Städtebau
Hans-Peter Wessels: «Der Ausbau der Basler S-Bahn ist in Bern mittlerweile unbestritten»

Der Basler Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP) erhofft sich vom neuen Margarethenplatz am Bahnhof SBB vielfältige Impulse.

Peter Schenk und Hans-Martin Jermann
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Hans-Peter Wessels:

Hans-Peter Wessels:

Kenneth Nars

Herr Wessels, bleibt es dabei oder müssen wir bald wieder mit einer Überraschung wie beim Bahnkongress im April 2016 rechnen? Damals haben Sie mit neuen Trassenvorschlägen die Diskussionen um das Herzstück erst angeheizt. Nun gab es wieder viel Neues.

Hans-Peter Wessels: Ich glaube, das ist jetzt sehr viel stabiler, besser konsolidiert und unter Einbeziehung der Partner von Bund und SBB entwickelt worden. Wir haben die Trassierung und die Positionierung der beiden Haltestellen definiert und aufzeigen können, dass es möglich ist, auf Tiefbahnhöfe, die sehr teuer wären, zu verzichten. Das begrüssen auch die SBB und die Deutsche Bahn (DB). Beim Bahnhof SBB schaffen wir das, indem wir eine gute Anbindungsmöglichkeit westlich vom Bahnhof gefunden haben und erst auf der anderen Seite des Birsigtals in die Tiefe abtauchen müssen.

Visualisierung Haltestelle Mitte, Ausgang Hauptpost
7 Bilder
Herzstück Regio-S-Bahn
Visualisierung Haltestelle Mitte, Ausgang Schifflände
Seit unzähligen Jahren laufen die Planungen und Vorbereitungen für eine unterirdische Verbindung durch die Innenstadt zwischen den beiden Basel Bahnhöfen SBB und Badischer Bahnhof.
Herzstück Variante Hoch Y
So soll der Streckenplan 2030 aussehen.
Die Margarethenbrücke soll zum Margarethenplatz verbreitert werden.

Visualisierung Haltestelle Mitte, Ausgang Hauptpost

Herzog und de Meuron

Darauf hätte man doch aber auch vorher schon kommen können!

Die Grundbedingungen haben wir erst jetzt im Rahmen des Vorprojekts klären können. Wir stehen aber immer noch am Anfang. Von den 30 Millionen Franken für das Vorprojekt haben wir bisher erst ungefähr ein Zehntel verbraucht. Die eigentlichen Arbeiten fangen erst an.

Ein wichtiger städtebaulicher Bestandteil ist die neue Margarethenbrücke. Was bringt diese?

Man kann damit mehrere Anliegen umsetzen. Der Bahnhof SBB ist heute wegen der Verkehrsbeziehungen relativ weit weg von der Innenstadt. Von der Margarethenbrücke aus ist es aber nur eine Tramhaltestelle bis zur Heuwaage. Im Moment ist das eine unattraktive Achse, durch die kaum jemand geht. Das kann in 20 Jahren ganz anders sein. Zudem ist es heute ein relativ langer Weg vom Centralbahnplatz durch die Bahnhofshalle und die Passerelle zu den Zügen hinab. Dasselbe gilt für den Meret-Oppenheim-Platz auf Gundeldinger Seite. Vom neuen Margarethenplatz wird der Fussweg sehr viel kürzer. Schliesslich entlastet er die Passerelle und bindet das Gundeli besser an die Stadt an.

Das Passagieraufkommen soll auf dem Margarethenplatz so hoch wie auf dem Centralbahnplatz sein. Ist das realistisch?

Absolut. Wenn die Züge sich um eine halbe Länge nach Westen verschieben und man das attraktiv ausbaut, kommt man mit ganz kurzen Wegen direkt zum Tram. Dort fahren die bestehende 16er-Linie und mit dem Margarethenstich der 17er aus dem Leimental.

Die zum Margarethenplatz verbreiterte Brücke.

Die zum Margarethenplatz verbreiterte Brücke.

zvg

Wie schätzen Sie die Chancen für das Herzstück in Bern ein?

Es ist schwer zu sagen, wie viel von unseren Projekten in den Finanzierungspaketen Platz hat. Es kommt auch darauf an, ob es für den Ausbau der Bahninfrastruktur sieben oder zwölf Milliarden Franken gibt. Die Chancen sind heute aber sicher grösser geworden. Ich halte es mittlerweile für unbestritten in Bundesbern, dass man die S-Bahn in Basel ausbauen muss. Ich bin optimistisch und hoffe, dass ein möglichst grosser Teil im nächsten Ausbauschritt enthalten sein wird. Wenn nicht, ist es wichtig, dass wir die Bereitschaft für eine Vorfinanzierung signalisieren. Dafür muss der Bund das Projekt als wünschbar einstufen. Da sind wir aber zuversichtlich. Wir müssen wie die letzten zwei Jahre am Projekt weiterarbeiten und es mit den SBB und dem Bundesamt für Verkehr (BAV) weiterentwickeln.

Welche Rolle spielen diese dabei?

SBB und BAV müssen sich genau überlegen, inwieweit sie die neuen Infrastrukturelemente des Herzstücks auch für den Fernverkehr nutzbar machen wollen. Weil dies auch zentral den Badischen Bahnhof betrifft, muss natürlich auch die DB eingebunden sein.

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