Klybeck-Quartier

Haareschneiden in einem Flughafen-Shuttlebus - im Basler Hafen ist das neu möglich

Vom Flughafenbus zum Coiffeur-Salon: Im Basler Hafen-Areal erfüllte Céline Wintenberger ihren Traum.

Vom Flughafenbus zum Coiffeur-Salon: Im Basler Hafen-Areal erfüllte Céline Wintenberger ihren Traum.

Céline Wintenberger will mit ihrem Salon «la tête en l’air» mehr Kreativität in die lokale Coiffeur-Szene bringen. Alleine der Ort, an dem sich ihr Salon befindet, zeugt von viel Kreativität. Er befindet sich nämlich in einem umgebauten Bus.

Angefangen hat alles in Nicaragua. Die im Elsass aufgewachsene und seit einigen Jahren in Basel arbeitende Coiffeuse Céline Wintenberger reist um die Welt – und verliebt sich. In das Land, die Menschen und das Leben in Zentralamerika. Sie beschliesst, zu bleiben, kauft ein Stück Land und beginnt sich zu engagieren. Mit der Hilfe von Freiwilligen baut sie eine Schule auf.

Wintenberger und die anderen Freiwilligen wohnen dabei nicht in Häusern, sondern in alten Schulbussen. «Wir haben die Busse so umgebaut, dass man darin wunderbar leben konnte, wie in einem Wohnwagen. Dieses nomadische Leben hat mich schon immer begeistert und ist jetzt auch der Grund für mein neues Projekt», erzählt Wintenberger.

Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz führt sie der Zufall statt in einen Coiffeur-Salon zum «Broadway-Varieté». Zwei Jahre lang tourt sie mit dem Ensemble durchs Land, lebt dabei im Wohnwagen. Diese Zeit bestärkt sie weiter in ihrem Wunsch, auf vier Rädern zu arbeiten und zu leben.

Eine Vision mit viel Stress und Spass verwirklicht

Diesen Traum macht sie nun, einige Jahre später, wahr. Nachdem ihr alter Salon «Brush Your Hair» per November geschlossen hat, wagt Wintenberger, die morgen ihren 38. Geburtstag feiert, den Schritt in die Selbstständigkeit.

Mit der Hilfe von Freunden verwandelt sie einen Flughafen-Shuttlebus vom Euro-Airport aus den 90er-Jahren in einen Coiffeur-Salon, der nun seit einer Woche im Holzpark am Hafen im Klybeck-Quartier steht. «Die Umbau-Zeit war einerseits enorm stressig, weil ich nebenbei noch im Salon arbeitete und mich auch um alle Verträge und Bewilligungen kümmern musste. Andererseits hat es mir unglaublich Spass gemacht, diese Vision verwirklichen zu können», sagt sie.

Mit dem charakteristischen Zischen öffnen sich die Türen des Shuttles, dahinter warten jedoch nicht Reisende und Koffer, sondern Waschbecken, Friseurstuhl und Spiegel. Es duftet nach frischem Kaffee, aus einem Radio in der Ecke dudeln französische Chansons. Das Interieur erinnert sowohl an die 70er als auch an das Flughafen-Thema, so bewahrt Wintenberger etwa ihre Utensilien in einem alten Service-Trolley auf.

Eine Träumerin und ihre Haar-Oase

Tagelang durchstöberte sie Brockenstuben und das Internet nach dem passenden Mobiliar. Der Aufwand hat sich gelohnt – und war nötig. «Viele hatten im ersten Moment Angst, als sie hörten, dass mein neuer Salon ein Bus wird. Sie dachten an eine klapprige Kiste ohne Heizung, in der sie am Schluss noch den Spiegel selber halten müssen. Das wollte ich natürlich nicht», sagt Wintenberger und lacht herzhaft.

Seit einer Woche ist die Französin selbstständige Unternehmerin. Ein Wandel, der sich, wie sie sagt, surreal anfühle: «Die erste Woche lief gut, weil zum Glück viele Stammkunden aus meinem alten Salon vorbei kamen. Trotzdem bin ich noch unglaublich nervös, wie es nach ein, zwei Monaten aussehen wird.» Um mehr Kundinnen und Kunden anzulocken, möchte sie Werbung für ihren Bus «la tête en l’air» machen. Der Name ist ein Wortspiel und passt gut zur Coiffeuse: «Ich bin auch ein kleiner Luftibus. Deshalb passe ich auch perfekt hier an den Hafen. Die Leute hier sind wie ich, sie sind Träumer aber auch Macher.»

Tatsächlich fügt sich der Retro-Bus nahtlos ein in den Charme des Holzparks mit seinen zahlreichen Bars in ausgedienten Schiffen und improvisierten Holzbaracken – sogar eine Sauna gibt es. Nun also auch einen Coiffeur-Salon.

Der Bus ist ein Ort der Entspannung

Begonnen hat Wintenberger ihre Laufbahn als Coiffeuse schon im Alter von 15 Jahren im Elsass. «Ich merkte aber schnell, dass ich mich eher für exotische Dinge wie Make-Up und Hochsteckfrisuren interessierte», erzählt sie. Kurzerhand beginnt sie eine Zweitausbildung als Maskenbildnerin. Ihren extrovertierten Stil möchte sie nun in ihrem Haar-Bus zelebrieren – und geht dafür bewusst einen ganz anderen Weg.

«Die meisten Salons sehen doch alle gleich aus. Dabei ist das enorm schade. Wir sind eine so kreative Branche, das sollten wir auch in das Design unserer Läden miteinbeziehen», sagt sie. So verwundert es nicht, dass die Ideen nur so aus ihr heraussprudeln, was sie alles noch mit ihrem Bus anstellen könnte. In den Quartieren herumfahren wie ein Food-Truck sei eine Option, Lesungen, Ausstellungen und Filmabende möchte sie veranstalten – und ihren Kunden im Sommer die Haare draussen bei einem Fussbad schneiden. Wintenberger kennt nur ein Tabu:

So ist es denn auch eine Galaxie, die den Bus ziert. «Ich bringe die Leute mit meinem Bus zwar nicht zum Flughafen, aber dafür an einen Ort der Entspannung.» Eine Stunde will sie sich pro Haarschnitt Zeit nehmen, dazu gibt es einen Kaffee, eine Kopfmassage und die Möglichkeit, sich alles von der Seele zu reden. «Das passt doch perfekt, die Leute können mir erzählen, was in ihrem Kopf vorgeht, während ich mich darum kümmere, was auf ihrem Kopf passiert.»

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