Kunstfälschung

Handsigniert, aber nicht vom Künstler – Kunsthändler verkaufte tausende gefälschte Werke

Mehr als 3800 Kunstwerke verkaufte ein Basler Händler via Internetauktionsbörsen. Herausgetrennte Buchseiten pries er mit gefälschter Signatur als Raritäten zum Schnäppchenpreis an. Jetzt muss sich der Mann vor Gericht verantworten.

Die Liste ist scheinbar endlos – und gespickt mit den klingendsten Namen: Pablo Picasso, Salvador Dali, Marc Chagall, Henri Matisse, Andy Warhol, Roy Lichtenstein. Über 3000 Sammlerstücke dieser und weiterer weltberühmter Künstler listet die Anklageschrift der Basler Staatsanwaltschaft auf. Alle handsigniert, allerdings kein einziges vom Künstler selber. Verkauft hatte die Drucke, Kunstkataloge und Lithographien ein heute 72-jähriger Basler.

Bereits 2013 deckte diese Zeitung sein Geschäftsgebaren auf. Sechs Jahre später muss er sich nun anfangs Dezember vor dem Basler Strafgericht verantworten. Auf den angeklagten gewerbsmässigen Betrug steht eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren.
Fast zehn Jahre lang betrieb der Mann im Internet einen florierenden «Kunst»-Handel auf Auktionsportalen wie Ricardo und Ebay, aber auch auf speziellen Seiten für Kunstinteressierte.

Sein Trick: Er verkaufte den «Ausschuss» der grossen Namen für den kunstaffinen Schnäppchenjäger – Einzelstücke aus einer limitierten Auflage, Ausstellungskataloge oder seltene Kunstbücher. Wertvoll machte diese Stücke jeweils die angebliche Unterschrift der Künstler. In Wahrheit handelte es sich bei den angebotenen Drucken um herausgetrennte Buchseiten aus Kunstbänden oder Katalogen, die der Mann meist in Bücherbrokis gekauft und dann mit einer gefälschten Unterschrift aufgewertet hatte.

Detailreiche Anekdoten und gefälschte Zertifikate

Der Trick: Um zu überprüfen, ob solche Drucke authentisch sind, braucht es spezifisches Wissen. Abklärungen sind meist mit grossem Aufwand verbunden. Und eine Expertenanalyse der Unterschrift hätte die Hobby-Sammler meist mehr gekostet als das Objekt der Begierde. So mussten sich die Kunstliebhaber auf die Angaben des Händlers verlassen, der auf Nachfrage immer ein gefälschtes Echtheitszertifikat mitlieferte.

Mehr als 3800 Drucke verkaufte der Mann insgesamt via Internet. Die Deliktsumme beträgt fast eine halbe Million Franken. Besonders perfide: Eine Komplizin bot regelmässig bei den Auktionen mit, um den Preis in die Höhe zu treiben. Weiter soll er gemäss Anklage eine Summe von mehr als 100'000 Franken veruntreut haben.

«Bewandert, weltgewandt, eloquent und vertrauenswürdig» sei der Beschuldigte gegenüber Kunden aufgetreten, schreibt die Staatsanwaltschaft. Dabei rühmte er sich immer wieder mit angeblichen Freundschaften zu bekannten, aber längst verstorbenen Kunstsammlern, was seinen Fundus erkläre. Unklar bleibt, wie viel von seiner Biografie wahr ist. Nach einer Lehre als Vergolder habe er als Rahmenmacher und Restaurator gearbeitet, gibt der Mann zur Auskunft. Dabei habe er für renommierte Galerien, Privatkunden und sogar das spanische Königshaus gearbeitet. Auch versuchte er sich als Hotelier. Mit seinen detailreichen Erklärungen verbunden mit einer Einladung in exklusive Restaurants konnte er die meisten Zweifel zerstreuen.

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