Herr Wessels, Sie haben bereits acht Jahre auf dem Buckel, sind ständig auf Achse. Was motiviert Sie, weiter zu machen?

Hans-Peter Wessels: (lacht laut) Auf dem Buckel! Ja, so sieht das von den Jungen gesehen immer aus. Einerseits macht mir mein Job Spass, andererseits sind diese acht Jahre sehr schnell vorbei gegangen. Das Beste ist, dass ich in meiner Funktion viel gestalten und Einfluss darauf nehmen kann, dass sich Basel weiter erfolgreich entwickeln kann. Ich empfinde das als ein grosses Privileg und ich würde mich freuen, wenn ich die zahlreichen wichtigen Projekte, die wir im Departement verfolgen, weiterführen dürfte.

Da erübrigt sich die Frage, wieso Sie das Regierungspräsidium nicht wollen. Es wäre zu viel Händeschütteln und zu wenig Gestalten.

Das Zweite haben Sie jetzt gesagt. Aber es ist schon so: Ich mag das Konkrete. Es geht mir darum, Projekte zu schaffen, die man nachher anschauen und anfassen kann - oder die man gar betreten kann wie beispielsweise den Erweiterungsbau des Kunstmuseums. In meiner Funktion kann man unsere Stadt sichtbar und konkret voranbringen und das macht meine Aufgabe im Bau- und Verkehrsdepartement so spannend und befriedigend.

Laufen Sie also durch die Stadt und klopfen sich selber auf die Schulter, wenn Sie beispielsweise am Kunstmuseum oder hier am Rheinuferweg vorbei- und entlangschlendern?

Ich freue mich einfach über solch tolle Projekte, die ich im übrigen bei weitem nicht alleine stemme: Im BVD arbeiten über 1000 Leute und bei vielen Projekten sind zahlreiche weitere Verwaltungsstellen und private Partner involviert. Aber wenn ich durch die Stadt gehe, sehe ich an unzähligen Orten Dinge, wo es uns in den letzten Jahren gelungen ist, die Lebensqualität zu erhöhen und die Stadt attraktiver zu machen. Da schwingt dann schon etwas Stolz mit, aber vor allem die Freude, für die Basler Bevölkerung etwas Gutes umgesetzt zu haben.

Sie betonen immer wieder, dass es viele Orte gibt, an denen sichtbar wird, was Sie machen. Beispielsweise die Wohnraumentwicklung im Erlenmattquartier oder die autofreie Innenstadt. Wieso haben Sie sich ausgerechnet das Kleinbasler Rheinufer für unser Treffen ausgesucht?

Hier ist es ganz offensichtlich, wie sich Basel verändert hat – und das zum Positiven. Die Lebensqualität hat spürbar zugenommen und der öffentliche Raum ist viel belebter geworden. Natürlich gibt es immer Widerstände, das ist bei den meisten Projekten so. Wenn man sechs oder sieben Jahre zurückschaut, dann haben damals dieselben Kreise, denen man auch heute kaum etwas Recht machen kann, von Buvetittis geredet. Sie haben sich lustig gemacht darüber, haben gesagt, es sei eine Furzidee des BVD. Fakt ist aber: Das Kleinbasler Rheinufer ist zu einem Ort geworden, an dem sich Jung und Alt gerne aufhalten. Es ist ein Stück Lebensqualität. Die Kritiker sind natürlich geblieben - aber diese Leute finden immer Dinge, gegen die sie vorgehen können - aktuell wehren sie sich gegen die Sanierung und den Umbau der Kaserne. Sie bekämpfen solche Chancen für das Kleinbasel, was ich bedaure.

Wie viele Nerven raubt das?

Basel verändert sich in diesen Jahren relativ schnell. Nach Jahrzehnten der Stagnation nehmen die Arbeitsplätze stark zu und auch die Einwohnerzahl wächst wieder. Die Wirtschaftsstruktur wandelt sich und auch die Zusammensetzung der Bevölkerung. Ich verstehe sehr gut, dass dieser Wandel auch Ängste wecken kann. Diese gilt es ernst zu nehmen. Es gehört einfach dazu, dass hin und wieder ein Projekt abgelehnt wird, wie etwa die Stadtranderweiterung Ost. Die Langsamkeit in politischen Prozessen hat manchmal aber auch etwas Gutes.

Was denn?

In Städten, die sich zu rasch entwickeln, steigt die Gefahr, dass lieblose und sterile Quartiere entstehen, die kein einladendes Wohnumfeld bieten. Oder man wird dem Verkehrsproblem nicht mehr Herr und die Lebensqualität sinkt.

Müssten Sie nicht froh sein, jedes Projekt schnellstmöglich durchbringen zu können?

Nein, ich habe ganz und gar nichts dagegen, wenn sich die Leute intensiv einbringen. Im Gegenteil: Ich wünsche mir eine breite Diskussion. Schliesslich möchten wir ja Vorhaben realisieren, die möglichst vielen zu Gute kommen. Diskussionen gab es immer und soll es immer geben. Auch beim Erlenmattquartier, das jetzt langsam Form annimmt und von dem ich überzeugt bin, dass es zu einem äusserst beliebten Quartier wird.

Sind Sie ein Zocker?

Dafür trage ich zu viel Verantwortung. Als Zocker würde ich mich deshalb nicht bezeichnen. Auch nicht beim Jassen übrigens, da bin ich eher vorsichtig.

Also sind Sie nicht so ein guter Jasser?

Es gibt Leute, die mir vorhalten, dass ich die Trümpfe zu lange zurückhalte und sie erst spiele, wenn das Eine oder Andere schon gegangen ist. Sind Sie denn eine gute Jasserin?

Sagen wir es so: Ich verstehe Ihr Jass-Dilemma sehr gut.

(lacht). Aber nun zurück zu Ihrer Frage. Auch wenn ich nicht besonders risikofreudig bin, so stosse ich doch gerne Projekte an, selbst wenn keine Erfolgsgarantie gegeben ist.

Aber das ist ja genauso risikobehaftet.

Ja klar, nur wenn man nichts anpackt, kann auch nichts schiefgehen. Mein Job ist es jedoch, die Stadtentwicklung voranzubringen. Das bedeutet, ich muss Projekte aufgleisen und umsetzen. Darunter befinden bisweilen auch Projekte, die keineswegs blind durch den politischen Prozess gewinkt werden – das ist ein gewisses Risiko. Aber dieser Prozess gehört dazu, das ist Demokratie. Und wenn dann hin und wieder ein Projekt während des Prozesses aufgegeben werden muss, ist das okay.

Also sind Sie politisch risikofreudig, sonst aber nicht.

Wo ich die Möglichkeit sehe, Basel-Stadt weiter zu bringen, nehme ich es in Angriff. Basel hat sich in den letzten Jahren derart positiv entwickelt, dass es ein Traumjob ist, in Basel Bau- und Verkehrsdirektor zu sein.

Es ist einfach, Bau- und Verkehrsdirektor zu sein, weil Basel so eine gute Phase hat.

Nein, das nicht. Gerade die Verkehrspolitik polarisiert stark. Schade finde ich einfach, dass die verschiedenen Verkehrsträger – Autos, öV, Velos - in letzter Zeit vermehrt gegeneinander ausgespielt werden. Mir fällt auf, dass insbesondere die velofeindlichen Äusserungen in der Basler Politik zugenommen haben. Das stört mich enorm.

Weil Sie selber Velofahrer sind?

Nein, sondern weil es im städtischen Raum kein effizienteres Verkehrsmittel gibt und jeder, der mit dem Velo unterwegs ist, dazu beiträgt, dass es weniger Stau gibt. Also müssten gerade die Autofahrerinnen und -fahrer ein hohes Interesse daran haben, dass man den Veloverkehr fördert.

Sie werden oft als Velopolitiker bezeichnet. Sind Sie es leid, diesen Stempel zu haben?

Ich lebe gut mit diesem Image. Aber es ist nur ein ganz kleiner Teil von dem, was wir im Departement machen. Unsere zwei wichtigsten Infrastrukturvorhaben sind der Rheintunnel, also ein Autobahnprojekt, und das Herzstück der Regio-S-Bahn. Bei beiden Projekten verfolgen wir das Ziel, in der nächsten Legislatur die Finanzierung auf Bundesebene sicherzustellen.

Ihnen wird zuweilen vorgeworfen, Sie seien «zu wenig magistral».

Das Amt ist keine Bürde, die man mir schon von Weitem her ansehen muss. Das heisst aber nicht, dass ich das Amt zu wenig ernst nehme. Nur weil man so eine Funktion hat, muss man nicht gemessenen Schrittes und geneigten Hauptes durch die Gegend schreiten. Aber man darf das auch mit einer gewissen Leichtigkeit und einem Lachen tun. Am Ende muss jede Person ihr jeweiliges Amt so repräsentieren, dass es für sie selbst stimmt. Ich möchte authentisch bleiben.

Ist das Ihr Erfolgsrezept?

Zu einem gewissen Teil sicher. Ich würde mir und auch dem Amt nichts Gutes tun, wenn ich mich verstellen würde.