Auch zwei Wochen nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative ist Franz Saladin, der Direktor der Handelskammer beider Basel, irritiert über das Abstimmungsergebnis. Saladin ist überzeugt, dass die Einführung von Kontingenten der Wirtschaft schadet. Denn die Wirtschaft braucht Fachkräfte aus der EU.

Mit einer Bildungsoffensive will er mit der Handelskammer beider Basel den Schaden für die Wirtschaft in Grenzen halten. Der bz liegt der Aktionsplan von Saladin vor. Konkret geht es um drei Punkte: Saladin will die Berufsbildung stärken, die Naturwissenschaften fördern und den Praxisbezug der Ausbildungen an der Universität verbessern.

Bei der Berufsbildung geht es der Handelskammer darum, die strategische Erfolgsposition der Schweiz zu erhalten: «Basel hat eine zu hohe Maturquote», erklärt Saladin. Das führe zu einem Mangel an leistungsstarken Lehrstellenbewerbern in der dualen Berufsbildung. Die Handelskammer will deshalb das Image der Berufslehre verbessern und die Kontakte zwischen den Schulen, insbesondere den Lehrern, einerseits und der Arbeitswelt andererseits verbessern. Zudem gelte es, den Bildungsweg über Berufsmaturität und Fachhochschule bekannter zu machen. «Eine gute Lehre, die in Berufsmatur und Fachhochschule mündet, ist besser als ein mässiger Gym-Abschluss», ist Saladin überzeugt.

Besonders ausgeprägt ist der Fachkräftemangel in den technischen Berufen. Seinen Anfang nimmt der Mangel in der Abneigung, die viele Schüler vor mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächern haben. Die Handelskammer will deshalb nicht nur diese sogenannten Mint-Fächer stärken, sondern die Bildung gezielt in Richtung Technologieberufe stärken. «Der Schweiz fehlen schon heute Tausende von Ingenieuren», erklärt Saladin. «Es ist im ureigenen Interesse unseres Landes, wenn die Schulen die Themenfelder rund um Technik stärken.»

Ein wichtiges Vehikel ist dabei die Initiative der Handelskammer für die Förderung von Nachwuchs in Technik und Naturwissenschaften (Tun). Bisher gab es die Tun nur in Basel. Jetzt will die Handelskammer die Initiative auf die ganze Schweiz ausweiten. Entsprechende Tun-Initiativen haben in der Folge in Bern und Zürich stattgefunden, in St. Gallen ist die Erlebnisschau in Planung.

Saladin will aber nicht nur Volksschule und Gymnasium ansprechen, sondern auch die Hochschulen. Natürlich sei die Freiheit von Forschung und Lehre an den Universitäten zu gewährleisten, doch Hochschulabgänger sollen auf die Bedürfnisse der Wirtschaft besser vorbereitet werden als bisher. «Dazu müssen Ausbildner, also die Hochschulen, und Abnehmer, also die Wirtschaft, enger zusammenarbeiten. Ein höherer Praxisbezug der universitären Ausbildung wäre sicher hilfreich», meint Saladin. Er denkt etwa an Wirtschaftsbeiräte für einzelne Fakultäten. Damit sich die Studenten selbst ein Bild von den Anforderungen und Möglichkeiten nach dem Studium machen können, veranstaltet die Handelskammer am 13. November 2014 zum ersten Mal eine Absolventenmesse.

Konkurrenz tut gut

Auch wenn alle Anstrengungen greifen, ist sich Saladin sicher: «Unsere Wirtschaft wird weiterhin auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen sein.» Der Beizug ausländischer Fachkräfte sei aber nicht nur wichtig, weil die Wirtschaft einen Bedarf decken müsse. «Wir Schweizer müssen uns der internationalen Konkurrenz stellen. Ganz egal, wie offen oder geschlossen unsere Landesgrenzen für Arbeitskräfte sind – die Schweizer Wirtschaft muss sich heute global bewähren. Anspornende Konkurrenz im eigenen Land tut da nur gut.»