Jonas spült schmutziges Geschirr an einem Brunnen, Joëlle und Elias backen Pfannkuchen. Die drei Gymi-Schüler aus Schaffhausen und Winterthur sind diese Woche in Basel und schnuppern Uniluft. Indem sie Pfannkuchen backen? Nein. Sie erforschen unweit des Empfangs- und Verfahrenszentrums (EVZ) Bässlergut das Thema Migration. Sie haben sich freiwillig entschieden, an einem der ausgeschriebenen Forschungsprojekte der Stiftung Schweizer Jugend forscht teilzunehmen, die diese Woche stattgefunden haben. An den Universitäten Basel, Neuenburg, Luzern und Zürich nähern sich Jugendliche aus der ganzen Schweiz aus verschiedensten Perspektiven dem Thema – immer begleitet von einem oder mehreren Projektleitern. Am Samstag präsentierten sie ihre Projekte und Ergebnisse an der Universität Zürich.

Zeitungsartikel statt Fachbücher

Die drei jungen Wissenschaftler in Basel beantworten ihre Forschungsfragen nicht, indem sie dicke Sach- und Fachbücher zum Thema wälzen oder verstaubte Archive durchforschen. Sie lesen aktuelle Zeitungsartikel, schauen Fernsehbeiträge oder sind vor Ort. Entwickeln durch Begegnungen ihren eigenen Zugang zum Thema.

Am Dienstag haben sie an einem Rundgang um die Anlagen des EVZ und des Ausschaffungsgefängnisses beim Bässlergut teilgenommen. «No Lager Rundgänge» nennen Bblackboxx und das Bleiberecht-Kollektiv Basel die Führungen, die sie organisieren. Die Rundgänge beleuchten die Schweizer Asylpolitik kritisch. An den anderen Tagen haben die Jugendlichen einerseits an der Universität Basel Seminare zum Thema «Migration-Arbeit-Geschlecht» und «Migration und Landwirtschaft» besucht. Andererseits waren sie bei der Bblackboxx, die nur wenige hundert Meter vom EVZ entfernt liegt. Es ist ein öffentlicher Ort für alle. Für Asylsuchende genauso wie für die Basler Bevölkerung. Hier trifft man sich, kann sich austauschen, Tee trinken, zeichnen, spielen oder einfach nur sein. An diesem Nachmittag sind gut zwanzig Menschen hier.

Die drei Gymnasiasten machen sich an diesem Ort Gedanken über ihre Forschungsfragen, die sie Ende Woche auf einem Poster festhalten. «Mit dem Thema Migration bewegen wir uns in einem Spannungsverhältnis», sagt Projektleiterin Tina Bopp, die Gender Studies studiert hat. «Deshalb lautet der Titel unseres kleinen Forschungsprojektes ‹Migration: Zwischen der Lust zu entdecken und der globalen Zerstörung von Existenzgrundlagen›.»

Joëlle, Jonas und Elias sollen sich ihre Meinung selbst bilden. Was ist das EVZ und weshalb ist es an ein Ausschaffungsgefängnis gekoppelt? Weshalb befindet es sich ausserhalb der Stadt? In welchem Verhältnis steht die Bblackboxx dazu? Was macht der Ort mit mir?

Eindrücke mit Wirkung

Jonas Wolter ist 17 Jahre und geht in Schaffhausen ans Gymnasium. Er hat sich zusammen mit seinem Kollegen Elias für das Projekt entschieden, weil er herausfinden wollte, was eigentlich stimmt, und Vorurteile hinterfragen wollte. «Die Eindrücke haben schon etwas ausgelöst in mir», sagt er. Im Gespräch mit den Asylsuchenden sei ihm bewusst geworden, dass alle gleich sind. Sie und er. «Es war aber auch schwierig, weil man die Menschen nicht zu viel Persönliches fragen und trotzdem etwas von ihnen erfahren möchte.»

Die 16-jährige Joëlle Francis geht sonst in Winterthur ins Gymnasium. Sie kommt selber aus einer Familie, in der Migration präsent ist: «Jede Generation in meiner Familie ist irgendwie migriert», sagt sie. Als Maturarbeit möchte sie deshalb eine Arbeit über ihre Familiengeschichte schreiben und diese der Theorie gegenüberstellen, weshalb Menschen in die Schweiz migrieren. «Diese Woche in Basel hat mir da weitergeholfen.» Auch persönlich: «Hier habe ich eine andere Seite kennen gelernt, eine Seite, die in den Medien oft ignoriert wird», sagt Joëlle. «Die Seite der Menschen, die Migration aktuell erleben.»

Posterausstellung Samstag, 24. Oktober ab 9.30 Uhr, Hörsaal F-121, Universität Zürich, Affolternstrasse 56 (Eingang Ost), Zürich Oerlikon.