Am Neujahrsempfang der Baselbieter Wirtschaftskammer kamen keine Zweifel auf: Seitens der handwerklich orientierten KMU-Wirtschaft wird bei den kantonalen Wahlen vom 8. Februar das bürgerliche Viererticket mit Anton Lauber (CVP), Thomas Weber (SVP), Sabine Pegoraro (FDP, alle bisher) sowie Monica Gschwind (FDP, neu) unterstützt. Wirtschaftskammer-Direktor Christoph Buser sagte, dass das Programm der vier bürgerlichen Kandidaten an den richtigen Orten ansetze: Sanierung des in Schieflage geratenen Kantonshaushalts, Vorantreiben der Wirtschaftsoffensive, Klärung der Aufgaben zwischen Kanton und Gemeinden.

Doch wie positioniert sich die Handelskammer beider Basel, der Zusammenschluss der grösseren Firmen aus Handel, Industrie und Dienstleistungen, im Baselbieter Wahlkampf? Die Anfrage der bz kommt zur Unzeit: Am Dienstag wird die Handelskammer mitteilen, wen der Vorstand zur Wahl in die fünfköpfige Regierung empfiehlt. Doch die bz weiss: Gegenüber der FDP-Kandidatin und Hölsteiner Gemeindepräsidentin Monica Gschwind bestehen Vorbehalte. Dazu will Handelskammer-Direktor Franz Saladin jedoch nichts sagen: «Kein Kommentar.»

Differenzen bei Harmos

Differenzen lassen sich aus bisherigen Stellungnahmen herauslesen. Dies namentlich in der Bildungspolitik, in der sich Gschwind im Wahlkampf zu profilieren versucht. Sie fordert bei Harmos, der vom Volk 2010 abgesegneten Bildungsharmonisierung, einen Marschhalt angesichts der vielen Fragezeichen. Die Handelskammer um ihren ebenfalls freisinnigen Direktor Saladin hat wiederholt auf die Vorteile eines kantonsübergreifenden Schulsystems hingewiesen. Der im Baselbiet vom Gschwind-Supporter und Grünen-Landrat Jürg Wiedemann vorangetriebene Ausstieg aus Harmos kritisiert Saladin vehement. Ähnliches gilt für den Lehrplan 21: Die Handelskammer unterstützt im Grundsatz einen sprachregional einheitlichen Lehrplan für die obligatorische Schule und äussert am vorliegenden Werk bloss Detailkritik; dies im Gegensatz zu Gschwind, die inhaltlich mit dem Lehrplan 21 «recht wenig anfangen» könne, wie sie an ihrer Medienkonferenz vor Monatsfrist sagte. Weder gebe der Lehrplan konkrete Lernziele vor, noch existierten die dafür geeigneten Lehrmittel.

Auch wenn Direktor Saladin nicht alleine entscheidet; die weltanschaulichen Differenzen zwischen ihm und Gschwind sind beträchtlich: da die konservative Gschwind, die Liberalismus im Sinne von «möglichst wenig Staat» interpretiert und dessen Rolle in erster Linie im Schutz der Bürger und deren Eigentum sieht, dort der progressive Saladin, für den Liberalismus ein umfassendes wirtschaftliches wie gesellschaftliches Konzept darstellt und für den Weltoffenheit ein wichtiger Bestandteil davon ist.

Wie steht Verband zu Reber?

Dennoch wird es darauf hinauslaufen, dass der Handelskammer-Vorstand das bürgerliche Viererticket unterstützt. Zu gross sind etwa die Differenzen mit den beiden SP-Kandidaten Regula Nebiker und Daniel Münger in wirtschafts- und finanzpolitischen Fragen – der Kern der verbandspolitischen Tätigkeit der Handelskammer. Münger bestätigt dies indirekt, wenn er allgemein sagt: «Bei Gesamterneuerungswahlen kommt es kaum vor, dass sich Bürgerliche öffentlich für linke Kandidaten engagieren.» Dasselbe gelte umgekehrt für die Unterstützung von SPlern für Bürgerliche. Ein Spezialfall ist der grüne Sicherheitsdirektor Isaac Reber, der bei Wirtschaft und Finanzen pointiert liberal politisiert. Wie der Vorstand der Handelskammer zu ihm steht, ist unklar.