Wahlen Basel-Stadt

Hans-Peter Wessels gibt Vollgas im Wahlkampf

Gut gelaunt wie immer führte Baudirektor Hans-Peter Wessels gestern auf einer Velotour quer durch Basel.

Gut gelaunt wie immer führte Baudirektor Hans-Peter Wessels gestern auf einer Velotour quer durch Basel.

Baudirektor Hans-Peter Wessels ist im Wahlkampf präsenter als seine SP-Kollegen Herzog und Brutschin. Das hat verschiedene Gründe.

Hans-Peter Wessels lud gestern zu einer Velotour quer durch Basel. Zwischen Dreiländereck und Birsköpfli zeigte er den rund 20 Mitfahrenden an verschiedenen Orten, wie sich Basel während seiner Amtszeit als Baudirektor entwickelt hat. Er sprach von der Belebung des Rheinufers in Kleinhüningen dank der Cafés, die als Zwischennutzung dort entstanden sind und die sich ausbreiten. Er wies in der Rheingasse auf den Erfolg des Verkehrskonzepts Innenstadt hin, das einen Boulevard hat entstehen lassen. «Dafür sind gerade einmal 77 Parkplätze weggefallen – in ganz Kleinbasel», hielt er fest.

Fleissig auf Facebook

Im Wahlkampf gibt Wessels Vollgas – nicht nur auf dem Velo. Auf Facebook teilt er regelmässig Medienberichte und postet Bilder, etwa ein Selfie vom Grossratsreisli auf das Schilthorn. Er hebt sich damit von seinen zwei SP-Regierungskollegen Christoph Brutschin und Eva Herzog ab. Brutschin hat zwar ein Facebook-Konto, hält sich dort aber zurück. Herzog ist auf Facebook nicht zu finden.

Das gleiche Bild präsentiert sich beim Blick auf die Medienmitteilungen der Departemente. Während Herzogs Medienverantwortlichen im Finanzdepartement seit Juni sieben Mitteilungen veröffentlicht haben, kamen aus Brutschins Departement Wirtschaft, Soziales und Umwelt deren zwölf. Wessels’ Bau- und Verkehrsdepartement hat die Redaktionen in der gleichen Zeit 45-mal mit einer Mitteilung versorgt.

Was für die Medien das Sommerloch ist, ist für die Baudirektion offenbar der Wahlkampf: Sie verbreitet ab und zu Meldungen, die es sonst tendenziell nicht in die Öffentlichkeit schaffen würden. «Die 80. Begegnungszone in einem Wohnquartier ist vollendet» oder «Wolfgottesacker – Freude und Leid mit einem historischen Friedhof» heisst es dann beispielsweise.

Der frühere Basler SP-Präsident Roland Stark kennt die Gründe für Wessels’ intensiven Wahlkampf: «Er muss stärker um Stimmen kämpfen, weil er als Baudirektor auch mehr Kritik abkriegt als andere. Er ist quasi Schuld an jeder Tramverspätung und an jedem fehlenden Parkplatz.» Ausserdem liege es in der Natur der Sache, dass der Baudirektor viel mitzuteilen hat: «Der Baudirektor weiht Velowege ein, feiert die Aufrichte von Hochhäusern, kündigt Baustellen an und vieles mehr», sagt Stark. Die Finanzdirektorin dürfe einmal im Jahr das Budget und die Rechnung präsentieren, und auch der Wirtschaftsdirektor habe weniger konkrete Themen zu bewirtschaften.

Ein ehemaliger, langjähriger Basler Departementssprecher bestätigt, dass der Baudirektor medial präsenter ist als andere. Er sagt aber auch: «Gewisse Departemente schrauben die Anzahl Mitteilungen im Wahlkampf hoch. Man aktiviert die Medien auch gerne einmal, wenn die Botschaft nicht wirklich wichtig ist. Oder man behält eine positive Meldung zurück, um sie dann im Wahlkampf zu präsentieren.» Zugleich relativiert er: «Man bleibt so vielleicht in guter Erinnerung. Aber eine Wahl hat so noch niemand gewonnnen.» Das Baudepartement teilt mit, die Zahl der Medienmitteilungen sei dieses Jahr nicht höher als früher.

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