Einzig der Wind spielte nicht mit: Träg hing das Grosssegel an der Gaffel, und die Schweizer, deutsche und französische Fahne hingen ebenso schlaff am Steuerbordstag des Grossmasts wie die niederländische Flagge am Besan-Top. Doch beim Einlaufen unter Motor ins Hafenbecken 1 standen unter anderem die Baselbieter Regierung, ausser Sabine Pegoraro in corpore, und der Basler Regierungspräsident Guy Morin auf dem Deck der «Helena», des ersten holländischen Rhein-Frachtseglers, der seit 100 Jahren Basel erreicht hat - allerdings zu einem guten Teil im Schlepp eines Motorschiffs. Damit wurde deutlich: Für die Symbolik, dass sich der Hafen Rotterdam und die Schweizer Rheinhäfen verbünden, hat man keine Mühen gescheut.

An Bord griff dann der niederländische Botschafter in der Schweiz Bart Twaalhoven bis auf Erasmus von Rotterdam zurück, um die traditionelle Verbindung der beiden Städte zu betonen und wies darauf hin, dass auch holländische Architekten am Basler Zukunftsprojekt Dreiland mitarbeiten. Diese Verbundenheit in Vergangenheit und Gegenwart soll in der Zukunft vertieft werden.

Strategischer Verkehrsknoten

Handfester Hintergrund der schönen Worte: Ein Hafen in der Grösse von Rotterdam kann seine Position nur halten und ausbauen, wenn er sich auch um den Verkehr vom und ins Hinterland kümmert. Und die Rheinhäfen beider Basel haben ein Interesse, sich in diesem Hinterland-Verkehrsnetz eine Position als strategischer Knoten zu sichern. Entsprechend unterzeichneten gestern an Bord des segelnden niederländischen Kulturdenkmals im Basler Hafenbecken 1 die Schweizerischen Rheinhäfen, der Hafen Rotterdam und der Logistikcluster Region Basel eine Absichtserklärung: Sie wollen die Entwicklung der Hinterlandverkehre aus dem Seehafen Rotterdam gemeinsam und abgestimmt vorantreiben.

Dazu gehört der regelmässige Informations- und Erfahrungsaustausch der Hafenbetriebe beider Seiten sowie der beteiligten Logistikbetriebe. Gemeinsam will man die Kooperation zwischen Bahn und Schiff fördern. Das Zauberwort heisst «intermodal» und bedeutet, dass die verschiedenen Transportformen - Schiff, Bahn, Strasse - sinnvoll verknüpft werden. Eine zentrale Rolle spielt dabei «die Realisierung eines neuen tri-modalen Container-Terminals Basel-Nord mit Schwerpunkt Schiff-Bahn». Zudem verpflichten sich beide Häfen, Flüssiggas als umweltschonenden Schiffstreibstoff zu fördern. Konkret: Basel wird in Zukunft eine Flüssiggas-Bunkermöglichkeit für Rheinschiffe einrichten.

Hafen bundespolitisch aufwerten

Auch wenn sich die Niederlande nicht an der Finanzierung des Hafenbeckens 3 beteiligen werden, ist nicht zu übersehen, dass Basel durch die Allianz mit dem anderen Endpunkt der Wasserstrasse auch ein Signal in Richtung Bundesbern schickt: «Die Rheinhäfen sind ein wichtiger Bestandteil nicht nur schweizerischer, sondern auch europäischer Versorgungskonzepte», betonte Hafendirektor Hans-Peter Hadorn.

«Als logistisches Einfallstor in die Schweiz und Zugang zum alpenquerenden Verkehr mit Italien nimmt der Logistikcluster Region Basel für den Hafen Rotterdam eine wichtige Position ein», heisst es im Memorandum. Entsprechend sprach der Logistik-Direktor des Rotterdamer Hafens nicht nur von der Schweiz, sondern auch der «Achse Rotterdam-Genua». Und der Baselbieter Volkswirtschaftsdirektor Peter Zwick zeigte sich «überzeugt, dass dies der richtige Weg ist» und rechnete vor, das Schiff sei die ökologischste Transportform.