Hacker

Gymnasiasten hacken Schulhaus-Server des Gym Kirschgarten

Das Kirschgarten-Gymnasium wurde Opfer eines Hackerangriffs. Zwei Schüler erhalten happige Strafen.

Das Kirschgarten-Gymnasium wurde Opfer eines Hackerangriffs. Zwei Schüler erhalten happige Strafen.

Über ein Jahr lang hatten zwei Schüler Zugang zum Server des Schulnetzes des Gymnasium Kirschgarten (GKG), ohne dass das bemerkt worden ist. Aufgeflogen ist der Angriff erst kürzlich, als sie den Bildschirmhintergrund wechselten.

Die Schüler seien geständig und versicherten keinen Missbrauch mit den gewonnenen Daten getrieben zu haben, erklärt GKG-Rektor Jürg Bauer, der die Schüler kürzlich über den Vorfall informiert hat.
Seither kursieren nicht nur am Gymnasium Kirschgarten allerlei Geschichten um den gelungenen Hackerangriff.

Ob es sich um Angebereien der beiden Täter oder um Hochschaukeln von Gerüchten handelt, ist schwer zu sagen. Der Rektor des naturwissenschaftlich-mathematisch ausgerichteten Gymnasiums legt aber Wert darauf, dass das Knacken des Administratoren-Passworts keineswegs ein Kinderspiel gewesen sei: «Dazu waren hohe Programmierfähigkeiten erforderlich.» Im Schulnetz habe es einen Schwachpunkt im Sicherheitskonzept gegeben, der mittlerweile behoben worden sei.

Reumütige Täter

Christian Tschudin, Informatik-Professor an der Universität Basel, dessen Tochter ebenfalls das Gymnasium Kirschgarten besucht, wundert sich nicht über den Vorfall. «Wenn es Hackern gelingt, selbst in die Computer von CIA und FBI einzudringen, ist es natürlich auch möglich ist, den Server eines Schulhauses zu knacken.» Dass das Gymnasium von sich aus über den Vorfall informiert hat und nicht versucht habe, ihn unter den Tisch zu kehren, findet er positiv.

«Wir müssen lernen, mit solchen Risiken umzugehen», erklärt der Informatiker. Allerdings hat Tschudin erst durch die bz vom Vorfall erfahren. Die Eltern wurden nicht direkt informiert, sondern nur via einen Brief, der an die Schüler abgegeben wurde. Das Gerücht, wonach die beiden Hacker mit ihrem Attacke direkten Zugriff auf die privaten Computer der Schüler und eventuell gar der Eltern gehabt hätten, dementiert Bauer. Immerhin hatten sie Zugriff zu den Passwörtern für den E-Mail-Verkehr sowie für soziale Netzwerke wie Facebook - und damit auch Zugang zu privaten Daten.

In mehreren Gesprächen hätten die reumütigen Täter versichert, die riesige Fülle von Daten nicht missbraucht zu haben, berichtet Jürg Bauer. Der Antrieb sei vor allem die Herausforderung gewesen, das System zu knacken und nachdem das gelungen sei, habe das Interesse rasch nachgelassen. Diese Aussage wird von einer Schülerin bestätigt, die einen der Täter gut kennt.

Bis zu drei Jahren Haft

Laut Strafgesetzbuch handelt es sich beim Hacken des Schulnetzes um ein unbefugtes Eindringen in ein Datenverarbeitungssystem. «Wer auf dem Wege von Datenübertragungseinrichtungen unbefugterweise in ein fremdes, gegen seinen Zugriff besonders gesichertes Datenverarbeitungssystem eindringt, wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft» heisst es in Artikel 143bis des Strafgesetzbuches. Auf eine Strafanzeige hat die Schule verzichtet. Die Schüler hätten schulintern aber eine happige Strafe erhalten, berichtet Bauer. Um welche es sich handelt, will er nicht verraten.

Das Rektorat hat alle Schüler dazu aufgefordert, ihre Passwörter zu ändern. Eine kleine Umfrage unter den Gymnasiasten zeigt jedoch, dass sich kaum einer der Schüler und Schülerinnen an diesen Rat hält. Die Einschätzungen des Hackerangriffs sind unterschiedlich. Bei manchen schwingt eine gewisse Bewunderung mit, viele reagieren recht gleichgültig, doch richtig empört zeigte sich keiner der befragten Gymnasiasten.

Das Gymnasium Kirschgarten ist kein Einzelfall. In Lübeck ist kürzlich ein ähnlicher Hackerangriff aufgeflogen. Dort ist es zwei Schülern gelungen, ihre Maturanoten zu schönen, berichteten unlängst die Lübecker Nachrichten. Pikant: Die Gymnasiasten gehörten zu einer Arbeitsgruppe aus Schülern, Lehrern und Software-Experten, die das interne Schulnetzwerk benutzerfreundlicher gestalten sollte. Diesen Auftrag haben die beiden etwas offenbar zu wörtlich genommen und für ihre eigenen Zwecke zu nutzen versucht. Allerdings nur mit kurzfristigem Erfolg.

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