Sockenspitzen gewährt», meinte der Journalist und Buchautor («Hat das Stil?»).

Beim Rektor antraben

Das Thema sorgt seither nicht nur unter Lehrpersonen und Schülern des Gymnasiums Kirschgarten für Gesprächsstoff. Der Leserbrief schreibende «Nestbeschmutzer» wurde schnell identifiziert und musste samt seinem «Antipoden» zu einem klärenden Gespräch beim Rektor antreten. «Die Sache hat sich für uns dadurch erledigt», erklärt Kirschgarten-Rektor Jürg Bauer. Dass der Lehrer sein Anliegen via Leserbrief an die Öffentlichkeit gebracht hat, findet er falsch. Der Betreffende selbst wollte sich zur Sache nicht äussern.

Von van Rooijens These, dass Lehrpersonen auch modisch und in Sachen Stil Vorbild sein sollen, hält Rektor Bauer nicht viel. Er plädiert beim Kleidungsstil für gesunden Menschenverstand und Toleranz. Birkenstock-Sandalen bleiben im Gymnasium Kirschgarten weiterhin toleriert. Dafür sind generelle Benimmregeln an der Schule für Bauer durchaus ein Thema. In einer Projektwoche sollen die Gymnasiasten im Kirschgarten demnächst einen «Knigge für die Schule» erarbeiten.

Toleranz und gesunder Menschenverstand

In den Vorschriften zur Bekleidung sind die Schulen autonom. «Eher würde sich die Verwaltung die Zunge abbeissen, als dazu präzise Vorschriften oder Verbote zu erlassen», betont Hans Georg Signer, Leiter Bildung beim Erziehungsdepartement Basel-Stadt.

Auch Beat Siegenthaler, Präsident der Freiwilligen Schulsynode, des wichtigsten Verbands von Basler Lehrpersonen, plädiert für Toleranz und gesunden Menschenverstand. «Wenn es im Sommer im Klassenzimmer 36 Grad und mehr heiss wird, sollten gepflegte Shorts durchaus erlaubt sein.» In seiner 38-jährigen Lehrer-Karriere hat er gelegentlich erlebt, dass die Schulleitung wegen unpassender Kleidung das Gespräch mit einzelnen Lehrerinnen und Lehrern suchen musste. Ein grosses Thema sei das aber eigentlich nie gewesen.

Aus seiner eigenen Zeit als Schüler kann er sich erinnern, wie ein zerstreuter Lehrer zuweilen in Sandalen barfuss zur Schule kam, ohne dass ein grosses Theater darum gemacht wurde. Für den Ästheten Jeroen van Rooijen wäre das ein Graus. Auch ein Blick in ein Lehrerzimmer dürfte ihm wenig Freude bereiten: Die meisten Lehrpersonen sind eher locker – oder neudeutsch «casual» – gekleidet und legen auf Äusserlichkeiten keinen übertriebenen Wert.