Nota Bene

«Häbbi luki for Frieden» – Der Hoff und ich

Der US-Sänger und Schauspieler David Hasselhoff auf seiner «Freedom! The Journey Continues Tour 2019». (Archivbild)

Der US-Sänger und Schauspieler David Hasselhoff auf seiner «Freedom! The Journey Continues Tour 2019». (Archivbild)

Prost allerseits! Danke, dass ihr so zahlreich erschienen seid, sage ich und hebe mein Glas.

Keine Reaktion.

Gut, vielleicht hätte ich zuerst fragen sollen, ob jemand mit mir anstösst. Ausser der Cola und dem Burger leistete mir am Montagabend in Dübendorf niemand Gesellschaft. Kein einziger Freund wollte ans Konzert von David Hasselhoff mitkommen und mit mir das Idol meiner Kindheit feiern.

Bei meinen 1'156 Facebook-Freunden war es nicht anders. Vor zwei Wochen startete ich einen Aufruf und fragte: Wer kommt mit ans Hasselhoff-Konzert? Mehr als ein paar Smileys hatte die Community für mich nicht übrig. Dabei heisst es doch soziale Medien. Ich habe langsam das Gefühl, auf Facebook treffen sich die Leute in meinem Alter nur noch, um ihre politische Meinung zu verbreiten oder um zu sagen: Hey, schaut mal wie herzig meine Kinder sind. Hashtag Qualitytime, Hashtag Familylife. Schon ein wenig asozial, oder nicht? Vor allem den Kindern gegenüber, die später Mami und Papi fragen werden: Hast du damals eigentlich das ganze Familienalbum online gestellt?

David Hasselhoff ging es ähnlich, wie der Sänger am Konzert erzählte. Seine Tochter Taylor-Ann wurde in der Schule ausgelacht, weil sie im Videoclip von «Hooked On A Feeling» als Engel durch die Luft fliegen musste. Ich bin froh, dass mich meine Eltern 1989 nicht filmten, als ich mit meinem Cousin auf dem Bett auf und ab hüpfte und «Häbbi luki for Frieden» sang. Was der Hoff uns mit seinen Liedern sagen wollte, wusste ich offensichtlich nicht. War mir auch egal. Aber dieser Typ imponierte mir – wie er auf dem Cover der Musikkassette in zerrissenen Jeans und schwarzer Lederjacke cool in die Kamera schaute. Da wusste ich: So wie er will ich auch mal werden. Und ein Auto, das sprechen kann, möchte ich auch. Als ich später erfuhr, dass der Knight Rider seinen K.I.T.T. für «Baywatch» gegen eine Boje getauscht hatte, war ich bitter enttäuscht. In Badehose konnte ich meinen Helden nicht mehr ernst nehmen! Heute bin ich glücklich, dass ich David Hasselhoff nach dreissig Jahren endlich live sehen durfte. Da störte mich auch nicht, dass ich statt mit meinen Freunden mit «Baywatch»-Fans und ihren aufblasbaren Bojen vorliebnehmen nehmen musste.

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