Warum soll der Wähler Christophe Haller wählen und nicht Patrick Hafner - oder umgekehrt?

Christophe Haller: Es ist schon zu vermuten, dass der Kampf sich um den frei werdenden Sitz und um das Präsidium drehen wird. Wählen soll man mich, weil ich politische Erfahrung mitbringe durch meine Grossratstätigkeit, Exekutiverfahrung als Bürgerrat, Lebenserfahrung, weil ich schon ein paar Jahre auf dem Buckel habe. Zudem habe ich Führungserfahrung aus der Privatwirtschaft, wo ich immer in Kaderpositionen tätig war.

Patrick Hafner: Ich denke, es gibt ein zentrales Argument. Wer zufrieden ist mit dem, was Hanspeter Gass gemacht hat, soll wieder einen FDPler wählen. Wer nicht zufrieden ist, wählt mich.

Haller: Hanspeter Gass hat keinen schlechten Leistungsausweis, er hat gute Arbeit geleistet, die Polizei reorganisiert und einen neuen Polizeikommandanten angestellt, den ich auch gut finde. Er hat es geschafft, dass die Polizei aufgestockt werden kann. Ich denke es geht vor allem um externe Faktoren, die dazu beigetragen haben, dass die Kriminalität steigt und die muss man jetzt anschauen.

Hafner: Ich will hier auch nicht per se Gass kritisieren. Aber ich denke doch, dass er einige Chancen verpasst hat. So hätte er beispielsweise nach den Saubannerzügen in der Innenstadt mehr Polizisten verlangen können und er hätte sie auch bekommen. Aber dafür hat es erst unsere Sicherheitsinitiative gebraucht.

Ist das so, Herr Haller?

Haller: Die Initiative zielte in die richtige Richtung, aber man wusste, dass sie chancenlos ist. Ich habe lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach, aber das dürfte einer der Unterschiede zwischen unseren Parteien sein. Man muss hierzu auch noch sagen, dass die Linksgrünen die Sicherheitslage unterschätzt haben. Bei der SP steht immer noch im Parteiprogramm, dass die Kriminalität in Basel nicht steigt, obwohl alle Zahlen etwas anderes sagen. Rot-Grün hat diese Haltung in die Regierung gebracht und damit dem Sicherheitsdirektor das Leben schwer gemacht.

Hafner: Gut möglich. Aber, wenn man eine bürgerliche Mehrheit in der Regierung will, dann würde ich von der FDP erwarten, dass sie mit uns zusammenarbeitet.

Haller: Das lag nicht an der FDP, dass wir nicht zusammengehen. Das waren zwei andere Parteien, die eine davon war Deine SVP.

Wo ist eigentlich der Unterschied zwischen Ihnen beiden?

Haller: Inhaltlich glaube ich, haben wir wenig Differenzen, da wirst Du mir zustimmen, Patrick.

Hafner: Ja, das ist so und wir haben beide auch als Bürgerräte Exekutiverfahrung.

Haller: Stimmt, aber ich kandidiere ja auch nicht gegen Patrick Hafner, ich kandidiere für die Bevölkerung von Basel, Riehen und Bettingen und für mich. Sollte ich gewählt werden und Sicherheitsdirektor werden, werde ich mich vor meine Leute stellen. Ich will, dass die Politik dem einzelnen Polizisten mehr Respekt und Wertschätzung entgegenbringt. Ein Regierungsrat ist auch Kommunikator, der die Meinung des Volkes ins Departement trägt und die der Sicherheitsorganisationen in die Regierung.

Gesetzt der Fall, die Mehrheitsverhältnisse bleiben, wie sie sind. Wird es schwierig für Sie, sich in eine rot-grüne Regierung zu integrieren?

Hafner: Nein, ich denke ich habe als Grossratspräsident bewiesen, dass ich Politik für alle machen kann.

Haller: Ich nehme mir hier einen Satz von Christoph Eymann zu Herzen: «Wenn man in den Regierungsrat geht, lässt man das Parteibüchlein draussen.» Das bedeutet, man setzt sich in erster Linie für die ganze Bevölkerung ein und nicht für Parteiinteressen.

Hafner: Ich würde das Parteibuch nicht abgeben, aber es auch nicht gerade auf den Tisch knallen. Ich denke, man muss sich einfügen, soll sich aber auch nicht verleugnen.

Sie beide kandidieren zusammen mit einem Parteikollegen, der auch noch Präsident werden will. Herr Haller mit Baschi Dürr, Herr Hafner mit Lorenz Nägelin. Ist das Ziel eine Zweiervertretung Ihrer jeweiligen Parteien?

Hafner: Das wird wohl kaum nach dem ersten Wahlgang klar sein. Vor dem zweiten Wahlgang müssen wir neu analysieren, wir haben einfach gesagt, wir wollen auch für das Regierungspräsidium antreten und dafür hat sich Lorenz Nägelin zur Verfügung gestellt und ich denke, das ist gut so.

Haller: Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das Volk noch nie einen SVP-Vertreter in die Regierung gewählt hat und deshalb muss man beide FDPler wählen, um Rot-Grün zu kippen.

Hafner: In den letzten Jahren hat die SVP vielerorts bewiesen, dass sie Regierungsverantwortung übernehmen kann und will. Sonst bleibt sie in der Opposition und macht weiterhin Oppositionspolitik.

Ist das eine Drohung Herr Hafner?

Hafner: Nein, aber natürlich machen wir stärker Opposition, wenn wir nicht in die Regierung eingebunden sind.

Haller: Ich finde es gut, dass es als Gegengewicht zur linken Opposition durch die Basta eine rechte Opposition durch die SVP gibt. Das ist eine wichtige Aufgabe der SVP. Wenn man sich beispielsweise die Äusserung des SVP-Geschäftsführers Joel Thüring ansieht, der SP, Grüne und FDP für die Vergewaltigungen in Basel mitverantwortlich macht, ist die SVP in der Stadt Basel vielleicht einfach noch nicht ganz so weit, um in der Regierung mitzuarbeiten.

Hafner: Nun also erstens ist die Aussage so nicht gemacht worden und zweitens kandidiert Joel Thüring nicht für die Regierung, sondern für den Grossen Rat.

Haller: Aber er ist ein wichtiger Exponent der SVP.