Land ist knapp in der dicht überbauten Agglomeration. Die zunehmende Bevölkerung mit wachsenden Ansprüchen an Wohnfläche, der wirtschaftliche Strukturwandel oder städtebauliche Projekte hin zu gemischter Wohn- und Gewerbenutzung erzeugen Druck auf die der Wirtschaft zur Verfügung stehenden Flächen.

Hinzu kommt der steigende Flächenbedarf der bereits ansässigen Firmen: Deren betriebseigenen Flächenreserven seien bis 2015 aufgebraucht, erklärte gestern an einer Medienkonferenz Martin Dätwyler, Geschäftsführer Wirtschaftspolitik und Autor der von der HKBB präsentierten Studie zu 19 Wirtschaftsarealen in den beiden Basler Kantonen.

Überkantonale Grundlagen schaffen

«Mit der Studie wollen wir für die Wirtschaftsareale einen gewissen Gegendruck aufbauen», erklärte HKBB-Direktor Franz Saladin. So sei es im Standortwettbewerb für Investitionsentscheide wichtig, dass Flächen vorhanden sind. «Und diese Flächen müssen fit sein.» Doch bisher fehle eine ganzheitliche Übersicht, wie Wirtschaftsflächen künftig genutzt werden sollen, was ihr Entwicklungspotenzial wäre und was man in die Wege leiten müsste, um in den Augen der Investoren die Fitness der Areale zu erhalten oder zu steigern.

Konkret regt die Handelskammer an – das Wort «fordern» wurde gestern vermieden –, dass die beiden Basler Kantone gemeinsam eine Arealentwicklungsstrategie entwickeln und dabei allenfalls auch den Aargau, Solothurn und den Jura mit einbeziehen. «Man kann die Strategie für einen Wirtschaftsraum nicht getrennt entwickeln. Dies erfordert eine gesamtheitliche Betrachtung», betonte Dätwyler. So ruft die HKBB dazu auf, «mit einer gemeinsamen regionalen Raumordnungspolitik und Wirtschaftspolitik in den Kantonen Basel-Stadt und Baselland die vorhandenen Potenziale zu nutzen und Verkehrsdefizite zu beseitigen.»

Hoher Koordinationsbedarf

«Es freut uns, dass die Arealentwicklung Teil der Wirtschaftsstrategie des Kantons Baselland ist. Mit der Studie versuchen wir nun, dies mit Inhalt zu füllen», erklärte Dätwyler. Es gebe aber bezüglich Organisation kein Patentrezept. «Jedes Areal ist anders strukturiert.» So sei es im Dreispitz relativ einfach, da das Areal in der Hand eines einzigen Eigentümers sei. Je nachdem könne ein Wirtschaftsrat wie in Muttenz die adäquate Organisationsform sein. «Wir beziehen uns nicht nur auf neu zu überbauende Areale auf der grünen Wiese, sondern auf die Umwandlung der bestehen Areale, die teilweise unternutzt sind oder zwischengenutzt werden. Da kann die Koordination sehr anspruchsvoll sein.» Dabei sei vor allem die Arrondierung der Besitzverhältnisse wichtig.

Weiter drängt die HKBB darauf, dass die Projekte des Agglomerationsprogramm umgesetzt werden. «Insbesondere geht des darum, dass die Projekte im richtigen Moment baureif sind und dass die Kantone die erforderlichen Gelder bereithalten, damit die Bundessubventionen nicht verloren gehen», betonte Dätwyler.

Gewerbe nicht verdrängen

Zudem fordert die HKBB, dass die Grundstücke «erschwinglich» bleiben sollen, damit das Gewerbe nicht verdrängt wird. «Wenn man die Nutzungen mischt, dann steigen die Preise», erläuterte Dätwyler. «Dies führt zu Verdrängungseffekten. Eine Agglomeration braucht aber auch Gewerbebetriebe, und die müssen auch Platz haben, auch wenn Bäcker oder Schreiner nicht die gleich hohe Wertschöpfung wie andere Branchen haben.»

Und Saladin ergänzte: «Man kann nicht in jeden Nutzungsplan schreiben, dass die Flächen Branchen mit hoher Wertschöpfung vorbehalten bleiben.» Und wenn es durch wirtschaftliche Transformation oder Umnutzung in Wohnraum zu Verdrängung komme, dann müsse man als Ersatzflächen auch Einzonungen ins Auge fassen.